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Panorama „Er hat uns terrorisiert“
Nachrichten Panorama „Er hat uns terrorisiert“
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09:48 08.04.2018
In der Nacht zu Sonntag riegelten Polizisten den Bereich in der Innenstadt von Münster weiträumig ab. Quelle: dpa
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Münster

Spät am Abend herrschte noch immer Ausnahmezustand in der Innenstadt von Münster. Auch kurz vor Mitternacht kontrollierten schwerbewaffnete Polizisten die Einfahrten in die Gassen, Flatterband versperrte den Weg, niemand durfte hinein.

In Münster ist am Samstag ein Transporter in eine Menschenmenge gefahren. Mehrere Menschen starben, bestätigte die Polizei.

Das Stadttheater wurde zur Anlaufstelle für Anwohner umfunktioniert, die am Sonnabendabend vorerst nicht zurück in ihre Wohnungen und Häuser konnten. Wann sie denn wohl zurück in ihr Hotel dürften, fragten zwei Männer, Touristen mit bayerischem Zungenschlag, die Betreuer am Eingang zum Theater, es liege nur wenige Schritte vom Kiepenkerl-Denkmal entfernt, vom Tatort. „Im Moment“, erklärte ihnen ein Rotkreuz-Helfer in weißer Uniform, „ist es dort noch nicht sicher.“ Dann beißt er wieder in seine Brezel. Es könnte eine lange Nacht werden.

Rund sechs Stunden zuvor, gegen 15.30 Uhr, war ein grauer VW-Bus in die Menschen gerast, die an diesem sonnigen, milden Nachmittag vor dem Gasthaus „Großer Kiepenkerl“ saßen. Zwei Menschen starben, rund 20 wurden zum Teil schwer verletzt. Der Fahrer tötete sich anschließend selbst.

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„Wir wollten diesen Tag genießen“

Wegen einer Demonstration waren ohnehin zahlreiche zusätzliche Polizisten in der Stadt, sofort riegelten sie die Innenstadt ab. Es war das abrupte Ende eines des ersten warmen Frühlingstags in dieser sehr bürgerlich-idyllischen Stadt. Panik brach aus, Menschen liefen schreiend davon. „Wir waren hier auf einen schönen Tag eingestellt, wir wollten diesen Tag genießen“, sagt eine Münsteranerin am Abend vor einem Imbiss am Rand der Innenstadt. „Und dann das.“

Über das Motiv des Täters herrschte auch spät am Abend noch Unklarheit. Sicher ist nur, dass es sich um einen Deutschen handelt, so bestätigte es am Abend der nordrhein-westfälische Innenminister Herbert Reul (CDU). Ein islamistisches Motiv sei nicht erkennbar.

Nach Berichten verschiedener Medien soll Jens R. der Täter sein, ein 48-jähriger Industriedesigner mit psychischen Problemen. „Der hat uns regelrecht terrorisiert“, so erklärt es eine frühere Nachbarin gegenüber dem RedaktionsNetzwerk Deutschland, „der war ein wesentlicher Grund, dass wir umgezogen sind.“

Münsteraner wirken nicht sonderlich schockiert

Wie und warum R. allerdings zum Amokfahrer wurde, ob er, wie die „Westfälischen Nachrichten“ am Abend spekulierten, rechtsextremistische Motive hatte, dafür hatte die Polizei am späten Abend noch keine Erklärung.

Der Mann soll aus dem Sauerland stammen und bereits seit einigen Jahren in Münster gelebt haben. Seine Wohnung in der Zumbroockstraße nahe dem Bahnhof wurde am Abend weiter durchsucht, den Bereich riegelten Polizisten weiträumig ab. Offenbar fürchtete die Polizei, dass R. Sprengstoffdepots angelegt haben könnte. „Wir können noch nicht sagen, wann wir den Bereich wieder öffnen dürfen“, sagte ein Polizist am Abend an der Absperrung.

Die Münsteraner wirkten am Abend nach der Amokfahrt nicht sonderlich schockiert, die Kneipen und Bars am Rand des Altstadtkerns sind gut besucht. „Aus irgendeinem Grund erleichtert es mich doch, dass es wohl kein islamistischer Anschlag war“, sagte ein Mann, Mittvierziger, in einer Tapas-Bar. Die beiden Touristen vor dem Theater erklären, sie hätten all ihre Sachen im Hotel, sie müssten dorthin, doch der Helfer zuckte nur mit den Schultern. Nichts zu machen, soll das heißen. „Dann“, sagte einer der Männer gelassen, „ziehen wir eben noch mal in eine Kneipe.“

Von RND/Thosten Fuchs

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