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Medien Rassismus-Vorwürfe gegen „Verstehen Sie Spaß?“
Nachrichten Medien Rassismus-Vorwürfe gegen „Verstehen Sie Spaß?“
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21:28 28.10.2016
In der Kritik: „Verstehen Sie Spaß“-Moderator Guido Cantz (li.) für seinen Auftritt als Schwarzafrikaner im Schweizer Fernsehen. Quelle: dpa/Youtube-Screenshot
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Baden-Baden

„Verstehen Sie Spaß?“-Moderator Guido Cantz muss heftige Kritik einstecken. Grund ist ein Auftritt als Dunkelhäutiger in einem Filmstreich mit der versteckten Kamera. In dem Beitrag, der in der Sendung „Verstehen Sie Spaß?“ am Samstag (29. Oktober, 20.15 Uhr, ARD) zu sehen sein wird, hatte sich Canz als Dunkelhäutiger verkleidet und so den Schweizer Fernsehmoderator Röbi Koller in dessen TV-Sendung hereinlegt.

In verschiedenen Medien und von Seiten mehrer Institutionen wird Cantz und der Redaktion von „Verstehen Sie Spaß?“ dafür Rassismus vorgeworfen.

SWR will Beitrag trotzdem ausstrahlen

Die Initiative „Schwarze Menschen in Deutschland“ nahm in einem offenen Brief Stellung. Darin heißt es: „Der Spaß hört da auf, wo Rassismus beginnt!“ Die in der Sendung gewählte Form der Darstellung führe „eine rassistische Tradition fort, die – auch in Deutschland – zu keinem Zeitpunkt hinnehmbar war oder ist.“

Ins Rollen gebracht wurde die Debatte von dem Onlineportal übermedien.de. Der Journalist Boris Rosenkranz spricht in einem Video von „weißem Humor“ und wirft dem SWR Rassismus vor. „Da sind so viele Klischees, man könnte auch sagen, das ist „Blackfacing“.

Der für die ARD-Unterhaltungsshow verantwortliche Südwestrundfunk (SWR) verteidigte den Beitrag. Der Film diene allein der Unterhaltung und wolle niemanden verletzen oder diskriminieren, betonte der SWR in einer Mitteilung und kündigte an, dass der umstrittene Beitrag ausgestrahlt werde. Unter anderem die Initiative „Schwarze Menschen in Deutschland“ hatte den Sender zuvor aufgefordert, dies zu unterlassen.

Der SWR und die „Verstehen Sie Spaß“-Redaktion sind sich der hohen Wellen, die der Beitrag im Vorfeld ausgelöst hat, aber bewusst. Der Sender kündigte an, dass Gudio Cantz sich der Kritik stellen und es in der Sendung thematisieren werde.

„Blackfacing“

  • Der Ausdruck „Blackfacing“ – abgeleitet vom englischen Blackface – wird verwendet, wenn sich Weiße ihre Gesichter schwarz anmalen. 2014 wurde das Wort zum Anglizismus des Jahres gekürt.
  • Das ursprünglich vor allem im Schauspiel gezeigte Phänomen sorgte in den vergangenen Jahren für Diskussionen und Rassismus-Vorwürfe.
  • Im Jahr 2014 gab es „Blackfacing“ etwa bei der Fußball-WM, als sich deutsche Fans beim Spiel gegen Ghana schwarz schminkten. Diskutiert wurde auch die Sternsinger-Tradition mit einem Schwarzen unter den Heiligen Drei Königen oder das Auftreten vom Zwarte Piet in den Niederlanden, einem angeblich dunklen Nikolaus-Helfer.
  • Ende 2013 gab es in Augsburg eine „Wetten, dass..?“-Saalwette, bei der sich Dutzende wie Lukas, der Lokomotivführer, und der dunkelhäutige Jim Knopf zurechtmachten - beliebte Figuren aus der Augsburger Puppenkiste. Das ZDF handelte sich Rassismus-Vorwürfe ein.
  • Der Sprachwissenschaftler Anatol Stefanowitsch erklärt: „Das Blackfacing gilt als rassistisch, weil es die Identität und die Erfahrungen schwarzer Menschen als Kostüm behandelt, das weiße Menschen beliebig an- und ausziehen können. Mit dem Blackfacing maßen sich weiße Menschen an, für schwarze Menschen sprechen und handeln zu können, und nehmen ihnen damit den Raum, dies selbst zu tun.“

Von RND/zys/dpa

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