Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Panorama „Don’t cry for me Argentina“: Evitas Friedhof verkommt
Nachrichten Panorama „Don’t cry for me Argentina“: Evitas Friedhof verkommt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
13:39 19.09.2017
Das Grab von Eva Péron ist verhältnismäßig schlicht. Quelle: dpa
Anzeige
Buenos Aires

Der Putz bröckelt, darunter kommt schwarzer Schimmel zum Vorschein. Die gesprungenen Scheiben der einst glänzenden Bronzetür geben die Sicht frei: Einige Särge sind verstaubt, andere verrottet zusammengesackt. Es ist ein Trauerspiel, das täglich etwa 1500 Touristen in Recoleta, auf einem der berühmtesten Friedhöfe Lateinamerikas, zu sehen bekommen.

Sie kommen vor allem wegen einer Toten: Eva Perón, die berühmte Evita, die Frau des legendären Präsidenten Juan Domingo Perón. Die im Jahr 1952 Verstorbene, die für die Armen kämpfte, wird bis heute wie eine Heilige verehrt – auch wenn ihre letzte Ruhestätte eher unscheinbar ist. Ganz anders als viele andere üppige Grabstätten hier. Diese sind Relikte der wohlhabenden Ära Argentiniens, exklusive Krypten der reichen Familien aus dem 19. Jahrhundert. Doch das ist lange passé.

„Diese Familien existieren nicht mehr“, sagt Soledad Vallejos. Sie widmete in ihrem Buch „Vida de Ricos“ („Das Leben der Reichen“) ein ganzes Kapitel dem Totenkult auf dem Friedhof in Buenos Aires. „Es gibt keine Nachfahren mehr, weil sie ausgewandert oder verstorben sind. Oder sie haben einfach kein Geld.“

Bis heute legen Pilger Blumen für die 1952 Verstorbene nieder, die wie eine Heilige verehrt wird.

Mit der Weltwirtschaftskrise Ende der 1920er Jahre hatten viele argentinische Patrizierfamilien ihr Vermögen verloren. Die Nachfahren können oder wollen sich die jährliche Friedhofsgebühr der Stadt nicht leisten. 2017 waren es 580 Pesos (29 Euro) pro Quadratmeter.

Laut Susana Gesualdi von der Historischen Abteilung des Friedhofs zahlen von 4870 Grabstätten rund ein Viertel der Familien die jährliche Abgabe nicht und lassen die Gruften verfallen. Da es sich aber um Privatbesitz handelt – ähnlich einer Eigentumswohnung – kann die Friedhofsbehörde nur begrenzt einschreiten.

Als erster wurde hier ein Sklavensohn beerdigt

Recoleta war nicht immer ein Friedhof der Reichen. Als erster fand hier der Sohn eines Sklaven, Juan Benito, seine Ruhe – noch in einem Erdgrab. Bei seiner Gründung 1822 lag Recoleta noch außerhalb von Buenos Aires. Die Bevölkerung wuchs, bis der Friedhof mitten in der Stadt lag. Der Platz reichte nicht mehr aus, so dass 50 Jahre später ein zweiter Friedhof eröffnet wurde. Für die Autorin Vallejos was das ausschlaggebend: „Die Wahl der letzten Ruhestätte wurde damit zur Klassenfrage – und für eine kleine Welt ist es das immer noch.“

Die Gräber wurden immer aufwendiger, immer kostspieliger. „Im 19. Jahrhundert haben die Menschen mehr Wert auf den Tod gelegt. Deswegen diese großen Krypten, Mausoleen und Pantheons. Die Reichen residierten nicht nur in Palästen, sie legten auch großen Wert darauf, wo sie den letzten Frieden finden“, sagt Gesualdi. Materialien und Kunstwerke importierte die Oberschicht extra aus Europa.

Dieser Aufwand wird fast zwei Jahrhunderte später nicht mehr gewürdigt. Die Reichen von früher liegen in jetzt morschen Särgen zwischen Müll und Schimmel. Der einstige Glanz von Recoleta bröckelt wie der Putz von den exklusiven Grabwänden.

Von dpa/RND

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Panorama Hufeisen-Ersatz - Sportschuhe für Pferde

Seit 2000 Jahren werden Pferdehufe mit schweren Eisen beschlagen. Doch wenn es nach Charly Forstner geht ist damit Schluss. Der Österreicher erfand Klippschuhe für Pferde. Wie seine Idee bei den Tieren ankommt, können Sie hier im Video sehen.

19.09.2017

Ein riesiger Fettberg aus Windeln, Feuchttüchern und Kochfett verstopft Teile der Londoner Kanalisation. Jetzt soll das gigantische Gebilde abgetragen und zu Biodiesel verarbeitet werden. Auch ein Museum hat Interesse angemeldet – es will den Fettberg in einer Ausstellung zeigen.

19.09.2017

Fünf Tage lang versuchte ein 25-Jähriger, eine neue Küche aufzubauen. Doch er scheiterte. Aus Wut zertrümmert er die Einbauküche und löste wegen des Getöses einen Polizei-Einsatz aus. Von Schränken und Inventar blieb nur noch Kleinholz übrig.

19.09.2017
Anzeige