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Panorama Brand im Grenfell Tower: Kritik am Brandschutz
Nachrichten Panorama Brand im Grenfell Tower: Kritik am Brandschutz
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08:22 15.06.2017
Die Ursache des Brandes im Londoner Hochhaus Grenfell Tower ist noch unbekannt. Quelle: dpa
London

Während der Rauch noch um die verkohlten Überbleibsel des Grenfell Towers in West-London wehte, fragten Bewohner und Gemeindevertreter bereits, wie es zu dem tragischen Feuer mit mindestens zwölf Toten kommen konnte.

Die Wut war besonders groß, da Aktivisten lediglich sieben Monate zuvor vor den laxen Brandschutzvorkehrungen gewarnt hatten. Damals sagten sie: Nur ein katastrophaler Großbrand werde jene Prüfungen auslösen, die nötig seien, um das Gebäude sicher zu machen.

Was ist passiert?

Feuerwehr und Polizei haben die Ursache für den Brand am Mittwochmorgen bisher nicht angegeben. Doch viele Videoaufnahmen zeigen, dass die Flammen außen am Gebäude mit einem bemerkenswerten Tempo empor kletterten.

„Ich habe so ein Feuer noch nie in meinem Leben gesehen. Ich habe es noch nie in einem Wohnblock gesehen“, sagt Joe Ruane, der frühere stellvertretende Feuerwehrchef für US-Luftwaffenstützpunkte in Großbritannien.

Der 24-stöckige Komplex gehört der Lokalverwaltung der Bezirke Kensington und Chelsea und wurde in den 1970er Jahren fertiggestellt. Die Mieterverwaltung der zwei Bezirke hat in den vergangenen zwei Jahren 10 Millionen Pfund (11,36 Millionen Euro) für Renovierungsarbeiten ausgegeben. Darunter waren etwa Reparaturen bei der Außenverkleidung, der Doppelverglasung von Fenstern sowie am Heizungssystem.

Laut Ruane spricht das rasende Tempo, mit dem sich das Feuer ausbreitete, für mehrere Pannen am Gebäude. „Das war nicht nur eine Sache.“

Wie sollten sich die Bewohner im Fall eines Feuers verhalten?

Manche Bewohner sagen, die Richtlinien am Grenfell Tower seien verantwortlich für das Desaster im Zuge des Infernos. Ein Newsletter der Mieterverwaltung habe die Bewohner angewiesen, im Falle eines Feuers in ihren Wohnungen zu bleiben - außer, der Brand sei in ihrer Wohnung oder auf ihrem Flur ausgebrochen.

Laut Newsletter sollten die neu bei jeder Einheit installierten Wohnungstüren einem Feuer 30 Minuten standhalten. „Dies gibt der Feuerwehr genügend Zeit, zu kommen“, heißt es in dem Text.

Mit 200 Feuerwehrmännern und Dutzenden Löschfahrzeugen kämpfte die Feuerwehr im Zentrum Londons gegen einen Großbrand. Ein 24-stöckiges Hochhaus stand seit den frühen Morgenstunden in Flammen.

Bei weniger gravierenden Bränden dürfte diese Vorschrift zwar wirksam sein, doch in dem konkreten Fall scheint sich das Feuer so schnell außen am Gebäude ausgebreitet zu haben, dass schützende Maßnahmen an Türen nicht effektiv waren. Menschen, die zunächst nicht aus ihren Wohnungen flohen, könnten später vermutlich nicht mehr in der Lage zur Flucht gewesen sein - da Gänge und Feuertreppen bereits von starkem Rauch und Flammen heimgesucht worden waren.

Die Feuerwehr erklärte, innerhalb von sechs Minuten am Einsatzort gewesen zu sein. Sie habe die höheren Stockwerke jedoch nicht erreicht, um den Brand dort zu löschen.

Was sagen Experten?

De Kritik an den Brandschutzmaßnahmen wird immer lauter: Der britischer Brandschutz-Experte John Hall nannte den Brand im Grenfell Tower einen Unfall, wie er in der „Dritten Welt“ vorkomme. „Alle Bestandteile der Feuersicherheit und des Gebäudemanagements“ müssten versagt haben, vermutete er auf Twitter.

Feuerkatastrophe in London

Eineinhalb Wochen nach dem jüngsten Terroranschlag muss die britische Hauptstadt London mit einer erneuten Tragödie fertig werden. Bei einem verheerenden Brand in einem Hochhaus kamen am Mittwoch mindestens zwölf Menschen ums Leben, Dutzende weitere zogen sich Verletzungen oder Rauchvergiftungen zu.

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So sicher sind Hochhäuser in Deutschland

Auch Dieter Räsch, Vorstandsmitglied der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau, zeigt sich verwundert über das Ausmaß des Außenbrandes. „Die Außenfassade brennt offensichtlich sehr stark ab. Bei Hochhauskonstruktionen, wie wir sie hier in Deutschland haben, wäre das eher nicht zu erwarten.“

Wer trägt die Verantwortung?

Der Überlebende Edward Daffarn sieht die Schuld bei der Mieterverwaltung von Kensington und Chelsea, da sie mehrere Warnungen ignoriert hätten. Aktivisten einer Gemeindegruppe, der Grenfell Action Group, schrieben in Blogeinträgen am Mittwoch, sie hätten mehrmals seit dem Jahr 2013 Brandschutzbedenken geäußert - doch dies sei stets auf „taube Ohren“ gestoßen.

Der Abgeordnete des britischen Unterhauses und Ex-Feuerwehrmann Jim Fitzpatrick sagte, Wissenschaftler und Ingenieure müssten nun herausfinden, wie das Feuer entstand und sich so zügig ausbreiten konnte. Sky News sagte er, auch wichtig sei zu klären, wie der Brand hätte verhindert werden können.

Die Mieterverwaltung von Kensington und Chelsea erklärte, sie arbeite mit den Ermittlern zusammen und sei sich der Beschwerden der Bewohner bewusst; diese würden nun auch Gegenstand in den Untersuchungen.

Von ap/dpa/RND/zys