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Medien „Twin Peaks“: Wenn das FBI die Rettung ist
Nachrichten Medien „Twin Peaks“: Wenn das FBI die Rettung ist
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19:58 04.09.2017
Ein FBI-Agent im Kampf gegen das Böse? Agent Cooper (Kyle MacLachlan).   Quelle: AP
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Hannover

 Das traut sich nur David Lynch. Der US-Regisseur hat im zweistündige Finale seiner Serienfortsetzung „Twin Peaks – The Return“ kaum eine der offenen Fragen rund um das Schicksal des Special Agent Dale Cooper (Kyle MacLachlan) und der toten Laura Palmer (Sheryl Lee) beantwortet - ganz im Gegenteil: Er hat neue, verwirrende Rätsel konstruiert. Zurück bleibt eine teils begeisterte, teils frustrierte Fangemeinde. „Ich fühle mich, als hätte mich ein Lkw überfahren“ schrieb jemand am Montag auf Twitter.

Die dritte Staffel „Twin Peaks“ zerschlägt herkömmliches Serienerzählen noch sehr viel drastischer als ihre Vorgängerinnen aus den Neunzigerjahren. Handlungsstränge verlaufen im Nichts, Namen werden erwähnt, die danach nie wieder eine Rolle spielen, Haupt- und Nebenfiguren sterben gewaltsam oder tauchen einfach nicht mehr auf, dann wieder wird minutenlang einfach der Kneipenboden gefegt. Es wimmelt von Doppelgängern und Tulpas – durch Gedankenkraft geschaffene, künstliche Wesen und Traumgestalten. Doch neben manierierten, überdrehten oder wie absurdes Theater wirkenden Szenen, gibt es überraschend viele durchaus realistische Verweise auf den Zustand der us-amerikanischen Gesellschaft und Politik.

Schon Kinder hantieren mit Waffen

In einer Szene fallen beispielsweise Schüsse in der Nähe des Double R Diners in Twin Peaks. Alle Gäste werfen sich in Panik auf den Boden. Nur Deputy Bobby Briggs eilt auf die Straße, um nach dem Verursacher zu suchen. Wie sich herausstellt, hat ein höchstens zehnjähriger Junge in Camouflagehose mit der Waffe seines Vaters (ebenfalls in Camouflagehose) im Auto herumgespielt. Die Mutter zetert, doch Vater und Sohn lassen keinerlei Erschütterung erkennen. Die Waffenbesessenheit der US-Amerikaner spielt auch in anderen Szenen eine Rolle.

Immer wieder blicken Lynch und sein Produzent Mark Frost, der auf Twitter regelmäßig die derzeitige US-Regierung kritisiert, auf die so genannten „Trailerpark-People“, also die Amerikaner, die dauerhaft auf Campingplätzen leben. Dass manche von ihnen Blut spenden, um die eigenen Arztrechnungen zu bezahlen, ist dabei genauso ein Thema wie die gegenseitige Hilfe, aber auch die Gewalt, die in den beengten ärmlichen Quartieren vor allem Frauen widerfährt.

Wutbürger wettern gegen die Machthaber

Dann gibt es Figuren wie die des Dr. Jacoby, der in den früheren Staffeln als Psychiater arbeitete, nun aber als eine Art Wutbürger Reden gegen Politiker führt und zurückgezogen im Wald goldenen Schaufeln vertreibt, mit denen sich jedermann aus dem eigenen Dreck schaufeln kann. Offen bleibt, ob Dr. Jacoby wohl Bernie Sanders oder Donald Trump gewählt hätte.

Lynch hat lange bevor die Wahl Trumps feststand, begonnen, für „Twin Peaks – The Return“ zu casten und Ideen niederzuschreiben. Auch würde man ihn normalerweise nicht als politischen Regisseur einordnen. Dennoch widmet er eine der aktuellen Folgen dem „Trinity-Test“, der ersten Zündung einer Atombombe im Jahr 1945, als Wurzel allen späteren Übels. Unterlegt wird das Ganze mit Pendereckis „Bomben auf Hiroshima“. Ob beabsichtigt oder nicht – aber all dies wirkt wie ein aktueller Kommentar zum unsäglichen Kräftemessen zwischen Nord-Korea und den USA.

Was kann das FBI noch ausrichten?

Nicht zuletzt spielt auch das FBI als Kraft, das Böse zu bekämpfen, wieder eine Rolle in „Twin Peaks“. Der optimistisch-kämpferische Ausruf des ursprünglich grundguten Agenten Cooper „Ich bin das FBI!“ ist jetzt schon einer der meist zitierten Sätze der Serie. Hat sich nicht jüngst der im realen Leben von Trump gefeuerte FBI-Chef James Comey als eine Art gutes Gewissen der USA inszeniert?

Das FBI als letzte Rettung? Im düsteren Finale verkommt der Satz „Ich bin das FBI!“ zur wenig hilfreichen Floskel. Und Agent Cooper fragt verzweifelt: „Welches Jahr haben wir?“ Und mancher Zuschauer wünscht sich aufgrund der aktuellen Weltlage vielleicht auch gerade in ein anderes Jahr.

Twin Peaks, das zweistündige Finale, ab Donnerstag auch auf Deutsch, auf SKY

Von Christiane Eickmann / RND

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