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Medien „Roseanne“ kehrt im Rentenalter zurück
Nachrichten Medien „Roseanne“ kehrt im Rentenalter zurück
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06:00 02.05.2017
Gute Zeiten, schlechte Zeiten: Die Conners (Roseanne Barr, John Goodman) waren das Traumpaar der Arbeiterklasse. Gute Leute, immer mal wieder in der Existenz bedroht. Quelle: imago/United Archives
Los Angeles

Nach dem Ende der Serie „Roseanne“ lief alles nicht mehr so richtig geküsst für die Schauspielerin Roseanne Barr. Mehrere Fernsehshows floppten, gleich zwei wurden wegen Krankheit abgesetzt und nach ihrer Gesundung nicht mehr aufgenommen. Die Kinokarriere hatte parallel zu „Roseanne“ nur einen Höhepunkt, den blutigen Zickenkrieg „Die Teufelin“ (1989), wo Barr als Gegenspielerin von Meryl Streep alle Register der Rache zog. Und aus der Kandidatur für die Präsidentschaftswahl 2012 mit der Green Tea Party 2012 wurde nichts – die amerikanischen Grünen waren nicht interessiert genug an Barr. Jetzt also die Rückkehr zum Bewährten, zu den „glory days“ ihrer Karriere: „Roseanne 2.0“ soll werden, eine Neuauflage des Sitcom-Triumphs - 20 Jahre nach der letzten Staffel.

Acht neue Folgen mit Oma Roseanne sollen laut „Hollywood Reporter“ entstehen. Nicht nur die 64jährige Barr ist an Bord, dem Branchenblatt zufolge kehrt auch John Goodman wieder in die Delaware Street 714 zurück, der Barr in den neun Jahren von „Roseanne“ als Ehemann Dan Conner treu zur Seite stand (oder auch mal eine Affäre hatte). Und das, obwohl Goodman auch im Kino noch zieht. Der Star aus „Familie Feuerstein“ (1994) und „The Big Lebowski“ (1998) ist derzeit in einer der Hauptrollen der King-Kong-Adaption „Skull Island“ zu sehen.

Vom Start weg ein Hit

Roseanne“ war vom Start 1988 weg ein Hit, weil es all den breit grinsenden, verlogenen Familienkomödien des amerikanischen Fernsehens den Mittelfinger zeigte. Die Conners waren Arbeiterklasse, Vater, Mutter, drei Kinder (Becky Darlene und David Jacob alias D. J.), hart gegen den monetären Untergang ankämpfende übergewichtige Leutchen mit Humor. Eine Sitcom von unten, die Autorin Barr auf den Erlebnissen mit ihrer eigenen Familie gründen ließ und die in der zweiten Saison schon die erfolgreichste TV-Komödie Amerikas war. Die Serie hatte Herz und Schnauze, fühlte sich echt an. Nur den begehrten Fernsehpreis Emmy für die „Beste Comedy“ bekam „Roseanne“ nie.

Die Idee einer Fortsetzung macht Sinn, das Konzept Serienrückkehr feiert zurzeit große Erfolge. Zuletzt hatte das mit der zehnten Staffel des Science-Fiction-FBI von „Akte X“ geklappt (eine elfte Saison wurde in der vorvorigen Woche angekündigt), auch die Rückkehr des muckeligen Städtchens Stars Hollow/Connecticut samt seiner netten „Gilmore Girls“ war jüngst ein Erfolg. Und noch im Mai 2017 kehrt David Lynchs Mysterythriller „Twin Peaks“ mit einer dritten Staffel auf den Bildschirm zurück – die Serie, die als Großmutter allen gegenwärtigen Qualitätsfernsehens betrachtet wird.

Dan Conners Serientod ist ein Problem

Das Comeback von „Roseanne“ wird indes nicht ganz so einfach zu erklären sein. Zeitreise zurück nach 1997 zur bislang letzten Staffel von „Roseanne“: Die Conners entkamen mit dem Gewinn der Illinois State Lotterie (108 Millionen Dollar) für immer dem Sorgenplaneten Loser und zeigten dem Zuschauer 22 sich falsch bis bizarr anfühlende Episoden lang wie sich das Leben als Neureiche so aushalten lässt. Bevor dann in der letzten Episode dieser schrecklich überkandidelten, nur noch wenig komischen Saison Mama Roseanne alles vom ungläubigen Zuschauer Gesehene zur Fiktion erklärte, Inhalt eines familiären Märchenbuchs, das sie geschrieben habe, weil sie mit dem Unglück des Todes ihres Ehemanns nicht habe umgehen können. Dan hatte den Herzinfarkt, den er in der Staffel davor erlitten hatte, also doch nicht überlebt, das entgeisterte Publikum war genarrt worden. Und ohne den gemütlichen Bauchmenschen Dan konnte die Serie nicht überleben. Barrs Idee einer Spinoff-Serie wurde damals vom Sender ABC verworfen.

Können die Conners gegen die Konkurrenz bestehen?

Wie John Goodmans Figur von den Toten zurückkommen soll? Irgendwas Schräges wird den Serienmachern schon einfallen. Vermutlich war die Sache mit dem Millionärsbuch doch nur ein Traum von Roseanne gewesen - der Tod von Bobby Ewing und damit die gesamte achte Staffel der Ölbaronserie waren 1986 schließlich auch nachgerade zum Albtraummarathon von dessen Ehefrau Pamela erklärt worden waren. US-Fernsehen ist inhaltlich flexibel wie ein Marshmallow, wenn nur Quote und Gewinn in Aussicht stehen. Und der Zuschauer gewöhnt sich an alles. 2009 hatte Barr in einem Blog darüber sinniert, wo ihre Serienfamilie heute stünde. „Dan taucht lebendig auf“, hieß es da, „er hat seinen Tod nur vorgespielt“. Na also, geht doch.

Ob die Conners im Rentenalter gegen die Konkurrenz bestehen können, muss sich weisen. Leicht wird es nicht, es gibt inzwischen ganz andere, derbere Underdog-Kaliber im Fernsehen. Gegen den Clan der Gallaghers um den kaputten Säuferpatriarchen Frank (William H. Macy) aus der Serie „Shameless“ wirken die Conners inzwischen brav wie Chorknaben.

Von Matthias Halbig/RND

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