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Panorama Angriff auf Polizisten: 37-Jähriger in Psychiatrie
Nachrichten Panorama Angriff auf Polizisten: 37-Jähriger in Psychiatrie
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18:56 14.06.2017
Der 37-Jährige hatte am Dienstag am Bahnhof in Unterföhring im Münchner Speckgürtel einem Polizisten die Pistole entrissen und dessen Kollegin in den Kopf geschossen. Quelle: dpa
Unterföhring/München

Der Schütze vom S-Bahnhof Unterföhring ist in einer geschlossenen psychiatrischen Einrichtung untergebracht worden. Gegen ihn war zunächst Haftbefehl wegen versuchten Mordes beantragt worden. Aufgrund seines Zustandes sei nun zudem ein Unterbringungsbefehl erlassen worden, sagte ein Sprecher der Münchner Polizei am Mittwoch. Die Ermittlungen liefen weiter.

Der 37-Jährige hatte tags zuvor am Bahnhof in Unterföhring im Münchner Speckgürtel einem Polizisten die Pistole entrissen und dessen Kollegin in den Kopf geschossen. Die 26-Jährige war am Mittwoch weiter in Lebensgefahr. Auch zwei Passanten wurden verletzt, sie erlitten Schussverletzungen am Arm und am Bein.

Täter fiel durch merkwürdiges Verhalten auf

Der Mann, der in Oberbayern geboren wurde, lebte nach neuen Informationen bei seinem Vater in den USA und war auf Europareise. Er kam am Montag aus Athen einreisend in München an, verbrachte die Nacht am Flughafen und fuhr dann mit der S-Bahn Richtung München. Zeugen hätten ausgesagt, er habe sich in der S-Bahn auffällig benommen, etwa Selbstgespräche geführt, berichtete Polizeipräsident Hubertus Andrä am Mittwoch.

Plötzlich und ohne ersichtlichen Anlass habe er einem zugestiegenen Fahrgast mit der Faust ins Gesicht geschlagen. Fahrgäste griffen ein. Die Kontrolle durch eine herbeigerufene Polizeistreife am Bahnsteig Unterföhring sei zunächst Routine gewesen, sagte Andrä. Videoaufnahmen zeigen, dass der Beamte etwas aufschrieb.

Ein heftiger Kampf entbrannte

Da ging der Mann plötzlich auf den schreibenden Polizeibeamten los und versuchte, ihn ins Gleisbett zu stoßen – womöglich vor eine einfahrende S-Bahn. „Die Situation war nicht nur ein Handgemenge, sondern tatsächlich ein heftiger Kampf“, sagte der Polizeipräsident. Im Zuge des Tumults konnte der Mann dem Beamten die Dienstwaffe entreißen. Wie es dazu kommen konnte, ist noch offen. Die Beamtin feuerte, der Mann feuerte – auch hier ist der genaue Ablauf noch unklar. Die Polizei erstellte ein 3-D-Modell des Tatorts, um den Hergang detaillierter nachvollziehen zu können.

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) sieht trotz des Vorfalls keinen Handlungsbedarf bei der Sicherung der Pistolen. Der Randalierer hatte die Dienstwaffe aus dem Holster des Beamten gezogen. „Vom Grundsatz her sollte es eigentlich nicht passieren, dass dem Kollegen die Waffe entrissen werden kann“, sagte der bayerische GdP-Landesvorsitzende Peter Schall. „Da ist eigentlich ein Verriegelungsknopf.“ Die Beamten müssten extra die Bewegung trainieren, beim Ziehen der Waffe diesen Knopf zur Seite zu drücken.

Wie sehr muss eine Polizeipistole gesichert sein?

Von daher verwundere es, dass der Täter bei dem Vorfall die Waffe habe an sich reißen können. „Aber für alle Eventualitäten ist man dann wohl doch nicht gewappnet“, sagte Schall. Er betonte: „Zu kompliziert darf man es auch nicht machen, denn wenn ein Kollege in einer Notwehrsituation die Waffe schnell ziehen muss, kann er nicht erst zwei, drei Sicherungen öffnen müssen.“

Der Täter soll in den USA bereits wegen verschiedener Delikte strafrechtlich in Erscheinung getreten sein. Es gebe Kontakt zu den US-Behörden, hieß es.

Die Münchner Polizei sagte nach dem Vorfall ihren für Sonnabend geplanten Tag der offenen Tür ab. Es sollte ein fröhlicher Tag werden, sagte Andrä. Die Situation sei momentan aber eine andere.

Piratenpartei entsetzt über menschenverachtenden Tweet

Wegen eines menschenverachtenden Tweets zu dem Angriff auf die Polizisten erwägt die Piratenpartei in Brandenburg, ihre Liste für die Bundestagswahl zurückzuziehen. „Es ist in keiner Weise zu akzeptieren, wenn gefeiert wird, dass ein Mensch schwer verletzt wurde“, sagte der Chef des Landesverbandes Brandenburg, Thomas Bennühr, am Mittwoch in einer Mitteilung. Die Partei könne nach derzeitigem Kenntnisstand einen einzelnen Kandidaten nicht von der Liste nehmen, aber womöglich die komplette Liste zurückziehen.

In dem Tweet wird der Angriff auf Polizisten bei München begrüßt und erklärt, nun werde Champagner aufgemacht. Der Account wird dem auf Platz zehn der Liste stehenden Potsdamer Bundestagskandidaten Thomas Goede zugeordnet.

Bei der Tat war eine 26 Jahre alte Polizistin am Dienstag von einem Schuss in den Kopf getroffen worden. Der Tweet werde „aufs Schärfste verurteilt“, heißt es in der gemeinsamen Mitteilung der Piratenpartei Brandenburg und der Piraten Potsdam.

Die Polizei erklärte am Nachmittag, bei ihr seien neun Hinweise und Anzeigen wegen des Tweets eingegangen. Der Staatsschutz prüfe jetzt, ob die Äußerung strafbar sei. In Frage kämen etwa Beleidigung oder die Billigung von Straftaten, hieß es bei der Polizeidirektion West. Zudem werde noch der Inhaber des Twitter-Accounts und der Ersteller ermittelt.

Von RND/dpa