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Panorama Der alte Müll und das Meer
Nachrichten Panorama Der alte Müll und das Meer
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19:58 19.01.2018
Von Mikroplastik aus Kosmetikprodukten bis hin zu Fischereinetzen: In den Ozeanen treibt immer mehr Plastikmüll. Boyan Slat, Gründer von “The Ocean Cleanup“, will das ändern – und mit dem sauberen Geschäftsmodell Geld verdienen. Quelle: YURI VAN GEENEN
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Berlin

Der große nordpazifische Müllstrudel ist das mythische Meeresmonster unserer Tage. Mit dem Unterschied, dass es ihn wirklich gibt. Mehr als 100 Millionen Tonnen Plastikmüll treiben auf den Weltmeeren. Mindestens. Andere Schätzungen gingen schon vor Jahren von 140 Millionen Tonnen aus. Täglich werden es mehr Plastikflaschen, Styroporkisten, Fischernetze, die in den Weltmeeren landen.

Täglich spülen die Flüsse Mikroplastik ins Meer, das aus Kosmetika oder Kleidung ins Abwasser gelangt ist. Und was einmal in den Ozeanen ist, verschwindet nie. Es verwittert nur, zerbricht, wird kleiner und kleiner – und damit nur immer gefährlicher. Und es sammelt sich, in Müllstrudeln wie dem im Nordpazifik vor den Küsten Kaliforniens und Hawaiis.

Boyan Slat will das Seemonster besiegen. Er hat eine Technik entwickelt, diesen Müllstrudel sauber zu machen. Das Prinzip klingt einfach, ist aber kompliziert: Schwimmende Barrieren im Ozean sollen den Abfall einfangen, dann werden Recyclingschiffe den Plastikmüll einsammeln und an Land bringen. Er wird zu Pellets verarbeitet und für neue Produkte verwendet. Slat ist ein 23-jähriger holländischer Student mit Strubbelkopf, ein Wunderkind, das zum Geschäftsführer eines Multi-Millionen-Dollar-Unternehmens wurde. Vor fünf Jahren war er nichts anderes als ein Junge mit einer Idee. Heute ist er Chef einer Firma, die unsere Welt ein großes Stück sauberer machen könnte. Oder ihren Investoren eine Traumrendite bescheren. Oder beides.

Schwimmendes Sammelbecken: Von der künstlichen Küstenlinie hängt ein Schirm einige Meter tief ins Meer und fängt das gefährliche Treibgut ein. Quelle: Ocean Cleanup

In den Sommerferien war Slat 2011 in Griechenland schnorcheln – und schockiert, wie viel Plastik ihm dort entgegen schwamm. Er dachte über eine Möglichkeit nach, dieses Plastik aus dem Meer zu fischen. Die Idee wurde größer und größer, inzwischen beschäftigt sie rund 75 Forscher und Techniker bei “The Ocean Cleanup“. Kilometerlange schwimmende Röhren sollen im Wasser eine künstliche Küstenlinie bilden. Von ihnen hängt eine Art Fangschirm vier Meter tief ins Wasser. Plastik jeder Art und Größe, das auf der Oberfläche schwimmt oder darunter treibt, wird aufgehalten und kann eingesammelt werden.

Ein erstes Modellprojekt in der Nordsee musste abgebrochen werden. Die Barrieren waren aufblasbar gestaltet und fest mit dem Meeresgrund verbunden. Beides funktionierte nicht. Die Wülste verloren Luft, einige rissen sich los. Das neue Material, das zurzeit in Kalifornien auf seinen Einsatz wartet, ist anders konstruiert: Die Barrieren sind aus massivem Polyethylen, können sich aber frei bewegen. Die Idee ist, dass die Strömung sowie Fische und andere Meerestiere unter dem Schirm hindurch passieren können, das Plastik jedoch oben abgefangen wird. Und zwar alles, vom Fischernetz bis zum kleinsten Mikroplastik.

