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Panorama So leidet ein Lengede-Überlebender mit den Jungs aus Thailand
Nachrichten Panorama So leidet ein Lengede-Überlebender mit den Jungs aus Thailand
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06:10 11.07.2018
Adolf Herbst 1963: Nach 14 Tagen in der verschütteten Grube von Lengede wird der junge Elektromonteur gerettet. Quelle: RND

Herr Herbst, glauben Sie, dass die eingeschlossenen Jugendlichen in Thailand wegen ihres Alters die Situation schlimmer erlebt haben als Sie und ihre Kollegen 1963 in der Grube in Lengede?

Nein, ich glaube es macht keinen Unterschied, ob man zwölf oder 20 Jahre alt ist. Der Betreuer der Fußballmannschaft ist genauso betroffen und wird die 17 Tage ebenso schlimm erlebt haben.

Fällt sofort nach der Rettung die Last von den Eingeschlossenen ab?

Ja, man schaltet schnell um und das normale Leben beginnt. Aber Verdrängen funktioniert nicht. Jeder muss hinterher seine eigene Geschichte darlegen und mit einem Psychologen verarbeiten, sonst findet man sich im Alltag da unten wieder. Das geht nicht mehr verloren, die Erfahrung lässt sich nur geistig einkapseln.

Wie haben Sie die Situation der eingeschlossenen Jugendlichen in Thailand eingeschätzt?

Es war denke ich kein Vergleich zu unserer Lage damals – bei all der Dramatik. Die Jugendlichen haben zum Glück relativ schnell Nahrung und Hilfe bekommen. Wir hatten damals schon die Hoffnung aufgegeben. Bei uns gab es nur den Bergmann Bernhard Wolter, der sich dazu bereit erklärt hatte, für jeden Wasser zu holen. Grauenvoll und psychisch belastend ist die Situation natürlich trotzdem.

 

Alle Jungen und ihr Trainer aus Höhle gerettet

 

Wie haben Sie den Moment 1963 in Lengede erlebt, als das Wasser eingebrochen ist?

Wir retteten uns in einen Vorraum. Einige beobachten von dort den Eingang, wo das Wasser den Schacht hinunter strömte, und sagten „Kein Problem, das gibt sich wieder.“ Doch dann stieg der Wasserpegel soweit, dass wir bis zur Decke nur noch zweieinhalb Meter Luft hatten. In dem Moment dachte ich, dass es zu Ende geht und ich meine geplante Verlobung am Wochenende nicht mehr erleben würde. Ich habe meine letzten Zigaretten an die Anderen verteilt.

Wie war die Lage nachdem Sie sich darauf in dem benachbarten „Alten Mann“ (verlassener Stollen, d.R.) vorerst in Sicherheit bringen konnten?

Die Luft war zum Ersticken. Nachdem wir uns in den „Alten Mann“ geflüchtet hatten, sind wir hingefallen und eingeschlafen, zumindest für ein paar Minuten. Alle machten ihre Lampen aus und es wurde richtig dunkel. Dann stürzten in gewissen Zeitabständen Platten aus dem Deckengewölbe auf uns herab. Wir waren in permanenter Todesangst und bei jedem Sturz in Schockstarre. Im Dunkeln im Kreis formiert haben wir uns abgestimmt, wer getroffen war.

Wie war das Verhalten untereinander in der Gruppe?

Wir haben viel geschlafen, wenn die Steine nicht herunterkamen und jemand ausgegraben werden musste. Bernhard Wolter hat jeden mit Wasser versorgt. In den wenigen Gesprächen ging es um Erfahrungen aus der Kriegsgefangenschaft, Geschichten über die Nebenfrau oder ob die Rente nach unserem Ende für die Ehefrau reichen würde. Ich als Neuling stand eher dazwischen.

Was war das Schlimmste an der Wartezeit bis zu Ihrer Entdeckung?

Die Kameraden sehenden Auges zu verlieren, hat viele hart getroffen. Einigen hat man noch helfen wollen, aber nicht mehr helfen können. Später waren wir abgebrüht und haben gesagt: „Die haben es hinter sich.“

Wie haben Sie und die Männer die Situation psychisch verkraftet?

Man fängt an, sich Dinge zusammen zu spinnen. Einer von uns träumte davon, zu Hause Äpfel vom Baum zu pflücken und riss dabei tatsächlich Steine aus der Decke. Ein anderer wollte sich in dem Wasser baden, in dem die Leichen schwammen.

Konnten Sie sich gegenseitig Mut zusprechen?

In der letzten Phase bevor wir entdeckt wurden, etwa am siebten Tag, haben wir zusammen gebetet, jeder murmelte etwas vor sich hin. Ob besonders gläubig oder nicht – jeder dachte, jetzt hilft nur noch Gott. Das brachte wieder etwas Hoffnung.

Von Gerrit Brandtmann/RND

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