Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Panorama Eva Padberg: Diese Kinder sind schwer traumatisiert
Nachrichten Panorama Eva Padberg: Diese Kinder sind schwer traumatisiert
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
13:13 22.10.2016
Unicef-Botschafterin Eva Padberg besuchte ein Flüchtlingslager im Nordirak. Unicef rechnet damit, dass in den nächsten Wochen 200.000 Menschen vor den Kämpfen in Mossul fliehen werden. Quelle: dpa-Zentralbild
Anzeige
Berlin

Top-Model und Unicef-Botschafterin Eva Padberg (36) hat nach einem Besuch in Flüchtlingslagern nahe der umkämpften irakischen Stadt Mossul zu Spenden aufgerufen. „Das ist eine humanitäre Katastrophe, und es gibt so viele Kinder, die davon betroffen sind“, sagte sie der Deutschen Presse-Agentur am Samstag.

„Es wird im Nordirak nachts jetzt schon sehr kalt. Es fehlt an Zelten, Decken und Winterkleidung. Das ist besonders für die Kinder überlebenswichtig.“ Padberg, seit zehn Jahren Unicef-Botschafterin, war am 17. Oktober in den Nordirak gereist, um auf das Leid der Kinder aufmerksam zu machen. In dieser Zeit begann die Offensive auf die nahe IS-Hochburg Mossul.

„Im ersten Moment war mir ein wenig mulmig. Aber im Großen und Ganzen geht in der Stadt Erbil bisher das normale Leben weiter, auch wenn 50 Kilometer entfernt die Frontlinie verläuft“, erzählt sie. Padberg hat bei ihrem dreitägigen Besuch mit Erwachsenen und Kindern im Flüchtlingslager Debaga nahe Erbil gesprochen. Dort leben zur Zeit 28.000 Menschen, rund 40 Prozent von ihnen sind Kinder.

Eva Padberg möchte mit ihrer Reise auf das Leid der Kinder, die aus Mossul fliehen mussten, aufmerksam machen. Quelle: dpa

„Mütter sind hier nach einem zwölfstündigen Fußmarsch mit kleinen Kindern angekommen, das Jüngste war vier Monate alt“, berichtet sie. „Und jeder hat eine persönliche Tragödie erlebt.“ So hätten Kinder ihr erzählt, dass sie die Verstecke ihrer Eltern verraten und auch bei Hinrichtungen zuschauen mussten.

„Sie sind schwer traumatisiert. Und es ist schockierend, dass es so viele sind. Ihr furchtbares Schicksal ist etwas, das ich jetzt sehr schwer aus dem Kopf bekomme“, ergänzt sie. Auf eine andere Weise nahe gegangen ist Padberg die Begegnung mit einem kleinen Mädchen im Flüchtlingslager. „Das Kind hat an meinem Hosenbein gezupft, weil es mir eine selbstgebastelte Halskette schenken wollte. Da hatte ich einen Kloß im Hals. Denn man kann nur ahnen, was dieses Mädchen durchgemacht und verloren hat – und trotzdem wollte es mir seine Kette schenken“, sagt Padberg.

Einen Moment habe sie überlegt, ob sie das Geschenk überhaupt annehmen solle. „Es ist eine wirklich hübsche Kette aus türkisfarbenen Kunstperlen. Die Mutter des Kindes ist Schneiderin und hat ihm das Basteln beigebracht.“ Padberg hat dem Mädchen, das seine kleine Schwester an der Hand hatte, dann einen Ball geschenkt – und sich für die Kette bedankt. „Ich trage sie jetzt die ganze Zeit. Sie ist mein Glücksbringer, denn es war wirklich ein besonderer Moment. Es macht Mut zu sehen, dass sich viele Mädchen im Lager trotz all der durchlittenen Schrecken schön machen und eine Art Normalität leben wollen.“

„Das ist eine humanitäre Katastrophe, und es gibt so viele Kinder, die davon betroffen sind“, sagt Eva Padberg. Quelle: dpa

Unicef rechne damit, dass in den nächsten Wochen weitere 200.000 Menschen, die vor den Kämpfen in Mossul fliehen, in Flüchtlingslagern Schutz suchen, sagte Mitarbeiterin Claudia Berger. Längerfristig geht die Hilfsorganisation von 780.000 Kriegsflüchtlingen aus Mossul in dieser Region aus. Unicef stellt unter anderem Zelte, Trinkwasser, Toiletten und Duschen zur Verfügung. Noch fehlten rund 15 Millionen Euro für die Ausstattung neuer Camps, sagte Berger.

Von RND/dpa

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Anzeige