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Panorama Das Hochhaus als Feuerfalle
Nachrichten Panorama Das Hochhaus als Feuerfalle
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20:58 27.06.2017
Brandgefährliche Fassade: Das Hochhaus in Wuppertal ist nicht gegen Feuer gesichert und muss geräumt werden.. Quelle: dpa
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Wuppertal

Sie haben Plastiktüten mit dabei und Katzenkörbe, andere tragen Reisetaschen, sie sehen irritiert aus, verärgert. Einige schütteln den Kopf, bevor sie in einen der Busse steigen. Innerhalb weniger Stunden müssen rund 70 Menschen ihre Wohnungen in einem Wuppertaler Hochhaus verlassen. Das Haus, in dem viele seit Jahren leben, ist über Nacht zu einem Risiko für sie geworden.

Die Katastrophe vom Grenfell Tower hatte nicht nur die britischen Behörden genauer auf die älteren Hochhäuser schauen lassen. Auch in Deutschland wurden die Fassadendämmungen untersucht - und in Wuppertal wurde erstmals entschieden, ein ganzes Hochhaus innerhalb von Stunden zu räumen. Bei der jüngsten Brandschau schlugen die Experten Alarm: Die Fassade bestehe aus brennbarem Isoliermaterial, es gebe eine Unterkonstruktion aus Holz, warnten sie. Außerdem seien die Flure des rund 50 Jahre alten Hauses zu eng und die Balkone zu kurz. Eine Brandmeldeanlage? Fehlanzeige.

Mängel waren bekannt

Etliche Bewohner wurden von der Entscheidung vollkommen überrumpelt, einige erfuhren davon auf dem Heimweg von der Arbeit. „Ich habe übers Radio gehört, dass wir raus müssen“, schimpft eine ältere Frau. „Da äußerten sich die ersten Experten schon im Fernsehen dazu und ich wusste nichts, das ist eine Sauerei.“

„Wenn unmittelbare Gefahr für Leib und Leben besteht, müssen die Menschen in Sicherheit gebracht werden“, erklärt Wuppertals Baudezernent Frank Meyer. Die Bewohner waren da, so scheint es, schon weiter. Sie haben nach eigenen Angaben wiederholt auf Brandschutzmängel hingewiesen. „Es ist immer wieder gesagt worden, es werde etwas unternommen“, sagt eine Bewohnerin des heruntergekommen wirkenden Wohnblocks, der wie ein elfstöckiger Leuchtturm aus dem Wohnquartier Hilgershöhe heraussticht. „Immer wurde etwas gesagt, nie wurde etwas gemacht. Beschissen ist das.“

Auf Wochen nicht bewohnbar

Wochenlang werden die Wuppertaler nicht in ihre Wohnungen zurückkehren können. Zunächst wird die Fassade entfernt, teilte die Stadt mit, auch wenn sich der Eigentümer des Hauses bislang weigere. Einen Zeitplan gibt es noch nicht. Wer nicht bei seinen Verwandten oder Freunden unterkommt, der wird von der Stadt in Ersatzwohnungen untergebracht, die für die hohe Zahl an Flüchtlingen in Wuppertal vorgesehen waren und freistehen.

Wenige Stunden nach der Evakuierung halten noch ein paar Beamte des Ordnungsamtes Wache am verlassenen Wuppertaler Hochhaus. Sie warten auf Bewohner, die möglicherweise noch in einer Spätschicht arbeiten und nicht wissen, dass sie die kommenden Nächte nicht zu Hause schlafen dürfen. Danach soll ein Siegel die Türe zum Haus verschließen. Ein Wachdienst werde auf die Habseligkeiten achten, versichert die Stadt.

Von RND/dpa

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