Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Panorama Gerst: „Im Weltraum habe ich Heimweh“
Nachrichten Panorama Gerst: „Im Weltraum habe ich Heimweh“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
12:47 18.04.2018
Will wieder hoch hinaus: Alexander Gerst über seinen Einsatz auf der ISS und die Mission „Horizons“. Quelle: Foto: dpa
Anzeige
KÖLN

 An Alexander Gerst scheint alles abzuprallen. Fotografen, Reporter und Kameraleute umringen den 41-Jährigen, fragen ihn Löcher in den Bauch. Gerst bleibt trotz des Pressestresses im Kölner Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) entspannt, lächelt freundlich und beantwortet auch die letzte Frage. Er scheint wie gemacht für seine Mission. „Ich freue mich, dass das Warten jetzt bald ein Ende hat“, sagt er.

„Astro-Alex“, wie der Geophysiker in den Medien genannt wird, will wieder rauf, in die Internationale Raumstation (ISS). Das letzte Mal war er vor vier Jahren dort, bei der Mission „Blue Dot“. Nun startet er am 6. Juni gemeinsam mit Nasa-Astronautin Serena Auñón-Chancellor und dem russischen Raumschiffkommandanten Sergej Prokoryev vom russischen Baikonur zur Mission „Horizons“. Ende August, wenn die jetzige ISS-Mannschaft zur Erde zurückkehrt, wird Gerst sogar Commander der Raumstation.

300 Experimente warten auf den Deutschen im Weltall

Dass der Job im All enorm anstrengend ist, darüber verliert Gerst kaum ein Wort. Etwa 300 Experimente werden die Wissenschaftler im All ausführen. „Darunter sind Versuche, die auf der Erde überhaupt nicht möglich sind. Zum Beispiel untersuchen wir flüssiges Metall, das frei schwebt.“ Besonders wichtig seien ihm aber die medizinischen Reihen, in denen die Astronauten selbst Versuchskaninchen seien, wie Gerst erzählt. „Ich finde es großartig, wenn wir irgendwann einmal zur Gesundung von Menschen beitragen können.“

Landung geglückt Alexander Gerst und sein Kollege Maxim Surayev landeten am 10. November 2014 in der Wüste in Kasachstan. Quelle: REUTERS / POOLREUTERS / POOL

Gerst ist aber auch Teil eines großen Schrittes, den die internationale Raumforschung jetzt gehen will. „Wir sind bei unseren Missionen bislang mehr der Erde zugewandt gewesen. Vom Mond haben wir lediglich ein paar Steine geholt. Weil wir Menschen nicht wollen, dass wir wie die Dinosaurier enden, müssen wir mehr über Mond oder Mars erfahren“, sagt der deutsche Astronaut. So soll mit dem „Deep Space Gateway“ mal eine feste Station um den Mond entstehen. „Da ist noch eine Menge zu entdecken.“

Deshalb betrachtet Alexander Gerst seine Mission auch als Aufgabe für die Nachwuchsgewinnung. „Mich haben Leute wie Siegmund Jähn, der heute ein enger Freund für mich ist, oder Ulf Merbold inspiriert. Die waren keine Supermänner für mich, was die konnten, wollte ich auch. Darum bin ich kein Superheld. Wenn jetzt Kinder sagen, was der Alex kann, das kann ich auch – dann ist meine wirkliche Mission erfüllt.“

Nach den Trainings in Russland geht es nach Baikonur

Für Gerst, der aus dem süddeutschen Künzelsau stammt, brechen jetzt die vorerst letzten Tage in Deutschland an. Dann folgen Trainings in Russland, noch eine Woche Ruhe und dann Abgeschiedenheit vorm Start im Sternenstädtchen Baikonur. Volle Konzentration.

Und wie ist das eigentlich mit dem Heimweh, wenn man Wochen um die Erde kreist? Das fühle sich dort anders an, verrät der Wissenschaftler. „Früher sehnte ich mich nach Künzelsau, wenn ich unterwegs war, bei den Trainings vermisse ich immer die Stadt – ob nun Houston, Köln oder Moskau – , in der ich gerade nicht bin. Im Weltraum aber habe ich tatsächlich Heimweh nach unserem Planeten.“ Man realisiere, dass da draußen erst mal nichts weiter ist. Das erzeuge ein Gefühl tiefer Verbundenheit. „Wenn man die Erde von außen sieht, will man dahin zurück.“

Die ISS ist auch ein Zeichen der Völkerverständigung

187 Tage werden Gerst und seine Crew um die Erde kreisen. Die ISS ist in gewisser Weise, auch wenn der Deutsche das so nicht sagt, ein Signal, wie Völkerverständigung funktioniert. Weltweit haben 100 000 Menschen an der komplexesten Maschine gebaut, die jemals entworfen wurde. 103 Nationen sind in irgendeiner Form beteiligt, betont Gerst. „Wir sind alle ein Team, egal welcher Nation wir angehören. Die ISS ist ein Stabilitätsanker.“

Fans von „Astro-Alex“, die ihm auf Twitter oder bei Facebook folgen, dürfen schon darauf gespannt sein, was er von seinem ersten Traum an Bord berichten wird. Der nämlich war vor vier Jahren „wirklich krass“, wie Gerst sagt: „Ich befand mich im Traum auf einer Raumstation. Als ich aufwachte, wusste ich überhaupt nicht mehr, wo ich bin.“

Von Thoralf Cleven/RND

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Der ICE-Zugführer Hartmut Dreßler ist zum „Eisenbahner mit Herz“ gewählt worden. Er hatte seine Fahrgäste während des Orkans „Xavier“ im Oktober 2017 in einer Turnhalle betreut und ihnen ein „unvergessliches Gemeinschaftserlebnis“ bereitet.

18.04.2018

Der deutsche Butzemann erobert Katalonien: Anhänger des Separatistenführers Carles Puigdemont haben das Kinderlied zu ihrer Hymne erkoren.

18.04.2018

Am Ende kam für den Jugendlichen jede Hilfe zu spät: Ein 15-Jähriger ist in Passau zu Tode geprügelt worden. Die Hintergründe sind noch nicht vollständig aufgeklärt. Gab es zuvor eine Verabredung zur Schlägerei?

18.04.2018
Anzeige