“Die Welt hofft auf uns“

Boyan Slat war anfangs vermutlich einfach zu jung, um den klassischen Umweltschützer-Slogan “Global denken, lokal handeln“ zu kennen. Heute hält er ihn für falsch. Das Problem ist riesig, also soll die Lösung ebenso groß sein, ist sein Prinzip. “Der Einsatz ist hoch, die Welt hofft auf uns“, glaubt Slat. “Wir machen das, weil es einer machen muss. Und vor uns hat es eben niemand gemacht. Also haben wir den Job übernommen.“

Dieser Job interessierte nicht nur Fachwelt, Umweltschützer und Medien, sondern auch Investoren aus dem Silicon Valley. Peter Thiel, deutschstämmiger Milliardär und Trump-Unterstützer, hat in Boyan Slat investiert. Marc Benioff, Gründer von Salesforce, ebenso. Geben sie Millionen aus, um einen sauberen Pazifik zu erleben? Oder erhoffen sie sich außerdem ein sauberes Geschäftsmodell?

“The Ocean Cleanup“ ist nicht nur eine ambitionierte Müllsammelanlage. Es ist auch eine Marke, mit der sich Bewusstsein schaffen und Geld verdienen lässt. Der Plastikmüll aus dem Ozean soll an Land sortiert und als Sekundärrohstoff tonnenweise verkauft werden. Der einzige Unterschied zum Plasteabfall aus der gelben Tonne ist: Dieser Müll wäre deutlich glamouröser. Denn er würde zeigen, dass Slats Traum wahr wird. Er wäre der Beweis dafür, dass der Ozean wirklich ein Stückchen sauberer geworden ist. “The Ocean Cleanup“ soll ein Label werden, das auf Produkten prangt. Slat selbst spricht gegenüber dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) von Autokonzernen und Möbelhäusern, die limitierte Editionen ihrer Produkte mit “Ocean Cleanup“-Label herausbringen könnten. “Es gibt sehr großes Interesse, aber ich darf keine Details nennen.“ Meeresmüll als Distinktionsfaktor.

Mit schwimmenden Barrieren will Boyan Slat das Meer vom Plastikmüll befreien. Ein Prototyp für die Nordsee wurde bereits getestet, doch die aufblasbare Version erwies sich als zu anfällig. Quelle: Ocean Cleanup

Sie wären noch nicht einmal die ersten mit dieser Masche: Auf dem Wirtschaftsforum in Davos vor einem Jahr kündigte der Kosmetika-Riese Procter & Gamble an, Shampooflaschen mit 20 Prozent recyceltem Plastik anzubieten. Warum interessiert solch eine Meldung überhaupt irgendjemanden? Weil es sich nicht um irgendeinen Plastikmüll handelt, sondern um “Strandplastik“, das also irgendwo an Stränden aufgesammelt wurde.

Boyan Slat ist auch nicht der Einzige, der beim Wassersport darauf gestoßen wurde, einmal die Meere aufzuräumen. Die australischen Surfer Pete Ceglinski und Andrew Turton haben einen schwimmenden Mülleimer entwickelt, der treibenden Plastikmüll einfach ansaugen soll. Ihr “Seabin“ aber sammelt nicht auf dem offenen Ozean, sondern in dreckigen Hafenbecken. Er braucht Strom, um eine Wasserpumpe zu betreiben, und wird deshalb meistens direkt am Steg angebracht. Jachthäfen auf der ganzen Welt haben schon zugegriffen. Was die beiden australischen Surfer mit dem holländischen Taucher verbindet, ist ihre Art des Marketing: So etwas grundsätzlich Prosaisches wie Müllsammeln wird cool und innovativ – und nicht ganz billig: 3000 Euro pro Stück kosten die Meeresmülltonnen von Ceglinski und Turton.

Schockbilder zeigen Wirkung

Die gute Nachricht daran ist: Die Schockbilder haben gewirkt. Seit vielen Jahren schon berichten Biologen und Umweltaktivisten von der tödlichen Wirkung des Plastikmülls im Meer. Jeder kennt inzwischen die Fotos von verendeten Seevögeln mit aufgeschnittenen Mägen voller Plastikteilchen. 1988 hat man auf Spitzbergen im Nordmeer in vier von 45 Eissturmvögeln Plastik in den Verdauungsorganen gefunden – 2013 hatten 40 von 45 Vögeln Plastik verschluckt. Manche quälten sich mit 20 Gramm Wohlstandsmüll in ihrem Inneren herum. Auf das Durchschnittsgewicht eines Menschen umgerechnet, wären das zwei Kilo Plastik im Magen.

