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Panorama 71 Tote bei Flugzeugabsturz in Kolumbien
Nachrichten Panorama 71 Tote bei Flugzeugabsturz in Kolumbien
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22:37 29.11.2016
Das Fußballteam von Chapecoense, hier beim Halbfinale der Copa Sudamericana. Quelle: afp
Bogotá

Beim Absturz eines Flugzeugs mit der brasilianischen Fußballmannschaft Chapecoense an Bord sind in Kolumbien 71 Menschen getötet worden. Zunächst waren die Behörden von 75 Toten ausgegangen, aber anders als geplant hatten vier Passagiere die Reise nicht angetreten.

Sechs Menschen überlebten: drei Spieler, zwei Crewmitglieder und ein Journalist. Die für die Ursachensuche wichtigen Blackboxes konnten geborgen werden.

Die Maschine war nach offiziellen Angaben am Montagabend in der Nähe der kolumbianischen Stadt Medellín abgestürzt. Bei dem Berg El Gordo in der Nähe der Ortschaft La Unión verschwand der Flieger vom Radar.

In der Charter-Maschine reiste das brasilianische Fußballteam Chapecoense. Das Erstliga-Team war auf dem Weg zum Finale der südamerikanischen Europa-League – der Copa Sudamericana. Das erste Spiel der Finalrunde sollte in der Nacht zu Donnerstag (MEZ) in Medellín gegen Atlético Medellín ausgetragen werden. Das Spiel wurde mittlerweile abgesagt.

Drei Spieler unter den Überlebenden

Der Flughafen José María Cordóva de Rionegro teilte via Twitter mit, dass Überlebende gibt. Ein Rettungs-Hubschrauber der Luftwaffe musste seinen Einsatz wegen Nebels zwar abbrechen. Rettungskräfte erreichten die schwer zugängliche Unglücksstelle am Berg El Gordo über den Landweg. Die Überlebende wurden geborgen, zwei wurden in das Hospital der Ortschaft La Ceja gebracht. Darunter ist der 27-jährige Chapecoens-Verteidiger Alan Ruschel und eine Stewardess.

In der Ortschaft La Unión, 25 Kilometer vom Unglücksort entfernt, würden außerdem zwei Torhüter des brasilianischen Erstligisten behandelt, berichtete das Nachrichtenportal „Mi Oriente“.

Rettungskräfte bringen Chapecoens-Spieler Ruschel auf einer Trage ins Krankenhaus. Quelle: dpa

Bei der verunglückten Maschine handele es sich um eine Avro RJ der bolivianischen Fluggesellschaft Lamia. An Bord befanden sich nach Angaben des Flughafens von Medellín insgesamt 81 Menschen: 72 Passagiere sowie neun Besatzungsmitglieder.

Piloten meldeten Elektronikprobleme

Die Unglücksursache ist noch unklar. Die Flughafenbehörde von Medellín teilten unter Berufung auf den Kontrollturm über Twitter mit, dass die Piloten vor dem Unglück Probleme mit der Elektronik der Maschine gemeldet haben. Medien vor Ort berichteten zunächst, dass der Maschine der Sprit ausgegangen sein soll.

„Wir wissen noch nicht, ob dem Flugzeug das Benzin ausgegangen ist, es einen technischen Defekt gab oder ob das schlechte Wetter die Ursache war“, sagte Elkin Ospina, Bürgermeister von La Ceja, der französischen Nachrichtenagentur AFP.

Die Google-Maps-Luftaufnahme zeigt die Region um die Stadt La Unión (Kolumbien), in deren Nähe die Avro RJ vom Radar verschwand und verunglückte. Quelle: Google

Chapecoense ist ein Verein aus Chapecó im südbrasilianischem Bundesstaat Santa Catarina, der erst 2014 in die Erste Liga Brasiliens aufgestiegen ist. Das Fußballteam war über Santa Cruz de la Sierra in Bolivien nach Kolumbien geflogen. Am Sonntag hatte Chapecoense am vorletzten Spieltag der brasilianischen Serie A bei SE Palmeiras mit 0:1 verloren und den Klub, bei dem Ex-Bayern-Star Ze Roberto kickt, zum Meister gemacht.

Erinnerungen an Absturz von ManUnited-Mannschaft

Der Absturz der brasilianischen Profifußballer erinnert an weitere Flugzeugabstürzen mit Sportmannschaften. Am bekanntesten ist die Tragödie um die Kicker von Manchester United im Jahr 1958. Auf der Rückreise vom Landesmeister-Halbfinale gegen Roter Stern Belgrad verunglückte die Maschine im Februar beim Startversuch auf dem Flughafen in München. 23 der 43 Insassen starben, unter ihnen acht Spieler. Ebenfalls an Bord war Bobby Charlton: Der spätere Kapitän der englischen Weltmeister-Auswahl von 1966 war zum Zeitpunkt des Unglücks 20 Jahre alt.

Keine Überlebende gab es beim Absturz einer Chartermaschine in den chilenischen Anden im April 1961. 34 Insassen starben, darunter acht Spieler und Trainer der chilenischen Erstliga-Mannschaft Green Cross.

Auch der wiedergewählte Bayern-Präsident Uli Hoeneß war in einen Flugzeugabsturz verwickelt. Im Februar 1982 verunglückte eine aus München kommende Propellermaschine mit dem damaligen Bayern-Manager an Bord vor der geplanten Landung in Hannover. Der damals 30-jährige Hoeneß war der einzige der vier Insassen, der das Unglück überlebte. Er war auf dem Weg zum Länderspiel zwischen Deutschland und Portugal.

Im September 2011 verunglückte ein Charterflug mit nahezu der gesamten Mannschaft des russischen Eishockeyklubs Lokomotive Jaroslawl. Darunter befand sich auch der deutsche Nationalspieler Robert Dietrich.

Der Fußballclub Chapecoense

  • Das auf dem Weg zum Finale der Copa Sudamericana verunglückte Fußballteam AF Chapecoense stand im Schatten der großen brasilianischen Teams wie Flamengo aus Rio de Janeiro, war zuletzt aber sehr erfolgreich.
  • Der 1973 gegründete Verein stammt aus Chapecó im Westen des südbrasilianischen Bundesstaats Santa Catarina, der stark von Einwanderern aus Deutschland und Italien geprägt ist.
  • 2009 spielte der Verein noch in der vierten Liga und hat seither einen rasanten Aufstieg hingelegt, 2014 gelang der Aufstieg in die erste Liga, Serie A.
  • Der Einzug in das Finale der Copa Sudamericana gegen Atlético Nacional aus Medellin war der bisher größte Erfolg - bisher sind dies fünf Titel im regionalen Wettbewerb Campeonato Catarinense.
  • Die Copa Sudamericana ist vergleichbar mit der Europa League. Im Halbfinale wurde San Lorenzo aus Argentinien ausgeschaltet, der Lieblingsclub von Papst Franziskus.
  • Einer der bekanntesten Spieler in der Geschichte von AF Chapecoense ist der Deutsch-Brasilianer Paulo Rink, der später in der Bundesliga von 1997 bis 2002 auch für Bayer Leverkusen spielte und auch in der deutschen Nationalmannschaft zu einigen Einsätzen kam.

Von RND/dpa/afp/sid/zys

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