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Panorama „Eigentlich ist Deutsch meine Muttersprache“
Nachrichten Panorama „Eigentlich ist Deutsch meine Muttersprache“
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18:17 22.08.2018
Der italienische Schauspieler Terence Hill kommt zur Deutschlandpremiere seines Films „Mein Name ist Somebody - Zwei Fäuste kehren zurück“. Quelle: Sebastian Kahnert/dpa
Berlin

In seinem neuen Kinofilm hat sich der 79-jährige Terence Hill ums Drehbuch, die Regie und die Hauptrolle gekümmert. Er spielt darin den Easy Rider Thomas, der auf seiner Harley Richtung spanische Wüste fahren will – alleine, wie er hofft. Unterwegs trifft er die quirlige, junge Lucia (Veronica Bitto) und wird sie nicht mehr los.

Ihr echter Name ist Mario Girotti. Wer nennt Sie eigentlich heute noch Mario?

Meine Brüder und sonst niemand (lacht). Alle anderen Terence, weil sie mich so kennen. Den Namen habe ich mir beim Dreh zu „Gott vergibt… Django nie!“ ausgesucht. Ich bekam eine Liste mit Namen und 24 Stunden Zeit, einen Schauspielernamen für mich zu finden. Es gab in Italien eine historische Figur mit Namen Terenzio, das fand ich passend. Und Hill kann einfach jeder gut aussprechen.

In „Mein Name ist Somebody“ fahren Sie eine Harley Davidson, die sicher viele Bikerherzen höher schlagen lässt. Sind Sie privat Motorrad-Fan?

Ja, ich habe drei BMW-Motorräder. Eines davon ist besonders schön und kam auch schon mal ein einem James Bond-Film vor. Einmal traf ich einen Fan, der sagte, so etwas Modernes passe nicht zu mir. Also kaufte ich eine Harley und habe es nicht bereut.

Sie können reiten, schießen, prügeln, Motorrad fahren. Ist Ihnen auch mal etwas nicht gelungen?

Also ich bin bestimmt 15 Mal vom Pferd gefallen – auch bei „Lucky Luke“. Wir hatten da vier Pferde, die aus Frankreich in die USA geschickt wurden. Eines war verrückt. Verletzt habe ich mich auch mal. Bei einem Dreh hat mich ein Pferd getreten und ich habe nichts gesagt. Und dann wurde mein Bein so (zeigt mit den Händen eine Fußballgröße). Dann wurde es gefährlich, der Knochen war kaputt, ich bekam eine Infektion.

Wir können heute auf Deutsch sprechen.

Eigentlich ist Deutsch meine Muttersprache. Von 1943 bis 1945 lebte ich in Lommatzsch bei Dresden, wo meine Mutter herstammte. Bis ich sechs Jahre alt war, sprach ich nur Deutsch. Heute leider nicht mehr so oft. Als Kind zog ich nach Italien und sprach von da an Italienisch. Meine Mutter starb ganz jung und von da an habe ich Deutsch nicht mehr gesprochen. Ich hatte keinen Ansprechpartner mehr. Deutsche Dialekte sind besonders schwierig für mich zu verstehen.

Wie haben Sie die Jahre in Lommatzsch in Erinnerung? Es heißt, Sie haben die Zerstörung Dresdens miterlebt.

Ja, ich konnte sie sehen. Ich erinnere mich an Bomben und einen Keller. Alle hatten Angst. Man kann sich nicht vorstellen, was eine Bombe bei einem Kind anrichtet, auch wenn es äußerlich nicht verletzt wird. Es prägt einen für das ganze Leben. Ich hatte Albträume, bis ich etwa 30 Jahre alt war. Und ich habe das Gefühl, die Kriege sind heute noch schlimmer geworden. Es ist unvorstellbar, was in Syrien zurzeit passiert. Manchmal frage ich mich, ob die Menschen eigentlich noch Gehirn in ihrem Kopf haben, wenn sie so weitermachen.

