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Panorama Das Lieblingsregal der Deutschen: „Ivar“ wird 50
Nachrichten Panorama Das Lieblingsregal der Deutschen: „Ivar“ wird 50
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16:16 30.06.2018
So ikonisch und universell einsetzbar wie der berühmte Sechskantinbus: Ivar ist seit 50 Jahren ebenso schlicht wie erfolgreich. Quelle: Per Liedberg
Hannover

Das Einzige, was sich in 50 Jahren geändert hat, ist der Name. Und das gleich mehrmals. Ivar erblickte als Bosse das Licht der Einrichtungswelt. Daraus wurde bald Ingo, etwas später Uffe. Und schließlich Ivar. Heute kennen wir es als das neben Billy wohl bekannteste Regal der Welt.

Die ungeleimten Regalbestandteile hält nichts weiter zusammen als ein metallenes Stützkreuz. Dies anzubringen, erklärt sich eigentlich von selbst. Deshalb gibt es wohl auch keine ausführliche Montageanleitung, was allerdings Menschen, die mit einem Kreuzschraubendreher kaum bis gar nicht vertraut sind, bei ihrer ersten Bekanntschaft mit Ivar schon mal einen Schreck einjagen kann.

Steht das Regal endlich, ist der Anblick ernüchternd. In seiner Schmucklosigkeit und der auf reine Funktionalität reduzierten Bedeutung mag man bei diesem kläglich anmutenden Rest eines Nadelholzwald-Kahlschlags kaum von einem Möbelstück sprechen. Ivar das Schreckliche. Und doch lieben gerade die Deutschen dieses Konstrukt aus unbehandelter Kiefer, das in diesem Jahr 50 Jahre alt wird.

Von der Studentenbude bis zum Einzug ins Eigenheim

Sieben bis acht Millionen Ivar-Regale jährlich produziert Ikea nach eigenen Angaben. Geliefert wird weltweit, verkauft werden die höchsten Stückzahlen jedoch in der Bundesrepublik.

“Die Kunden lieben Ivar, weil seine Funktionalität und Einfachheit es zu einem Produkt machen, das anpassungsfähig und veränderbar ist. Man kann es streichen, es lässt sich mit anderen Teilen ergänzen und für vieles nutzen“, heißt es in der schwedischen Unternehmenszentrale in Älmhult, wo der Anfang dieses Jahres gestorbene Ikea-Gründer Ingvar Kamprad 1958 das erste Einrichtungshaus der späteren Möbelkette errichtete.

Und auch wenn Ikea wie kaum ein zweiter Möbelhersteller für den Umschwung in der Einrichtungsbranche vom Lang- zum Kurzlebigen steht, ist Ivar tendenziell kein frühes Sperrmüllopfer. Denn oft begleitet das Regalsystem Menschen von der Studentenbude bis zum Einzug ins Eigenheim. Dann wächst es zuweilen sogar, als wäre der Baum, von dem es abstammt, noch lebendig. Es breitet sich über Zimmerwände aus bis unter die Decke, bekommt zusätzliche Regalböden, Türen, Schubladen, Eckelemente.

Einst nur ein schlichtes Aufbewahrungsmöbel für Keller & Co., hat es Ivar schnell in die Teppichetage, in Wohnzimmer, Küchen und Kinderzimmer geschafft. Quelle: Ikea

Mögen Reihenhaus und Inneneinrichtung auch noch so spießig wirken, ein Stück jugendliches Revoluzzertum ist mit dem preiswerten Ivar-Regal neben dem Rolf-Benz-Sofa auf jeden Fall gegeben. Frei nach dem Slogan des ersten deutschen Ikea-Katalogs: “Wer jung ist, hat mehr Geschmack als Geld.“ Dass Ivar nicht gerade ein Aushängeschild stilvollen Wohnens ist, dürfte unbestritten sein. Doch steht es wohl auch eher für eine Haltung als für guten Geschmack.

Wer das Ivar-Regal erfunden hat, ist nicht bekannt. Das Design aber war ein großer Wurf. Zwar schien es als unscheinbares und praktisches Aufbewahrungsmöbel für ein Kellerdasein bestimmt zu sein, doch die junge Nachkriegsgeneration verhalf ihm schnell zum Aufstieg in die Teppichetage. Die archaische Form gab keine Nutzungsbedingung vor. Ivar zog in Wohn-, Kinder-, Schlaf-, Arbeitszimmer, Küchen und sogar Bäder ein und bot nicht nur Büchern Platz, sondern allen erdenklichen Alltagsgegenständen.

Es stand für die Abkehr von traditionellen Einrichtungskonzepten: unbehandelte Kiefer statt rustikale Eiche, Aufbau in Do-it-yourself-Manier statt durch Anfertigung auf Bestellung, Gebrauchspatina statt glatte Oberfläche, gestalterische Kreativität statt anonymes Industriedesign. Wer selbst schraubte, galt als progressiv und konsumkritisch.

Unbehandelte Kiefer, simple Steckschrauben: Ein Ivar kann so ziemlich jeder aufbauen – auch wenn der fertige Anblick relativ ernüchternd sein kann. Quelle: privat

Ikea ist es gelungen, dem ökologischen Bewusstsein eine ästhetische Anmutung zu geben. Das Unternehmen hat früh für sich in Anspruch genommen, das Design zu demokratisieren, also die gute, funktionale Form für viele Menschen erschwinglich zu machen“, sagt etwa Andrej Kupetz, Hauptgeschäftsführer des Rats für Formgebung. Die 1953 gegründete gemeinnützige deutsche Stiftung hat sich unter anderem mit Ausstellungen und der Vergabe von Designpreisen dem Austausch und Wissenstransfer im Bereich Design verpflichtet.

Das Faible der Deutschen für skandinavisches Design, das Ikea mit seiner 1974 bei München eröffneten ersten Filiale des Landes beförderte, liegt für Kupetz vor allem in der Liebe zum Wald: “Die Verwendung von Kiefern und Birken im skandinavischen Design ist für uns eichengeprägte Deutsche vielleicht das Höchstmaß an Exotik, das wir uns zugestehen. Der erste Nierentisch kam aus Finnland und war nicht mehr als eine unbehandelte Baumscheibe auf Holzbeinen. In den Fünfzigerjahren aber wurde daraus hierzulande ein Trendmöbel.“

An Ivar wird auch künftig nichts verändert

Und das Ivar-Regal? “Wenn ein Produkt so viele Jahre unverändert im Einsatz ist und bis heute so viele Nutzer überzeugt, dann kann man es als Designklassiker bezeichnen, auch wenn Ivar aus ästhetischen Gesichtspunkten kein Meilenstein ist“, sagt Kupetz.

Ob schön oder nicht – an Ivar wird auch künftig nichts verändert – zumindest gibt Ikea das auf Nachfrage so an. Zwar feilt der Möbelhersteller aktuell daran, Produkte mit künstlicher Intelligenz auszustatten, doch Ivar sei davon ausgenommen, heißt es.

Von Kerstin Hergt

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