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Medien Prototyp des Proleten
Nachrichten Medien Prototyp des Proleten
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03:00 12.05.2017
Kindergeld lockt: Benno (Christoph Maria Herbst) will verhindern, dass Hotte das Sorgerecht für seine Kinder bekommt. Er vermutet eine Abzocke. Quelle: WDR
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Hannover

Die Sympathien sind in diesem Drama klar verteilt: Christoph Maria Herbst spielt einen Bewährungshelfer namens Benno, Peter Kurth den notorischen Kriminellen Hotte, der nie im Leben einen Finger für andere rühren würde, wenn nichts dabei für ihn herausspringt. Als er bei Benno vorstellig wird, um das Sorgerecht für seine beiden herwanwachsenden Kinder zu bekommen, die er überhaupt nicht kennt, geht es ihm selbstredend allein ums Kindergeld. Benno ist daher jedes Mittel recht ist, um zu verhindern, dass der Typ womöglich eines Tages die eigene Tochter auf den Strich schickt.

Herbst als negativer Held

Seltsamerweise führt der Film aber auch Benno als negative Figur ein: Seine Freundin (Anneke Kim Sarnau) will unbedingt schwanger werden, weshalb das Paar zu Bennos Freude dreimal am Tag Sex hat; dass er gar keine Kinder zeugen kann, hat er ihr tunlichst verschwiegen. Und weil Herbst die Ereignisse zu Beginn kommentiert und dabei entsprechend hämisch klingt, wird Benno nur deshalb nicht zum Antagonisten der Geschichte, weil Buch (Xao Seffcheque, Martin Ritzenhoff) und Regie (Markus Sehr) Hotte zum Prototyp des Proleten gemacht haben: schwitzend, schmerbäuchig und gewalttätig. Als ein Hund vor seine Wohnungstür pinkelt, gibt er dem Tier einen Tritt, schnappt sich die Besitzerin und stößt sie mit der Nase in die Pisse.

Bei Benno ist das ganz anders. Er wirkt zunächst wie ein typischer Beamter, der pünktlich den Computer ausmacht, dabei hat er, wenn’s sein muss, sogar nach Feierabend Zeit für seine Klienten. Hotte dagegen hat ein für alle mal schlechte Karten, erst recht, als sich rausstellt, dass er nicht mal über ein Mindestmaß an Ganovenehre verfügt: Weil Bennos Kollege Rolf (Pasquale Aleardi) nie seine Bürotür abschließt, wenn er rauchen geht, ist Hotte stets auf dem Laufenden, welcher seiner „Kollegen“ gerade im Knast sitzt; und bei denen bricht er dann ein. Als Benno ihm eine Falle stellt, um ihn in flagranti zu erwischen, besinnt er sich zwar gerade noch eines Besseren, aber bis dahin ist auch schon eine Menge passiert; unter anderem ist sein Sohn bei der Flucht vor der Polizei unter einen Zug gekommen.

Überzeichnete Charaktere und ein Schuss Tragik

Es gibt also durchaus tragische Momente in diesem Film; die Einstufung als Komödie ist ohnehin nur angebracht, weil die Charaktere überzeichnet sind. Im Grunde ist „Die Kleinen und die Bösen“ jedoch ein Drama, das selbst für eine verkrachte Existenz wie Hotte Verständnis wecken will; der Einbrecher träumt von einem Lokal auf Mallorca, das er gemeinsam mit seiner 14jährigen Tochter Jenny (Emma Bading, vorzüglich geführt) führen will. Die Gelegenheit, das nötige Startkapital zu besorgen, liefert ein weiterer Klient Bennos: Der junge Ivic (Ivo Kortlang) weiß von einem österreichischen Autoschieber, der seine gesamten Einnahmen, immerhin 100.000 Euro, in einer Weste mit sich herumträgt. Die Weste wechselt nun gleich mehrfach den Besitzer, weshalb es im Schlussakt sogar fast richtig spannend wird, weil auch der von Reinhold G. Moritz grotesk überzogen dargestellte Verbrecher selbstredend sein Geld zurück will.

Die Handlung ist entsprechend abwechslungsreich, zumal sich Benno auch noch in eine portugiesische Kellnerin (Dorka Gryllus) verliebt und erneut vor dem Problem steht, dass eine Frau Kinder von und mit ihm haben will. In diesem Genremix soll sicher auch der Reiz der Geschichte liegen, aber die Mischung funktioniert nicht recht, weil der Film mal Sozialkomödie und mal Drama, mal Romanze und mal Krimi ist; aber nie alles zugleich. Diese Unentschlossenheit beginnt schon mit der Einführung der beiden Hauptfiguren, die Vorzeichen setzt, von denen sie sich vermutlich emanzipieren sollen. Selbst wenn Hotte später ein Herz für Jenny zeigt: Sympathisch wird dieser asoziale Zeitgenosse nie, zumal Kurth den Kerl mit einer unangenehmen Authentizität versieht.

In den Kinos schmierte der Film ab

WDR und Arte haben „Die Kleinen und die Bösen“ als Kinokoproduktion finanziert, doch in den Kinos hatte das von den Machern in die Tradition der britischen Sozialkomödie gestellte Werk bloß 20 000 Zuschauer. Das Drehbuch ist bereits 2004 gefördert worden, aber die Finanzierung stand erst gut zehn Jahre später, als Herbst seine Zusage gegeben hatte. Trotzdem kann der Film die Erwartungen, die Markus Sehr mit seinem originellem Regiedebüt „Eine Insel namens Udo“ (2011, mit Kurt Krömer als „Unsichtbarem“) geweckt hat, nicht erfüllen. Zuletzt hat er drei Beiträge für die ZDF-Krimis „Friesland“ gedreht, von denen zumindest zwei, „Klootschießen“ und „Irrfeuer“ (der dritte war „Krabbenkrieg“), ebenfalls eher enttäuschend waren.

Von Tilmann P. Gangloff / RND Die

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