Jeder kennt inzwischen die Bilder von strangulierten Meeressäugern und qualvoll dahinsiechenden Schildkröten. Pro Jahr krepieren geschätzt eine Million Seevögel und 100 000 Meeressäuger an Plastik in den Eingeweiden. Die Zahl der Fische und Schildkröten ist unbekannt.

Wo sich der Plastikmüll sammelt: Die Abfallstrudel der Weltmeere. Quelle: Ocean Cleanup

Das Problem ist also erkannt. Und Boyan Slat ist auf dem besten Weg, ein Held zu sein. Wenn seine Methode funktioniert. Bereits im Mai soll das System im Pazifik installiert sein. “Wir werden noch nicht sofort sammeln können, wir brauchen noch eine Testphase“, warnt Slat vor allzu hohen Erwartungen. Mit dem ersten gesammelten Müll testet er in der Folge das Geschäftsmodell: “Wir werden ausprobieren, wie das Recycling funktioniert, wie die Vermarktung funktioniert, ob es Kunden für die Produkte gibt.“ Was er sich nicht fragt: Ist seine Idee überhaupt die richtige?

Zu den Kritikern von Slats Offensive zur Weltrettung gehört der Kieler Meeresökologe Mark Lenz vom Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung. “Im offenen Ozean ist es nicht sinnvoll, Plastikmüll herauszufischen“, sagt Lenz. “Das Plastik ist dort in seiner großen Mehrzahl zu klein.“ Zudem befürchtet er negative Auswirkungen auf die Meeresfauna durch die kilometerlangen Kunststoffwülste von “Ocean Cleanup“. Quallen, Plankton, Fischlaich – all die kleinen bis winzigen Lebewesen auf der Meeresoberfläche könnten beeinträchtigt werden. “In Flussmündungen könnte das Prinzip sinnvoll sein. Dort kommt das Plastik hoch konzentriert vor und ist noch intakt.“ Aber eine Flussmündung ist eben nicht der große nordpazifische Müllstrudel. Es wäre ein lokaler Ansatz, nicht der globale Kampf gegen das Müllmonster.

Aber auch Lenz denkt global: “In Asien, Afrika, Südamerika gelangt der Haushaltsmüll in die Umwelt. Bei uns kaum noch. Hierzulande ist Plastikmüll ein CO2-Problem. Müllvermeidung bei uns bedeutet, den CO2-Ausstoß zu reduzieren.“ Plastiktüten, die von offenen Deponien in die Flüsse geweht werden, Flaschen, die im Gebüsch landen, gibt es im Land des gelben Sacks und des Einwegpfands kaum noch. Wären Schritte zur Mülltrennung und Müllvermeidung in den Ländern des globalen Südens also viel wirksamer als die Wülste auf hoher See?

Plastiksteuer und Importverbote

Wenn Plastik einfach ersetzt werden kann, wie bei der Tüte im Supermarkt, greifen Strategien, Händler und Kunden zum Verzicht zu bewegen. Ein Dutzend afrikanischer Länder, darunter Kenia und Ruanda, hat Plastiktüten schlicht verboten – mit teils drakonischen Strafen für die Hersteller. Das ist einfacher, als Recycling und Mülltrennung einzuführen.

Ob solche Verbote wirklich flächendeckend durchgesetzt werden, wird sich zeigen. In Deutschland jedenfalls ist der Verbrauch von Plastiktüten rapide zurückgegangen, seit sie erst kostenpflichtig und dann in vielen Supermärkten gar nicht mehr angeboten wurden. Griechenland zieht seit dem 1. Januar nach und verpflichtet Händler, zunächst 4 Cent, ab nächstem Jahr 9 Cent, für die Tüte zu kassieren. Der sorglose Umgang mit Tüten ist also schon einmal zu stoppen. Und sie gelten als einer der Hauptverursacher der Meeresvermüllung.

Weltweit hagelt es Verbote, deren Wirkung noch nicht absehbar ist: China hat den Import von Plastikmüll verboten, die Europäische Kommission denkt über eine Plastiksteuer nach, Großbritannien hat die Verwendung von Mikroplastik in Shampoos untersagt – winzige Kügelchen, welche die Waschwirkung erhöhen sollen, die aber von Kläranlagen nicht abgefangen werden können. Doch auch wenn all diese Anstrengungen zusammen wirklich die Vermüllung von Land und Meer mit Plastik effektiv zurückdrängen würden – es blieben immer noch die 100 Millionen Tonnen (nach konservativster Schätzung), die in den Weltmeeren herumtreiben. Die sich unter anderem im großen nordpazifischen Müllstrudel treffen.

