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Medien „Tagesschau“ berichtet doch über Freiburg-Mord
Nachrichten Medien „Tagesschau“ berichtet doch über Freiburg-Mord
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18:51 05.12.2016
Blick ins Studio der „Tagesschau“: Am Montag will die Redaktion den Sexualmord in Freiburg doch aufgreifen.  Quelle: dpa
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Hamburg

Angesichts der andauernden Diskussion habe sich die Redaktion entschlossen, das Thema in den „Tagesthemen“ am Montagabend aufzugreifen, sagte ARD-Aktuell-Chefredakteur Kai Gniffke auf der Facebookseite der „Tagesschau“. „Weil aus dem Thema, aus dem Einzelfall, eine so große Relevanz entstanden ist, eine so große Zahl von Menschen sich geäußert haben, auch in der Politik, auch über den Umgang von Flüchtlingen – das hat jetzt eine Schwelle überschritten, so dass wir eine gesellschaftliche Diskussion haben.“

Am Samstag hatte die „Tagesschau“ in ihrer Sendung um 20 Uhr darauf verzichtet, über die Festnahme eines tatverdächtigen im Fall der getöteten Studentin aus Freiburg zu berichten. Die Redaktion wurde dafür scharf kritisiert und reagierte noch am Samstagabend darauf. Der Fall habe eher „regionale Bedeutung“, zudem gelte bei dem noch minderjährigen Verdächtigen „der besondere Schutz von Jugendlichen“, schrieb die in Hamburg ansässige Redaktion von ARD-Aktuell am späten Samstagabend in einem Facebook-Kommentar.

Gniffke rechtfertigt Verzicht auf Freiburg-Meldung

Die Kritik riss aber nicht ab. Deshalb stellte sich Chefredakteur Gniffke am Montag auf Facebook den Fragen von Zuschauern. Die „Tagesschau“ berichte nur „sehr selten über einzelne Kriminalfälle“ und stattdessen über „gesellschaftlich, national und international relevante Ereignisse“. Der Freiburger Fall hebe sich von anderen Mordfällen nach diesen Kriterien nicht ab. Deshalb habe man bei der Verhaftung des Tatverdächtigen den Maßstab beibehalten.

Gniffke versicherte, dass die Entscheidung nicht anders ausgefallen wäre, wenn ein deutscher Jugendlicher ein Flüchtlingsmädchen getötet hätte. „Es wäre genauso ein abscheuliches Verbrechen gewesen, das uns auch sehr bewegt hätte, aber wir hätten es nicht in der ’Tagesschau’ gehabt, weil einem solchem Einzelfall die gesellschaftliche Relevanz abgeht“, sagte der Journalist. Im Freiburger Fall habe die „Tagesschau“ vor sechs Wochen nicht über das Verbrechen berichtet – und deshalb auch nicht über die Festnahme am Freitag. „Sonst hätten wir wirklich mit zweierlei Maß gemessen.“

Jetzt berichtet die „Tagesschau“ doch über den Fall

Am Montagabend werde die Redaktion das Thema aber dann doch aufgreifen – in den „Tagesthemen“: „Wir werden heute über den Fall berichten, das wird Sie möglicherweise überraschen und möglicherweise werden Sie denken, das ist jetzt aber inkonsequent oder ein Schuldiengeständnis“, sagte Gniffke. „Ich hoffe, dass das nicht so bei Ihnen ankommt.“ Mittlerweile sei aus diesem Einzelfall eine gesellschaftliche Diskussion über den Umgang mit Flüchtlingen geworden. „Diese Diskussion wollen wir abbilden. Das ist aber etwas anderes als die Berichterstattung über einen einzelnen Kriminalfall.“

Der 17 Jahre alte Verdächtige war am Freitag festgenommen worden. Es handelt sich um einen unbegleiteten Flüchtling, der 2015 aus Afghanistan eingereist war und bei einer Familie in Freiburg lebte. Die 19 Jahre alte Studentin war Mitte Oktober vergewaltigt worden, ihre Leiche wurde im Fluss Dreisam gefunden. Sie ertrank. Die Medizinstudentin war mit ihrem Fahrrad auf dem Heimweg von einer Uni-Party gewesen, als sie Opfer des Verbrechens wurde.

Von dpa/RND/wer

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