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Medien „Der Mordanschlag“ – Gutes wollen und sterben
Nachrichten Medien „Der Mordanschlag“ – Gutes wollen und sterben
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10:44 04.11.2018
Krawatte runter: Dahlmann (Ulrich Tukur, M.) versucht, wütende Chemiewerk-Arbeiter zu beruhigen. Quelle: Foto: ZDF
Mainz

Der erste Schuss durchtrennt Detlev Karsten Rohwedders Wirbelsäule. Der zweite trifft den Arm seiner Frau, die schreiend ins Zimmer stürzt. Der dritte durchschlägt die „Erinnerungen“ von Alexis de Tocqueville im Bücherregal.

Der Mord an Treuhandchef Rohwedder ist bis heute nicht geklärt

Es ist der 1. April 1991, der Treuhandchef ist tot. Und obwohl vieles auf die RAF hindeutet, ist der Mord wie alle Morde der letzten RAF-Generation bis heute nicht geklärt. Er zählt zu den Mysterien der jüngeren deutschen Vergangenheit. Regisseur Miguel Alexandre hat daraus einen Film gemacht: „Der Mordanschlag“. Am 5. und 7. November läuft er im ZDF.

Rohwedder heißt in dem Zweiteiler Hans-Georg Dahlmann. Ulrich Tukur spielt ihn mit kühlem Kopf und einigem Herz. Dieser Dahlmann ist keiner, der sich in der Limousine an wütenden Arbeitern vorbeifahren lässt. Er legt die Krawatte ab, steigt aus und greift zum Megafon. Man hat ihn nach dem Fall der Mauer in den Osten geschickt, um das Erbe der DDR zu verkaufen, und er ist entschlossen, das ziemlich aufrecht durchzustehen. Er ist der Konkursverwalter eines ganzen Staates. Einer, der zwischen allen Stühlen sitzt.

Seine neue Referentin Sandra Wellmann (Petra Schmidt-Schaller) stellt er beim Rauchen auf der Toilette ein. Eine junge Frau, lange Haare, Businessanzug und schnell im Kopf. Aber auch eine junge Frau mit einer Vergangenheit, die in den Terror reicht. Die RAF hat sie an Dahlmanns Seite platziert, er soll ihr nächstes Opfer werden. Und die bis ans Herz kalte Chefin des Kommandos wird von Otto Schilys Tochter Jenny gespielt, ausgerechnet.

Fiktive Handlung, die sich an historischen Ereignissen orientiert

„Dieser Film orientiert sich an historischen Ereignissen, die Handlung ist fiktiv“, wird dem Zweiteiler vorangestellt. Das ist die Basis, auf der Alexandre und der Autor André Georgi ihre Geschichte entwickeln. Und dann führen sie uns zurück in die frühen Neunzigerjahre, als die Autos noch kantiger waren und die Nationalspieler Andreas Brehme und Lothar Matthäus hießen.

Sie zeichnen nach, wie die 3. Generation der RAF den Treuhandchef ins Visier nimmt. Wie er ganz oben auf ihrer Todesliste steht. Wie die Schrebergärten bei Dahlmanns Haus ein günstiger Ort zu sein scheinen für einen tödlichen Schuss. Sie lassen die Zuschauer Zeuge werden, wie zwei Personen mit Sturmhauben und einem Präzisionsgewehr sich bereit machen in der Dunkelheit.

Es sieht alles danach aus, als beobachte man den später in Bad Kleinen erschossenen Wolfgang Grams bei der Tat. Aber dann, als die Kugeln die Scheibe des Sprossenfensters durchschlagen, verweigern sie die Auskunft und lassen die Täterschaft offen. Aber sie legen Wege an, die zur Stasi, zur RAF und zu den düsteren Seilschaften in der Wirtschaft führen.

Regisseur Miguel Alexandre geht es um die „poetische Wahrheit“

Es sei kein RAF-Film, sagt Alexandre. Es gehe ihm um das, was er die „poetische Wahrheit“ nennt: „Man muss manchmal eine Lüge erzählen, um der Wahrheit auf den Grund zu kommen.“ Dahlmanns Referentin etwa sei aus den Terror-Biografien von Ulrike Meinhof und Susanne Albrecht zusammengesetzt und die Geschichte vielmehr von zeitloser Natur. Sie handele davon, wie Menschen sich einer Ideologie unterwerfen und dabei ihre Menschlichkeit verraten.

Erzählt wird das alles mit den legalen und manchmal illegalen Mitteln des Spielfilms. Er geht behände über manche Konstruktion hinweg, bürdet dem BKA-Ermittler (Maximilian Brückner) noch eine laufende Scheidung auf und hat keine Angst vor Pathos in den Sätzen. Aber er verzichtet darauf, nur schwarz oder weiß zu zeichnen.

Dahlmann wie seine Referentin sind ambivalente Figuren. Er sei fest überzeugt, dass Rohwedder „Gutes wollte“, sagt Alexandre. So hat er die Figur im Film auch angelegt. „Sie ziehen sich ein Leben an, und dann müssen Sie auslöffeln, was es so bringt“, erklärt der Treuhandchef seiner Referentin kurz die Freuden der Pflicht, bevor er sich wieder an die Arbeit macht. Und Sandra Wellmann geht langsam unter zwischen ihrer wenig überzeugenden Radikalität und der Sehnsucht nach einem Leben mit ihrem Sohn.

Die Rohwedder-Witwe bemam das Drehbuch zu lesen

Sie hätten das Drehbuch der Witwe Rohwedders zu lesen gegeben, sagt Alexandre, der neben mehreren „Tatort“-Krimis Filme wie „Die Frau vom Checkpoint Charlie“ und „Der Mann mit dem Fagott“ gedreht hat. Sie hätten auch den Kontakt zu Susanne Albrecht gesucht, aber die schotte sich völlig ab. Er habe die Figuren „ohne Interpretation und Wertung meinerseits“ hinstellen und sie „in ihren ganzen Widersprüchen“ schildern wollen.

Das, sagt er, mache ja „die Natur des Menschen“ aus. Und einen Film über die immer noch gesuchten RAF-Terroristen Burkhard Garweg, Daniela Klette und Ernst-Volker Staub, den könne er sich gut vorstellen: „Was ist das für ein Leben, seit Jahrzehnten auf der Flucht? Ich stelle es mir sehr, sehr einsam und traurig vor.“

Von Peter Intelmann / RND

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