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Panorama Bankkunden wegen unterlassener Hilfeleistung angeklagt
Nachrichten Panorama Bankkunden wegen unterlassener Hilfeleistung angeklagt
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14:01 02.05.2017
Bilder der Überwachungskamera zeigen, wie andere Kunden der Bank über den 82-jährigen Mann hinwegsteigen. Quelle: dpa/Polizei Essen
Essen

Sieben Monate nach dem Zusammenbruch eines alten Mannes in einer Essener Bankfiliale hat die Staatsanwaltschaft nach einem Zeitungsbericht vier Menschen wegen unterlassener Hilfeleistung angeklagt.

Wie die „Westdeutsche Allgemeine Zeitung“ am Dienstag berichtete, handelt es sich um drei Männer und eine Frau im Alter von 39 bis 62 Jahren aus Essen und Oberhausen. Dies habe Oberstaatsanwältin Birgit Jürgens der Zeitung auf Nachfrage berichtet. Die vier sollen den am Boden liegenden hilflosen Mann ignoriert haben. Für nähere Informationen war die Staatsanwaltschaft am Dienstag zunächst nicht zu erreichen.

Erst der fünfte Kunde wählt den Notruf

Der Mann war am 3. Oktober 2016 im Vorraum einer Bank in Essen zusammengebrochen. 20 Minuten lang hatte er keinerlei Hilfe bekommen, obwohl Menschen im Raum waren. Das Überwachungsvideo zeigt vier Kunden, die in dieser Zeit nacheinander Bankgeschäfte erledigten und den Mann ignorierten.

Erst ein fünfter Kunde wählte den Notruf. Der Zusammengebrochene erlangte das Bewusstsein nicht wieder und starb einige Tage später im Krankenhaus. Die Identität der vier Verdächtigen konnte die Polizei anhand der Bankdaten ermitteln. Der Fall hatte bundesweit für Entsetzen gesorgt und eine Debatte über eine Verrohung der Gesellschaft ausgelöst.

Unterlassene Hilfeleistung

Wer angesichts eines Notfalls bewusst wegschaut, macht sich wegen unterlassener Hilfeleistung strafbar und muss im schlimmsten Fall mit einer Haftstrafe rechnen. Paragraf 323c des Strafgesetzbuches stellt klar: „Wer bei Unglücksfällen oder gemeiner Gefahr oder Not nicht Hilfe leistet, obwohl dies erforderlich und ihm den Umständen nach zuzumuten, insbesondere ohne erhebliche eigene Gefahr und ohne Verletzung anderer wichtiger Pflichten möglich ist, wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft.“ Im Kern geht es darum, in Notfällen gesellschaftliche Solidarität zu wahren. Gaffer zum Beispiel machen sich strafbar, wenn sie nach einem Verkehrsunfall keine Erste Hilfe leisten und stattdessen noch die Arbeit der Retter behindern. Aber auch wenn es um Krankheit, Überfälle oder Vergewaltigung geht, ist Helfen Pflicht. Ohne sich selbst in Gefahr zu bringen, kann in der Regel jeder zumindest über die Notrufnummern von Polizei und Feuerwehr Hilfe organisieren. (RND)

Von dpa/RND/zys