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Panorama Baby-Entführung nach 18 Jahren aufgeklärt
Nachrichten Panorama Baby-Entführung nach 18 Jahren aufgeklärt
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08:44 14.01.2017
Kamiyah wurde als Baby aus einer Geburtsklinik in Jacksonville im US-Bundesstaat Florida entführt, nun hat sich ihr Schicksal nach 18 Jahren aufgeklärt. Hinweise hatten die Ermittler auf eine neue Spur gebracht. Quelle: ap
Jacksonville

In der Gefriertruhe von Shanara Mobley stapeln sich kleine Pappteller, auf denen kleine Kuchenstücke mit Alufolie eingewickelt sind. Jedes Jahr hat die Frau aus Jacksonville im US-Bundesstaat Florida einen Geburtstagskuchen für ihre Tochter Kamiyah gebacken. Jedes Jahr am 10. Juli hat sie ein Stück abgeschnitten und eingefroren. „Happy Birthday“ konnte sie niemals singen. Kamiyah war am ersten Tag ihres Lebens, nur acht Stunden nach der Geburt entführt worden.

Jetzt, 18 Jahre später, hat die Polizei die junge Frau gefunden. Sie wusste von nichts. Einer der spektakulärsten Fälle von Kindesentführung in den USA ist damit aufgeklärt. „Wir haben eine Reihe von Tipps bekommen“, beschrieb Sheriff Mike Williams die unspektakulären letzten Schritte einer Aufsehen erregenden Ermittlung. Ein schneller DNA-Abgleich, am Donnerstagabend herrschte Gewissheit. „Es ist ein Fall, wie wir ihn in diesem Land lange Zeit nicht gesehen haben“, sagte Williams. Eine heute 51-Jährige hatte das Neugeborene damals unter einem Vorwand von der leiblichen Mutter getrennt und gekidnappt. Sie wurde festgenommen.

Ein Foto zeigt Kamiyah als Neugeborene. Zeichnungen zeigen sie als 18-jährige Frau. Quelle: AP

Jedes Jahr werden dort nach Angaben des Internationalen Zentrums für vermisste Kinder 460.000 Jungen und Mädchen als vermisst gemeldet. In der Zwischenzeit bekommen Mutter und Kind in vielen Krankenhäusern Alarm-Armbänder, die ein Signal auslösen, sobald sie sich auf eine bestimmte Distanz voneinander entfernen.

Der Fall der 18-Jährigen könnte nun auch anderen verzweifelten Eltern in aller Welt wieder Hoffnung geben. Eine der Aufsehen erregendsten und weltweit bekannten Fälle ist der des britischen Ehepaars McCann, deren Tochter Maddie 2007 in Portugal verschwunden war.

Der Fall von Kamiyah begann fast so unglaublich wie er nun zu Ende geht: Unmittelbar nach der Geburt des Mädchens hatte sich eine Frau ans Wöchnerinnenbett der erst 16 Jahre alten Mutter gesellt. Acht Stunden nach der Geburt schlich die Frau mit dem Kind auf dem Arm, verkleidet als Krankenschwester, aus der Klinik. Die Großmutter war der Frau noch auf dem Flur begegnet. „Ich hatte Verdacht geschöpft, weil sie eine Handtasche umhatte“, sagte die Frau vor acht Jahren einer lokalen Zeitung. Doch da war es schon zu spät.

20 Minuten später zog die Polizei alle Register. Hubschrauber kreisten über der Klinik, jeder einzelne Raum der Klinik wurde von Beamten durchkämmt. Auf den umliegenden Autobahnen machten Leuchtschilder die Autofahrer darauf aufmerksam: „Achtung! Kindesentführung!“ Nichts brachte etwas – Täterin und Opfer blieben verschwunden.

Mutter war damals 15 Jahre alt

Der Vater war bereits während der Geburt wegen eines Drogendeliktes in Haft. Er kooperierte mit der Polizei, um die Chancen auf das Auffinden seines Kindes zu verbessern. Damit gab er aber auch zu: Er hatte ein Kind mit einer 15-Jährigen gezeugt. Eine Straftat in Florida, die ihm erneut eine Haftstrafe einbrockte. „Ich träume die ganze Zeit, aber ich habe keine Vorstellung, wie das Kind aussieht“, beklagte er in einem Interview, das die Lokalzeitung „Times Union“ im Jahr 1999 mit ihm im Gefängnis geführt hatte.

Nicht annähernd so schlimm wie die Familie, aber dennoch gnadenlos litten auch die Ermittler. Teilweise wühlten die Polizisten zehn Jahre, um zum Erfolg zu kommen. Manche gingen in der Zwischenzeit in den Ruhestand, mussten ihren Schreibtisch räumen, ohne dass der Fall gelöst war. „Wir haben ein paar von ihnen angerufen und sie informiert“, sagte der Sheriff.

Die Gespräche mit der Familie waren schwieriger. „Man muss sich vorstellen, was diese Leute zu verdauen haben“, sagte Williams. „Es ist schwer vorstellbar, was sie durchmacht, wenn man sich vor Augen führt, dass sie die ganze Zeit dachte, die Entführerin ist ihre Mutter“, so der Sheriff über die 18-Jährige, die urplötzlich ihre Identität verloren hat. Ob ihre leibliche Mutter jemals den Geburtstagskuchen auftaut, ist ungewiss. „Es ist ihre Entscheidung, ob sie sich mit ihrer biologischen Familie treffen will oder nicht“, betonte der Sheriff. Die Behörden jedenfalls würden ihr alle nötige Hilfe anbieten.

Von RND/dpa

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