Das Müllproblem ist global: Der Plastikabfall landet zuerst – wie hier in Myanmar – in den Flüssen und wird von dort auf die Weltmeere getragen. Quelle: Ocean Cleanup

Ist Boyan Slats Idee also doch die richtige? Kontraproduktiv wäre sie dann, wenn die Verursacher an Land – also wir alle – glaubten, irgendwo da draußen würde sowieso der ganze Dreck aufgefangen und in schicken Markenprodukten mit “Ocean Cleanup“-Label recycelt. Dass Slat den Kampf gegen das Müllmonster ganz alleine führen kann. Dass Müllvermeidung also unnötig sei.

Und was sagt Slat? “Vermeidung ist zentral, aber wir müssen beides machen. Ich bin der erste, der zugibt, dass unser Projekt nicht ausreicht, um das Problem zu bekämpfen. Wir können es nicht alleine lösen.“ Gleichzeitig will er seine Kritiker wie Mark Lenz aus Kiel widerlegen. Eine aufwendige Studie mit Luftaufnahmen und dem Einsatz von 30 Schiffen im Nordpazifik habe ergeben, dass die Konzentration im Müllstrudel rapide ansteige. Und dass viel mehr große Plastikteile herumschwimmen würden als bisher erforscht. Die Studie ist noch nicht publiziert, also nennt Slat keine Zahlen oder konkrete Ergebnisse. Das macht es seinen Kritikern wiederum zurzeit noch schwer, detailliert mit ihm zu debattieren.

Slat wird sich jedenfalls nicht beirren lassen. Er spaziert auf dem Grat zwischen Weltverbesserer und Start-up-Unternehmer und wird immer ungeduldiger, je näher der Starttag rückt. Nur am Strand war Boyan Slat lange nicht mehr. Ein Spaziergang, einfach um zu entspannen, das sei einfach nicht drin.

Weniger ist mehr: Wie die "Plastikdiät" funktioniert

Brot, Äpfel, Saft, Shampoo, Toilettenpapier – das meiste, was wir kaufen und konsumieren, ist in Plastik verpackt. 72 Kilogramm Kunststoffmüll produziert ein Einwohner Deutschlands durchschnittlich im Jahr. Allein der Verpackungsmüll macht 37 Kilogramm aus. Europaweit fallen nach Angaben der EU-Kommission jährlich rund 25 Millionen Tonnen Plastikmüll an. Nur knapp 30 Prozent werden zur Wiederverwertung gesammelt – 70 Prozent landen auf Müllkippen, in Verbrennungsanlagen oder in der Umwelt. Es scheint an der Zeit, dass wir kollektiv auf “Plastik-Diät“ gehen. Doch was können Konzerne und Verbraucher tun, um die Flut an Plastikmüll einzudämmen?

Es muss nicht immer Kunststoff sein: Im Alltag lässt sich oft auch ohne großen Aufwand Plastik vermeiden. Quelle: iStockphoto

Weg von den Einwegtüten: Um Einwegtüten einzusparen, setzen viele Supermärkte mittlerweile auf Papiertüten. Aber: “Die Ökobilanz einer Einwegplastiktüte ist besser als die einer Einwegpapiertüte“, sagt Katharina Istel, Referentin für nachhaltigen Konsum beim Naturschutzbund Deutschland. Zur Herstellung einer Papiertüte sind mehr Ressourcen notwendig. “Erst wenn sie sieben- bis achtmal gebraucht wird, ist die Papiertüte ökologischer als eine Plastiktüte“, erklärt Rolf Buschmann, Experte für Abfall und Ressourcen des BUND. Um Einkäufe nach Hause zu transportieren, empfiehlt es sich also, keine Tüte zu kaufen, sondern einen wiederverwendbaren, eigenen Stoffbeutel zu benutzen.

