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Die 24-jährige Ivonne Braasch versucht als Schauspielerin Fuß zu fassen

Die 24-jährige Ivonne Braasch versucht als Schauspielerin Fuß zu fassen

Man muss genau hinschauen, um Ivonne Braasch ausfindig zu machen. Sie wartet an einer Ampel in der Äußeren Neustadt und geht fast unter in der Menschenmenge, die sich in den Abendstunden über den schmalen Gehweg schiebt.

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Ivonne Braasch während der Dreharbeiten in Radebeul. Ihre Karriere nimmt die Wahldresdnerin selbst in die Hand.

Quelle: Martin Förster/PR

Sie ist klein und zierlich. Ihre schwarze Kleidung lässt sie im Schatten fast verschwinden - vor der Kamera wirkt sie größer. Wir setzen uns in ein Kaffee und beginnen mit dem Interview. Die junge Schauspielerin ist relativ neu in diesem Geschäft. Das merkt man. Sie ist aufgeregt. Aus ihrer Handtasche nestelt sie bedruckte Blätter: Ein Expose ihrer Agentur. Alle Projekte in denen sie mitgewirkt hat. Ein Zeitungsartikel. Sie ist gut vorbereitet. Eine junge "Do it yourself"-Frau.

Die 24-Jährige Weißwasserin ist auf dem besten Weg, sich als Jungschauspielerin zu etablieren. Mit ihren glatten, brauen Haaren und den dazu passenden Rehaugen vor allem im dramatischen Metier. Ihr jüngster Erfolg: Eine Episodenhauptrolle in der "Soko 5113", die noch in diesem Jahr ausgestrahlt wird. Sie spielt ein freches Mädchen das kaugummikauend TV-Kommissar Gerd Silberbauer Paroli bietet. Jüngst stand sie für Robert Sigls ZDF-Produktion "Model Traum 99" und im Festival-Kurzfilm "Brieftaube" von Sven Gielnik vor der Kamera. Bisheriger Höhepunkt: eine Nebenrolle im Kinofilm "Mara und der Feuerbringer" als Krankenschwester an der Seite von Kollegen, wie Jan Joseph Liefers oder Esther Schweins - die noch junge Schauspielkarriere nimmt fahrt auf.

Allerdings ziemlich spät. Die Wahldresdnerin ist bereits 24, hat einen Job und scheint fast angekommen in der Lebenswirklichkeit. "Ich bin Wirtschaftsinformatikerin und erstelle Lerninhalte für das Web", erklärt die junge Frau. Die immer häufiger werdenden Drehtermine seien dennoch kein Problem. "Mein Chef unterstützt mich. Ich habe immer meinen Laptop dabei und arbeite in den Drehpausen", erklärt Braasch ihr scheinbar ungewöhnliches Doppelleben.

Das kommt allerdings nicht von ungefähr. Bereits in Jugendjahren war sie Mitglied der Showtanzgruppe Dance Attack. Dem Tanzen ist sie bis heute treu geblieben. Sie begann sich, für Filme zu interessieren, fotografierte und spielte erste Rollen in Kurzfilmen. "Dass ich einmal Schauspielerin werden könnte, hätte ich damals allerdings noch nicht gedacht", sagt sie und schiebt gleich hinterher, "ich sehe diesen Job als ein Hobby und warte ab, wie sich die Dinge entwickeln. Ich bin nicht verbissen."

Wir sprechen darüber, wie schwer es ist, im Filmgeschäft Fuß zu fassen - gerade für diejenigen, die keine Schauspielschule besucht haben und nur begrenzte Zeit aufwenden können. Doch Braasch sieht keine Hindernisse - das scheint nicht ihre Art zu sein. Sie nimmt einfach mit, über was sie mit ihren Füße stolpert und arbeitet an ihrem Netzwerk ohne, sich selbst unter Druck zu setzen.

Gerade dreht sie mit der Produktionsfirma Centre-Films einen Imagefilm für die Stadt Radebeul. In emotional geschnittenen, wohl harmonisch arrangierten Bildern wandelt sie durch die Weinstadt oder reitet als Sqaw über das Gelände der Karl May Festspiele. "Das sind unglaublich nette und kreative Menschen. Mit denen ich gerne zusammenarbeite", schwärmt sie von der Filmcrew.

Sie steckt sich eine Zigarette an und blickt nachdenklich die Görlitzer Straße hinunter: "Ich lebe gerne in Dresden. Hier wohnen viele meiner Freunde und Bekannten." Nach einigen Jahren in Leipzig und München ist sie in der Elbmetropole gelandet und heute eine waschechte Neustädterin.Wenn sie an der Kippe zieht, zeigt sich der dramatische Zug in ihrem Gesicht. Der Ausdruck, der ihr bisher den Stempel des kleinen, verletzlichen Mädchens und die entsprechenden Rollen aufgedrückt hat. "Das ist schon in Ordnung für mich", lacht Braasch auf Nachfrage. "Als Kind habe ich immer mit Jungs gespielt. Ich könnte mir vorstellen, auch freche, zupackende Rollen zu übernehmen. Das Engagement für die Soko-Episode könnte ein Anfang sein", sagt sie. So wie Josefine Preuß, die derzeit die Rollen der rotzfrechen, selbstbewussten Göre gebucht hat? "Ja, so in etwa. Ich mag die Filme in denen sie mitgespielt hat. In diese Richtung würde ich mich auch gerne entwickeln", sagt Braasch.

Sie ist auf einem guten Weg. Bis vor kurzem hat sie ihre Geschäfte selbst geregelt, sich eigenständig um Rollen bemüht und sich von einem Engagement zum anderen gehangelt. Heute wird sie von einer Agentin vertreten - neue Projekte stehen in den Startlöchern. Der Name Ivonne Braasch wird in Zukunft sicher noch eine Rolle spielen, in den Flimmerkisten und auf den Leinwänden dieses Landes.

Wir verabschieden uns an einer Straßenecke. "Vielen Dank für das Treffen", sagt sie und entschuldigt sich dafür, dass sie gehen muss - den arrogante Umgang ihrer Kollegen muss sie sich noch angewöhnen. Dann verschwindet sie wieder im Gewühl der Radfahrer und Kneipengänger.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 22.05.2015

Hauke Heuer

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