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Nachrichten Medien Seine letzte TV-Rolle: Götz George als mürrischer Patriarch
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00:16 06.10.2016
Im Drama „Böse Wetter – Das Geheimnis der Vergangenheit“ ist Götz George in seiner letzten TV-Rolle zu sehen. Quelle: Daniela Incoronato/ARD Degeto
Buchenrode

Auf den ersten Blick gehorcht die Handlung dieses Harzfilms einem beliebten Muster: Ein Mann kehrt in seine Heimat zurück, die er vor vielen Jahren im Zorn verlassen hat, wirbelt eine Menge Staub auf und erinnert die Einheimischen an Geschichten, die sie am liebsten längst vergessen hätten.

Dass die Hauptfigur, Leonard Gehra (Matthias Koeberlin), ein Geophysiker ist, dessen Beruf darin besteht, tatsächlich im Dreck zu wühlen, ist nicht nur eine schöne Analogie, sondern auch der Grund für die Heimkehr: Leonard hat mit seiner Firma einen Roboter entwickelt, der in Stollen und Minen auch jene Ecken erreicht, in die sich kein Mensch mehr traut. Nun soll er in seiner alten Heimat herausfinden, ob es sich lohnt, im örtlichen Bergwerk nach Silber zu suchen.

Tod im Bergwerk

Auftraggeberin ist eine Geologin, die sich als seine Sandkastenliebe Kathrin (Catherine Bode) entpuppt. Der Physiker muss sich allerdings erst von seiner Frau (Liane Forestieri) zur Rückkehr überreden lassen, und prompt übermannen ihn schon während der Zugfahrt düstere Erinnerungen: Der Vater ist einst in dem Bergwerk ums Leben gekommen, seine Mutter hat ihn anschließend in ein Internat abgeschoben.

Bis zu diesem Punkt ist „Böse Wetter“ ein ganz normales Drama. Aber es hat natürlich seinen Grund, warum das Drehbuch die Handlung im ostdeutschen Teil des Harzes ansiedelt: Mithilfe seines Roboters entdeckt Leonard, dass der Stollen, in dem sein Vater angeblich verschüttet wurde, intakt ist.

Flucht in den Westen misslang

In Wirklichkeit haben sich die damaligen Ereignisse ganz anders zugetragen: Seine Eltern wollten gemeinsam mit ihrem Sohn durch das Stollensystem in den Westen flüchten, aber sie sind verraten worden. In den Stasi-Unterlagen findet Leonard den Decknamen des Verräters, „IM Brocken“; und er ist überzeugt, dass sich dahinter Bergwerksbesitzer Türnitz verbirgt, der angeblich der Geliebte seiner Mutter war und womöglich sogar sein leiblicher Vater ist.

Selbst wenn es keine anderen Gründe gäbe, die „Böse Wetter“ zu einem besonderen Film machten, die Besetzung des vermeintlichen Verräters wäre einer: Es war die Abschiedsrolle des verstorbenen Götz George, und seine gewohnt vitale Vorstellung ist keineswegs nur aus diesem Grund eindrucksvoll. Er verkörpert den Mann mit einer patriarchalischen Strenge, die Türnitz nicht unbedingt sympathisch erscheinen lässt.

Eindrucksvolles Familiendrama

Der Verratsverdacht trägt naturgemäß wenig dazu bei, diesen Eindruck zu ändern, und selbstredend bezieht der Film einen Gutteil seiner Spannung aus der Frage, ob Türnitz tatsächlich der Schurke der Geschichte ist. Das Drehbuch treibt die Konfrontation zwischen den beiden Antagonisten auf die Spitze, als sie gegen Ende gemeinsam im Bergwerk nach Türnitz’ kleinem Sohn suchen und nach einem Einsturz in Lebensgefahr schweben. Wie der Bergwerksbesitzer wirklich in die Sache verwickelt war, ist ein echter Knüller.

Johannes Grieser, der schon mit „Für immer ein Mörder – Der Fall Ritter“ (2014) einen lange im Zuschauer nachhallenden Film mit DDR-Bezug gedreht hat, inszeniert „Böse Wetter“ als eindrucksvolles Familiendrama mit Krimi- und Thriller-Elementen. Die Szenen unter Tage sind quasi automatisch interessant; ein Rumpeln genügt, um die Spannung umgehend in die Höhe zu treiben, weshalb die gelegentlichen Zeitlupeneffekte fast zu viel des Guten sind.

Wenn der kleine Leonard und seine junge Mutter in den Albträumen des Geophysikers scheinbar von Wölfen gehetzt durch den Wald fliehen, wird das Werk dank des Zusammenspiels aus Schnitt, Musik und Bildgestaltung kurzzeitig gar zum Horrorfilm.

„Böse Wetter“, ARD, 20.15 Uhr

Von Tilmann P. Gangloff

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