Verpackungen sparen: In mancher Keksschachtel, die Verbraucher im Lebensmittelmarkt kaufen, ist jedes Gebäckstück noch einmal einzeln verpackt. Aus Sicht der Umwelt ist das fatal. “Immer kleinere verpackte Portionen führen zu mehr Verpackungsabfall“, sagt Philipp Sommer, stellvertretender Leiter für Kreislaufwirtschaft der Deutschen Umwelthilfe (DUH). Am besten sei es, keine Einzelverpackungen zu kaufen. Katharina Istel stimmt zu: Obst und Gemüse kann man verpackungsfrei kaufen – zumindest auf dem Markt. Für den Einkauf im Supermarkt gilt: “Die Obsttütchen von der Rolle sind auf jeden Fall besser als die Vorverpackungen, wie zum Beispiel bei Weintrauben.“ Bananen, Äpfel und anderes Obst haben eine eigene Schale, so dass eine zusätzliche Plastikverpackung unnötig ist. Viele Händler bieten wieder wiederverwendbare Stoffnetze für den Kauf von Obst und Gemüse an, die waschbar sind.

Die Sache mit dem Kaffee: Kapseln, in denen Kaffee portioniert ist, haben deutsche Küchen erobert. “Diese Einzelkaffeekapseln sind sehr ressourcenintensiv produziert – auch die aus Bioplastik. Wiederbefüllbare Kapseln wären eine bessere Option“, schlägt Sommer vor. Doch die beste Lösung, um ökologischen Kaffee zu trinken, sei die ganz normale Filterkaffee- oder Siebträgermaschine. Für unterwegs ist der eigene Kaffeebecher ratsam statt eines Wegwerfbechers.

Was Unternehmen ändern sollten:

Dem Einwegverpackungstrend entgegentreten: “Deutschland sollte ein Mehrwegsystem für Verpackungen einführen“, fordert Sommer von der DUH. “So könnten beispielsweise auch Joghurt in Gläsern oder Käse hygienisch sauber in Mehrwegverpackungen verkauft werden.“ Technisch sei das möglich, doch bisher stellten sich die Unternehmen quer, da Einwegverpackungen bequemer und leichter anzuliefern seien. Sommer fordert, wie auch Istel und Buschmann, von der Politik mehr Gesetze, um den Plastikverbrauch einzuschränken. Auf der Nordseeinsel Fehmarn etwa gibt es bereits ein Pilotprojekt, bei dem Gäste ihren Imbiss auf Mehrweggeschirr erhalten, das nach dem Spülen erneut verwendet wird.

Recycling: Die deutsche Umwelthilfe plädiert für eine Abgabe von 20 Cent auf Einwegverpackungen. So kommen Kaffeebecher, Folien, Tüten und Packungen nicht mehr gedankenlos in den Korb. “Außerdem brauchen wir eine ehrliche Recyclingquote“, sagt Sommer.

Mikroplastik: Um die bis zu fünf Millimeter großen Plastikpartikel aus Kosmetika weder in den eigenen Körper noch in den Wasserkreislauf zu tragen, empfiehlt Istel, Naturkosmetik zu benutzen: “Anhand der Liste der Inhaltsstoffe auf der Verpackung lässt sich bei konventionellen Kosmetika nicht erkennen, ob Mikroplastik enthalten ist.“

Plastik auf der Haut: Synthetische Fasern, vor allem Fleece, sind laut Buschmann besonders belastet mit Mikroplastik. “Wer das verhindern will, sollte Kleidung aus Naturfasern kaufen, zum Beispiel Baumwolle oder Leinen.“ Die derzeitige Waschtechnologie sei nicht auf die Partikel ausgerichtet, so dass bei jedem Waschgang Polyesterfasern unserer Kleidung ungefiltert ins Abwasser gelangen. Eine US-Studie ergab kürzlich, dass Mikroplastikpartikel bereits überall in unserer Umwelt und damit auch in unserem Trinkwasser, in unseren Lebensmitteln und sogar in unserer Luft enthalten sind.

Neues Denken: “Wir haben uns so daran gewöhnt, dass alles verpackt ist, dass es schwierig ist, etwas verpackungsfrei zu bekommen“, sagt Buschmann. Ein “Plastik-Fasten“, der Versuch, auf Plastik gänzlich zu verzichten, sei ziemlich schwierig. Letztendlich müsse die Gesellschaft zum Mehrwegsystem auf möglichst allen Ebenen kommen.

Von Fatima Krumm

Von Jan Sternberg

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