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Medien WDR-Journalistin droht Anklage in der Türkei
Nachrichten Medien WDR-Journalistin droht Anklage in der Türkei
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19:46 27.11.2016
Die in der Türkei festgenommene Journalistin Hatice Kamer ist wieder frei. Quelle: dpa
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Istanbul

Die in der Türkei festgenommene WDR-Reporterin Hatice Kamer ist wieder frei. Das berichtete der WDR am Sonntag unter Berufung auf den Anwalt und die Familie der Journalistin. Man werfe ihr in einer Anklage vor, durch ihre Berichterstattung die Terrororganisation PKK unterstützt zu haben, berichtete Kamer nach ihrer Freilassung in einem Telefonat dem WDR. Für den Vorwurf der Terrorhilfe gebe es keinerlei Belege, habe die 39-jährige Journalistin erklärt.

Der Deutsche Journalistenverband (DJV) hatte die Festnahme der BBC- und WDR-Reporterin verurteilt. Kamer zähle zu den ganz wenigen Kollegen, „von denen wir noch unabhängige Nachrichten aus dem Land bekommen haben“, erklärte der DJV-Vorsitzende Frank Überall am Sonntag.

„Ich hoffe, dass es der Kollegin physisch wie psychisch den Umständen entsprechend gut geht“, sagte Überall. „Nun hoffe ich aber auch, dass sie im WDR ihre Beiträge für ‚Türkei unzensiert’ wieder ungehindert liefern kann.“ Kamer berichtet für den britischen Sender BBC, den Westdeutschen Rundfunk (WDR) und Voice of America.

Journalistenverband fordert Bundesregierung zu Einsatz auf

Nach Angaben von BBC und WDR nahm die türkische Polizei die Korrespondentin in der südosttürkischen Provinz Siirt fest, wo sie über ein Grubenunglück berichtete. Bei dieser Recherche sei Kamer nicht im Auftrag des WDR unterwegs gewesen. Ein Grund für das Vorgehen gegen Kamer, die für den türkischen Dienst der BBC arbeitet und Vorsitzende eines örtlichen Journalistenverbands ist, sei nicht angegeben worden. Der DJV hatte die Bundesregierung aufgefordert, sich dafür einzusetzen, dass Kamer umgehend freigelassen werde.

Über 150 Zeitungen, Radio- und Fernsehsender geschlossen

Seit dem versuchten Militärputsch im Juli gehen die türkischen Behörden mit aller Härte gegen ihre mutmaßlichen Gegner vor. Das betrifft nicht nur mutmaßliche Anhänger des im Exil lebenden islamischen Predigers Fethullah Gülen, den die Regierung in Ankara für den Putschversuch verantwortlich macht, sondern auch mutmaßliche Anhänger der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK).

Zehntausende Menschen insbesondere aus dem Bildungswesen, den Medien, den Streitkräften und der Justiz wurden festgenommen, Zehntausende weitere aus dem Staatsdienst entlassen oder suspendiert. Nach Angaben von Journalistenvereinigungen schloss die türkische Regierung in den vergangenen Monaten bereits mehr als 150 Zeitungen, Radio- und Fernsehsender.

Von RND/dpa/afp

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