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Panorama Bankkunden lassen hilflosen Rentner liegen
Nachrichten Panorama Bankkunden lassen hilflosen Rentner liegen
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16:29 28.10.2016
Bilder der Überwachungskamera zeigen, wie andere Kunden der Bank über den 82-jährigen Mann hinwegsteigen. Quelle: Polizei Essen
Essen

Der 82-Jährige wollte am 3. Oktober Überweisungen vornehmen. Aber im Vorraum seiner Bank brach der Rentner zusammen. Anschließend betraten mehrere Menschen die Filiale – ohne dem Mann zu helfen, obwohl er vor ihnen auf dem Boden lag. Das zeigen Aufnahmen der Überwachungskamera.

Wie die Polizei am Freitag weiter mitteilte, gingen mindestens vier Personen an dem Rentner vorbei oder stiegen über ihn, erledigten ihre Finanzgeschäfte am Bankautomaten und verließen die Filiale wieder – ohne sich um den Mann auf dem Boden zu kümmern. Als sich die Polizisten die Videobilder ansahen, seien sie „tief bestürzt“ gewesen, sagte ein Sprecher.

Polizei: „Im Notfall zählt jede Minute“

Erst die fünfte Person, die nach dem Rentner die Bankfiliale betrat, rief den Notarzt. Bis dahin seien 20 Minuten vergangen, erklärte der Polizei-Sprecher. „Und in einem internistischen Notfall zählt jede Minute.“ Als der Rettungsdienst eintraf, sei der Mann deshalb sofort in ein Krankenhaus gebracht worden. Er habe das Bewusstsein aber nicht mehr wieder erlangt und sei einige Tage später gestorben.

Die Polizei ermittelt deshalb wegen unterlassener Hilfeleistung. Sie ist zuversichtlich, dass sie die Identität derjenigen herausfindet, die nichts unternommen haben. Zum einen lassen sich die Aufnahmen der Videokamera mit den Bankgeschäften abgleichen, die in diesem Zeitraum vorgenommen wurden. Zum anderen hofft die Polizei auf den öffentlichen Druck, der durch ihre Fahndung entsteht: Der eine oder andere meldet sich vielleicht und erklärt, warum er dem Rentner nicht geholfen hat.

Die Polizei verbindet ihre Fahndung mit einem Appell – auch deshalb wendet sie sich überhaupt an die Öffentlichkeit: „Bitte achten Sie auf Ihre Mitmenschen“, sagte der Polizeisprecher. Und auf ihrer Facebookseite schreiben die Ermittler: „Hinschauen statt Wegsehen! Eine Nummer hätte Leben retten können“ Dazu veröffentlichten sie die Notrufnummern 112 und 110.

Unterlassene Hilfeleistung

Wer angesichts eines Notfalls bewusst wegschaut, macht sich wegen unterlassener Hilfeleistung strafbar und muss im schlimmsten Fall mit einer Haftstrafe rechnen.

Paragraf 323c des Strafgesetzbuches stellt klar: „Wer bei Unglücksfällen oder gemeiner Gefahr oder Not nicht Hilfe leistet, obwohl dies erforderlich und ihm den Umständen nach zuzumuten, insbesondere ohne erhebliche eigene Gefahr und ohne Verletzung anderer wichtiger Pflichten möglich ist, wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft.“

Im Kern geht es darum, in Notfällen gesellschaftliche Solidarität zu wahren. Gaffer zum Beispiel machen sich strafbar, wenn sie nach einem Verkehrsunfall keine Erste Hilfe leisten und stattdessen noch die Arbeit der Retter behindern. Aber auch wenn es um Krankheit, Überfälle oder Vergewaltigung geht, ist Helfen Pflicht.

Ohne sich selbst in Gefahr zu bringen, kann in der Regel jeder zumindest über die Notrufnummern von Polizei und Feuerwehr Hilfe organisieren.

Von RND/wer

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