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Panorama Diebe stehlen Hirn des heiligen Don Bosco
Nachrichten Panorama Diebe stehlen Hirn des heiligen Don Bosco
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14:29 06.06.2017
Tatort: Hier aus der Basilika in Castelnuovo bei Turin wurde die Urne mit dem Gehirn des Heiligen Don Bosco gestohlen. Wikipedia
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Castelnuovo

Giovanni Melchiorre Bosco (1815-1888) selbst hätte wohl mit Milde auf den Vorfall reagiert. Er, katholischer Priester, Ordensgründer und Heiliger, setzte im Umgang mit Menschen auf Liebe, Vernunft und Glauben. Die Gläubigen in Castelnuovo bei Turin reagierten am Freitagabend ganz in seinem Sinne: Unbekannte hatten eine Urne mit den Überresten seines Gehirns aus der Kirche gestohlen. Doch nicht Wut und Racheschwüre folgten dem Verlust der Reliquie. Stattdessen versammelte man sich zum Gebet und rief auch an Pfingsten Gottes Hilfe an, um die Rückkehr des Heiligtums zu erbitten. „Das ist eine Nachricht, die wir nie hören wollten. Ich rufe diejenigen, die die Reliquie entwendet haben, auf, sie sofort und ohne Bedingung zurückzugeben“, sagte der Erzbischof von Turin, Cesare Nosiglia. Wer den Diebstahl begangen hat und warum, ist bisher völlig unklar.

Don Bosco, wie er kurz genannt wird, war ein Mensch des 19. Jahrhunderts und ist doch modern. Er widmete sich der Erziehung und Ausbildung armer und benachteiligter Jugendlicher. Sein Ansatz: In der Erziehung präventiv wirken, um später nicht repressiv vorgehen zu müssen. Die 1874 vom Papst anerkannte Ordensgemeinschaft der Salesianer Don Boscos hat seither Millionen von Jugendlichen weltweit zu einem Schulabschluss und einer Berufsausbildung verholfen – eine Leistung, die die Tat des Reliquien-Diebes noch kleiner erscheinen lässt. „Man kann weder uns noch den Pilgern, die jeden Tag zu diesem Ort kommen, Don Bosco rauben“, sagte daher Ezio Orsini, Rektor der Basilika in Castelnuovo.

Reliquien – lateinisch „Überbleibsel“ – sind in der Regel Körperteile eines Heiligen, die nicht nur auf Gläubige besondere Anziehungskraft ausüben, sondern auf Diebe. Im vergangenen Jahr stahlen Unbekannte ein Läppchen aus dem Kölner Dom, dass mit dem Blut von Papst Johannes Paul II. getränkt war. Ebenfalls 2016 entwendeten Unbekannte einen Knochensplitter der Heiligen Hedwig, Herzogin von Schlesien und Schutzpatronin der Heimatvertriebenen, aus dem Frankfurter Kaiserdom. Immerhin existierten in Polen noch mehrere andere Knochenfrankmente Hedwigs; es konnte also Ersatz beschafft werden. Im Fall Don Boscos ist das aus naheliegenden Gründen ausgeschlossen.

Ein mangelnder christlicher Glaube wird man dem Dieb aus Castelnuovo auch nicht unbedingt unterstellen können. Viele Reliquien, mit denen im Mittelalter europäische Kirchen und Klöster ausgestattet wurden, waren zuvor in Kriegen und auf Kreuzzügen geraubt worden – von Feldherren, die sich selbst als besonders religiös ausgaben.

Von Alexander Dahl/RND

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