Welchen Bezug haben Sie zu Deutschland? Was gefällt Ihnen hier?

Eigentlich alles. Ich habe viele gute Erinnerungen. In Berlin habe ich früher oft gedreht – mit Produzenten wie Horst Wendlandt zum Beispiel. Drei Jahre habe ich in Deutschland verbracht. Ich habe vor, bald einmal für länger nach Berlin zu kommen. Ich habe eine Cousine, die in der Nähe von München wohnt und die ich bei der Premiere meines Filmes in München treffen werde, worauf ich mich sehr freue. Auch meine Frau hat Verwandte in Deutschland. Als meine Mutter noch lebte, sind wir öfter nach Mittenwald gefahren.

Sie haben auch Winnetou-Erfahrung.

Ich habe mit meiner Schauspielkarriere eigentlich erst richtig angefangen, als ich in Winnetou II mitspielte und danach in weiteren Karl-May-Filmen. Es wird selten gesagt, aber es ist so: Die ersten europäischen Westernfilme waren die Karl-May-Filme. Die italienischen Western sind danach erst gekommen.

Wo leben Sie zurzeit?

Bisher habe ich in Massachusetts gelebt, in einem Ort, der nur 2000 Einwohner hat. Um mein Haus herum gibt es nur Bären, Rehe und Truthähne. Langsam zieht es mich aber zurück nach Italien. Ich habe ein Haus in einem Dorf in Umbrien gekauft. Meine Frau liebt Umbrien auch sehr. Durch mein vieles Drehen für das italienische Fernsehen ist es auch naheliegend, dass wir nach Europa kommen.

Es heißt, Sie haben in Umbrien eine Eisdiele eröffnet – so wie Ihr Großvater mehr als vier Jahrzehnte zuvor.

Ja, in der kleinen, mittelalterlichen Stadt Amelia. Es gibt hausgemachtes Bioeis, zum Teil sogar lactosefrei. Vielleicht kann ich auch in Berlin mal eine Eisdiele aufmachen.

In einer berühmten Filmszene mit Bud Spencer und Ihnen geht es um Pistazieneis. Welche ist heute Ihre Lieblingssorte?

Natürlich Pistazie (lacht).

Sie spielen seit Jahren erfolgreich in TV-Serien in Italien. Der Kinofilm „Mein Name ist Somebody“ war Ihnen besonders wichtig, warum?

Er war ein großer Wunsch von mir. Ich wollte nach so vielen Jahren im Fernsehen wieder Kino zu machen. Obwohl das bei weitem nicht mehr so ist wie früher. Heute ist alles eine Rennerei. Man muss acht Drehbuchseiten pro Tag abarbeiten. Wir sind alles ruhiger angegangen, es war fast wie ein Urlaub.

Sie haben diesen Film ihrem Freund Bud gewidmet. War das von vorneherein klar?

Ich habe mich immer gefragt, ob ich ihm den Film widmen soll. Aber dann ist etwas passiert. Als wir im Sommer 2016 einen Drehort für „Mein Name ist Somebody“ suchten, kamen wir auch in die spanische Wüste bei Almeria. Dort hatten Bud und ich uns 1967 bei den Dreharbeiten zu „Gott vergibt… Django nie!“ kennengelernt. Als ich dort stand und überlegte ob ich den richtigen Platz für den Film gefunden hatte, klingelte mein Handy. Bud Spencers Sohn war dran und sagte, sein Vater sei von uns gegangen. Natürlich war ich sehr traurig. Später war ich auf gewisse Weise auch froh. Ich habe das erst nicht ganz verstanden. Aber dann wusste ich: Das muss unser Drehort werden. Mir wurde klar, hier habe ich Bud Spencer das erste Mal getroffen.

Sie waren ganz offensichtlich ein gutes Team.

Ja, und wir waren immer sehr gute Freunde. Er hat mich immer für einen Perfektionisten gehalten. Er sah vieles eher locker und folgte seinem Instinkt. Er war ein sehr intelligenter Mann.

