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Medien Neue Serie: Psychoterror im Motelzimmer
Nachrichten Medien Neue Serie: Psychoterror im Motelzimmer
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16:25 02.08.2017
Was man so alles in Motelzimmern tut: Tanzen zum Beispiel. Quelle: HBO
Berlin

Achtung, dies ist eine Warnung, und sie ist gut gemeint: Wem selbst grausamste Gruselthriller voller Monster, Zombies, Spukgestalten nicht zu heftig sind, wer bei „The Walking Dead“ problemlos zu Abend essen kann und nach „American Horror Story“ schlafen wie ein müdes Lamm, der sollte sich trotzdem zweimal überlegen, ob „Room 104“ doch ein wenig zu krass für ihn sein könnte. Was umso bemerkenswerter ist, als die neue HBO-Serie eigentlich ganz harmlos daherkommt.

Eigentlich. Im Grunde orientiert sich die Story von Showrunner Mark Duplass und seinem Bruder Jay zwar an einem Genre, das seit Kintopp-Zeiten Zugkraft hat: Dem Hotelfilm, dieser meist sehr glamourösen Mischung aus Gesellschaftsstudie, Ensemblestück und Kammerspiel. Doch in dieser muffigen Herberge ist alles etwas anders und zudem verstörender als beim literarischen Vorbild „Menschen im Hotel“, das 1932 erstmals superstarbesetzt (Joan Crawford, Wallace Beery, Greta Garbo) die Existenzen verschiedener Leute auf der Durchreise auch filmisch zusammengeführt hat.

Unter der Regie von Sarah Adina Smith gibt es 85 Jahre später nun eine Neuauflage. Das Motel liegt an irgendeiner Ausfallstraße Amerikas, deren Name nicht von Belang ist. Schließlich geht es um die Atmosphäre des muffigen Zimmers mit der Nummer 104, das während der ganzen Staffel nahezu unverändert bleibt und die Geschehnisse darin so nur noch mehr zur Geltung bringt.

Zum Auftakt betritt es die Babysitterin Megan, um aufs Kind eines Mannes aufzupassen, der für wenige Stunden unterwegs ist. Weil Ralph allerdings weder zu sehen noch zu hören ist, existiert der Junge zunächst nur als vage Vorstellung hinter der Toilettentür. „Er braucht immer zwei Minuten“, beruhigt sein Vater halbherzig und geht. Da es aber doch ein paar mehr sind, werden unsere Nerven bereits durch die wortlos schwelende Frage, was sich tatsächlich im Nebenraum verbirgt, zum Zerreißen gespannt. Und die Stimmung wird keinesfalls erträglicher, als Ralph (fabelhaft: Ethan Kent) doch noch auftaucht und vorm bösen Bruder Ralphi im Bad warnt, der zu allem fähig sei, wenn man ihn verärgere. Also Pssst! Unsichtbarer Freund, wie ihn Grundschüler oft haben, oder reale Bedrohung, die Megan unterschätzt?

25 Minuten Gruseln pro Episode

So baut sich praktisch ohne Effekthascherei ein knapp halbstündiges Gruselszenario auf, das bewusst offenlässt, ob es sich im Kopf der Beteiligten abspielt oder in der Realität. Kein Untoter mit herausquellendem Gedärm und kein Weißer Wanderer im Norden von Westeros vermag es, mit so wenig Aufwand so viel Unbehagen beim Zuschauer auszulösen wie die sensationell fesselnden Kurzgeschichten aus der Feder von Mark Duplass.

Ästhetisch im Stil des sparsam ausgestatteten, klaustrophobischen, oft kostengünstigen „Mumblecore“, erzeugt das Multitalent aus New Orleans auch in den elf Folgen danach dieses hilflose Gefühl andauernder Unterwanderung.

In Episode drei namens „Knockandoo“ zum Beispiel trifft eine Frau an gleicher Stelle den charismatischen Vertreter einer dubiosen Sekte, der sie mithilfe billig produzierter Erweckungsvideos (natürlich kostenpflichtig) einer höheren Bewusstseinsebene zuzuführen vorgibt.

Subjekt oder Objekt, Opfer oder Täter: Es gibt keine Gewissheiten

Zwei Folgen später versucht ein pakistanischer Buchautor seine Mutter 20 Jahre zuvor am Telefon davon zu überzeugen, ihm pünktlich zum Vorstellungsgespräch beim Verlagschef das einzige existierende Manuskript vom daheim vergessenen Laptop via „Internet“ ins Motel zu schicken, wovon die Frau im Jahr 1997 selbstredend keine Ahnung hat. Mit gravierenden Folgen. Für alle. In jeder Sekunde dieser grandiosen Serie.

Schließlich beschreibt sie mehr oder weniger gewöhnliche Alltagssituationen, in denen Objekt und Subjekt, Opfer und Täter, Schuld und Vergehen so wild durcheinander gewürfelt werden, dass man vorm Bildschirm zwar weiß: Hier widerfährt jemandem etwas Furchtbares. Nur wem genau und durch wen noch mal? Das bleibt selbst bis zum Abspann der jeweiligen Folge manchmal eigentümlich ungelöst.

All dies macht „Room 104“ zu einer der spannendsten Serien der Saison, ein Kammerspiel der Extraklasse. Man kann sich ihr trotz der extrem reduzierten Szenerie selbst mit größter Mühe nicht entziehen. Ob die Migrationshintergründe vieler Protagonisten dabei das Fremde der Beteiligten im eigenen Umfeld symbolisieren, bleibt Auslegungssache.

Im Kern aber geht es darum, dass es nie und nirgends im Leben absolute Sicherheit darüber gibt, was objektiv wahr ist und was von der eigenen Filterblase bloß manipuliert. Daraus in sich abgeschlossene Psychokurzthriller ohne jede Art von Übersinnlichkeit oder visuellem Exzess zu formen, dürfte die Brüder Duplass zu ernsthaften Anwärtern auf den nächsten Emmy machen.

Von Jan Freitag/RND

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