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Panorama „Apokalyptische Situation“: Zahl der Unwettertoten in Italien steigt
Nachrichten Panorama „Apokalyptische Situation“: Zahl der Unwettertoten in Italien steigt
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20:30 04.11.2018
Das überflutete Landhaus, in dem neun Menschen starben. Quelle: Mike Palazzotto/ANSA/AP/dpa
Casteldaccia

Die schweren Unwetter in Italien haben weitere Todesopfer gefordert. Taucher bargen in der Nacht auf Sonntag bei einem „dramatischen Einsatz“ neun Leichen aus einem gefluteten Landhaus auf Sizilien, wie die Feuerwehr auf Twitter mitteilte.

Das Unglück geschah demnach unweit von Palermo in Casteldaccia. Dort war der Wasserpegel eines Flusses wegen der heftigen Regenfälle in der Region rapide angestiegen, wie italienische Medien berichteten. Bei den Toten handele es sich um Angehörige zweier Familien, unter den Opfern seien auch kleine Kinder.

„Eine entsetzliche Tragödie hat uns getroffen“, sagte der Bürgermeister von Casteldaccia, Giovanni Di Giacinto, laut der Nachrichtenagentur Ansa. Der Fluss habe nie eine Gefahr dargestellt. Ansa berichtete zudem von einem weiteren Toten, der im sizilianischen Vicari gefunden worden sei.

Schwere Stürme in weiten Teilen des Landes

Seit nunmehr einer Woche sind weite Teile Italiens von Starkregen, Sturm und Gewitter betroffen. Mit den Toten von Sonntagnacht kamen mittlerweile deutlich mehr als zwei Dutzend Menschen ums Leben.

Die Situation im Norden des Landes hatte der Chef des Zivilschutzes am Samstag als „apokalyptisch“ bezeichnet. Winde mit Geschwindigkeiten von bis zu 180 Stundenkilometern hatten Schneisen der Verwüstung in Wälder gerissen, Straßen wurden durch Erdrutsche verschüttet. Vielerorts fehlten Strom und Trinkwasser. In Rapallo in der Nähe von Genua stürzte eine gesamte Küstenstraße ein.

Eine Straße, die Santa Margherita Ligure mit Portofino verbindet ist nach dem Unwetter teilweise eingestürzt. Quelle: Vigili del Fuoco/Italian Firefighters/AP/dpa

Massive Schäden gefährden Skigebiete

Laut dem nationalen Verband der Waldwirtschaft und dem Bauernverband Coldiretti sind dem Sturm insgesamt 14 Millionen Bäume zum Opfer gefallen. Alleine die Räumung dürfte Millionen Euro kosten. In Dutzenden Skigebieten - unter anderem im „Dolomiti Superski“, einem der größten Gebiete Europas - ist der Beginn der Skisaison gefährdet.

Der Gouverneur der Region Venetien, Luca Zaia, überprüft die Verwüstung in der Region Venetien in Nordostitalien. Quelle: Vigili del Fuoco/Italian Firefighters/dpa

„Die Wassermassen und Erdrutsche haben Gräben von bis zu fünf Metern Tiefe in die Skipisten gerissen, die Wasserleitungen für die Schneekanonen sind zum Teil zerstört. Für uns ist das eine Katastrophe“, sagte Bergbahn-Chef Roberto Denicolò. Auch zahlreiche Hotels seien von den Unwettern beschädigt worden.

Der Präsident der Region Venetien, Luca Zaia, bezifferte die Schäden im Veneto auf mindestens eine Milliarde Euro. „Es sieht aus wie nach einem Erdbeben.“ Innenminister Matteo Salvini flog am Sonntag nach Belluno, um der Bevölkerung die Hilfe der Regierung zu versprechen. Vor seinem Abflug hatte Salvini mit einem Selfie für Empörung gesorgt: Er posierte wie immer grinsend vor der Kamera und wünschte seinen Fans auf Twitter „buona domenica“ - garniert mit einem augenzwinkernden Smiley. Dass er derartige Fotos und Meldungen absetzt, während aus Sizilien 12 Tote gemeldet werden und im halben Land Katastrophenalarm herrscht, hat dem rechtsradikalen Innenminister keine zusätzlichen Sympathien eingetragen.

Von RND/dpa