Warum haben Sie die Wüste bei Almeria als Drehort überhaupt ins Auge gefasst? Gab es Erinnerungen an frühere Drehs?

Am Anfang sollte der Film in Nordafrika spielen, in der Nähe von Algier. Ich hatte aber schon die ganze Zeit am Almeria gedacht. Ich habe fünf Filme dort gemacht, ich weiß alles darüber. Dann sagte der Produzent, es ist sehr gefährlich in Nordafrika zu drehen. Ich habe nach außen hin so getan als sei es mir gleichgültig, dass wir uns nun für Almeria entschieden. Aber in Wirklichkeit war ich sehr zufrieden.

Was würde Bud Spencer sagen, wenn er die Premiere von „Mein Name ist Somebody“ erleben würde?

Ich glaube, er wäre stolz auf mich. Er war jedenfalls immer stolz auf mich. Er hat mich immer beschützt. Zugleich war er aktiv, hatte immer irgendetwas vor. Als wir zum Beispiel die „Himmelhunde“ gedreht haben, wollte er danach einen Helikopterpilotenschein machen. Seine Frau sagte immer, sie habe das Gefühl, sie müsse ihn festhalten, bevor ihm wieder irgendeine Idee kommt.

Der Sprecher Thomas Danneberg synchronisiert Ihre Rollen nun seit vielen Jahren ins Deutsche. Was ist es für ein Gefühl, eine fremde Stimme zu haben?

Am Anfang ist es immer etwas ungewohnt, wenn ich es höre. Ich bin schließlich daran gewöhnt, wie ich klinge. Mit der Zeit geht es dann. Thomas hat gesagt, man kann die Stimme nicht wechseln, denn die Leute sind daran gewöhnt.

Was hat sich bei den Zuschauern heute geändert?

So viele sind heute zu oft mit Konsum und ihren Mobiltelefonen beschäftigt. Alles geht so schnell Wir haben auch ein paar lange Szenen gedreht, manchmal nur eine am Tag. Man sagte mir zwar, dass die Menschen an schnellere Szenenwechsel gewöhnt seien als früher und sich dabei langweilen würden. Aber das stimmt nicht. Wenn, dann liegt das nicht an der Szene, sondern an einer Person, die darin langweilig ist. Man darf einfach bei einer Szene nicht denken, sondern muss alles auf sich wirken lassen. Auch heißt es heute, man muss zwei, drei Filme pro Jahr machen. Das ist Quatsch. Es reicht, wenn man einen Film macht und den muss man gut machen.

Sie wirken unglaublich fit. Was ist Ihr Geheimnis?

Ich habe einfach die guten Gene meines Vaters. Außerdem habe ich 16 Jahre geturnt, was mir in den Filmstunts mit Bud Spencer auch sehr genützt hat. Früher wurde in Italien nicht viel Fleisch gegessen. Es gab einfach nicht so viel. Das war sicher ein Vorteil in der Ernährung. Als ich in einer Filmszene viele Bohnen esse, hatte ich übrigens extra 36 Stunden vorher nichts gegessen und entsprechenden Hunger (lacht).

Jeder, der Ihren Namen hört, scheint Sie zu kennen – sogar in der jüngeren Generation. Es gibt einen regelrechten Hype um Sie. Was ist das für ein Gefühl?

Ich bin sehr froh und dankbar. Dieser Hype ist schön, weil die Leute, das habe ich auch Anfang der Woche in Dresden gemerkt, sehen mich nicht als Star. Es fühlt sich an, als sei ich ihr bester Freund, wenn ich Fans treffe. Und das macht mich sehr zufrieden.

Wollen Sie einmal eine Biografie herausbringen? Bud Spencers war einst sehr erfolgreich.

Ich möchte das selbst übernehmen, aber es nimmt ganz schön viel Zeit in Anspruch. Ich habe so viel zu erzählen. Ein bisschen habe ich schon geschrieben. Man muss so etwas selbst schreiben, das darf man nicht an jemand anders abgeben, finde ich.

Von Karoline Beyer/RND

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