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Medien ZDF dreht die Serie „Der Schwarm“ nach Frank Schätzing in englischer Sprache
Nachrichten Medien ZDF dreht die Serie „Der Schwarm“ nach Frank Schätzing in englischer Sprache
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15:27 23.10.2018
„Es ist leider noch schlimmer geworden“: Frank Schätzing schrieb bereits 2004 in „Der Schwarm“ über Klimakatastrophen wie Tsunamis, hier 2011 in Japan. Quelle: dpa

Sie bereiten gemeinsam mit dem ZDF eine Verfilmung Ihres Romans „Der Schwarm“ als Serie vor. Wollen Sie an den Erfolg von „Babylon Berlin“ anknüpfen?

Auf jeden Fall. Das ist die Antwort des ZDF auf „Babylon Berlin“. Der Sender reagiert auf die Veränderung des Fernsehmarktes und macht Netflix direkt Konkurrenz, indem er selbst eine hochwertige Serie produziert. Ich finde das sehr mutig. Wir drehen unmittelbar auf Englisch und haben auch einen internationalen Cast. Neben Deutschen werden voraussichtlich auch Norweger, Schweden, Italiener und Engländer mitspielen. Es ist also in dem Sinne keine deutsche Produktion, wir haben gleich den Weltmarkt im Blick. „Der Schwarm“ soll das Prestigeauftaktprojekt für diese ZDF-Offensive werden. Und ich bin sicher: Das wird krachend gut. Das künstlerische Level von „Babylon Berlin“ ist hoch. Und das werden wir mindestens erreichen.

1000 Seiten in ein Filmprojekt zu pressen ist keine leichte Aufgabe ...

Zum Glück habe ich Frank Doelger als Creative Mastermind an meiner Seite. Der hat als Produzent von „Game of Thrones“ schon die Romane von Georg R. R. Martin umgestrickt. Wir stellen derzeit fest: Die 1000 Seiten reichen nicht. Wir müssen einzelne Szenen noch ausdehnen, zum Beispiel Gesprächssituationen oder intime Geschichten. Ich nenne das immer Kammerspielchen. Wir werden den historischen Background einiger Charaktere noch ausbauen, sodass man ihre Motivation versteht.

Sie haben bei der Produktion ein Vetorecht. Was machen Sie beim Drehbuch sonst noch anders als im Roman?

Gar nicht so viel. In der Vergangenheit war das Ärgernis oft, dass die Autoren der Drehbücher der Meinung waren, sie müssten die Geschichte komplett anders erzählen. Ich habe schon genug Zeit meines Lebens damit verbracht, Unsinn zu redigieren. Ich hab da keine Lust mehr drauf. Frank hingegen hat viel Respekt vor der Vorlage. Wir segmentieren den Roman in Teile und entwickeln einen dramaturgischen Spannungsbogen. Jede Folge passt auf zwei Seiten Papier. Die bekommen die Drehbuchautoren und arbeiten die Episoden aus, wir schauen uns das an und justieren nach.

Sind Sie ein Fan von „Game of Thrones“?

Ich finde die Serie überraschend gut. Ich bin erst spät eingestiegen, obwohl ich ein Fan von Science-Fiction und Fantasy bin. Als ich am Anfang manchmal zugeschaltet habe, sah ich immer nur Männer im Wald stehen. Durch die tolle Allianz mit Frank aber war ich natürlich in der Pflicht, das nachzuholen. Nach zwei Folgen war ich dann im Sog.

Was hat Ihre Serie mit dem Fantasy-Epos gemeinsam?

Bei „Game of Thrones“ ist der Actionanteil gar nicht so groß, wie man meinen könnte. Es wird unglaublich viel geredet, und diese Dialoge sind sehr erquicklich. Tyrion Lennister könnte ich stundenlang zuhören. Man wird so noch vertrauter mit den Figuren. Und wenn man zwei Folgen Kammerspiel macht, kann man es in der dritten Folge richtig krachen lassen. So machen wir es auch: Wir haushalten mit unseren Special Effects, aber wenn sie dann kommen, dann auch richtig.

„Der Schwarm“ sollte schon wiederholt in Hollywood verfilmt werden. Weshalb ist nichts daraus geworden?

Wir hatten eine absolute Pechsträhne: Der Koproduzent Dino De Laurentiis starb leider. Dann gab es einen Drehbuchautorenstreik, in dessen Folge das bereits existierende Drehbuch ein Jahr lang in einer Schublade weggesperrt wurde. Schließlich hatten wir einen großen Financier – Lehman Brothers. Ein Filmfonds wollte stattdessen das Budget aufbringen, doch die Mitglieder wurden wegen Steuerhinterziehung verhaftet.

Der Roman handelt von Tsunamis und Klimakatastrophen. Was hat sich in dieser Hinsicht seit dem Erscheinen des Buches im Jahr 2004 verändert?

Ich fühle mich als Autor unangenehm bestätigt. Es wäre ja schön gewesen, wenn das Buch in der Zwischenzeit obsolet geworden wäre. Es ist aber leider eher noch schlimmer geworden, der Plastikmüll in den Meeren war damals noch kein Thema. Dazu kommt der Neokonservatismus, das Erstarken der rechten Ränder auf der ganzen Welt, und die damit einhergehende Abkehr von Klimaschutzbemühungen.

Würden Sie sich in dieser Hinsicht von deutschen Politikern mehr erhoffen?

Auf jeden Fall. Wir haben vollmundige Lippenbekenntnisse gehört, aus denen wenig gefolgt ist. Wir sind aus der Atomenergie ausgestiegen, aber die Energiewende lässt weiter auf sich warten. Das liegt auch daran, dass wir in Deutschland neue Innovationen aus Start-ups zu wenig fördern. Wir haben Angst vor Innovationen. In dieser Hinsicht sind wir im Hintertreffen – zum Beispiel im Vergleich zum Silicon Valley.

Arbeitet selbst mit an den Drehbüchern zur Serie Frank Schätzing. Quelle: dpa

Zur Person und Zur Serie

Ob künstliche Intelligenz („Die Tyrannei des Schmetterlings“, 2018), Israels Siedlungsgeschichte („Breaking News“, 2014) oder Energiegewinnung auf dem Mond („Limit“, 2009): Der Autor mit dem sympathischen kölschen Dialekt setzt sich auf vielfältige Weise mit Zukunftsthemen auseinander. Sein Science-Fiction-Thriller „Der Schwarm“ (2004) wurde in 27 Sprachen übersetzt und allein in Deutschland fünf Millionen Mal verkauft. Die Arbeit an den Drehbüchern für die Verfilmung als Serie hat gerade begonnen. Mitte des Jahres 2019 soll mit dem Dreh begonnen werden. Jede Folge soll 45 Minuten dauern. Das Budget ist mit 4 Millionen Euro pro Folge doppelt so hoch wie bei „Babylon Berlin“. Im nächsten Jahr will sich der 61-Jährige auf seine Band und die Musik konzentrieren und eine Schreibpause einlegen.

Von Nina May/RND

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