Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Netzwelt Streaming ohne Limit ist umstritten
Nachrichten Medien Netzwelt Streaming ohne Limit ist umstritten
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:31 08.05.2018
Verlockendes Angebot: Die Telekom und Vodafone bieten derzeit sogenannte Zero-Rating-Tarife an. Quelle: Foto: Dpa
Köln

Den neuesten Hit oder die aktuelle Fernsehserie aufs Smartphone streamen und dabei kein Datenvolumen verbrauchen – mit dem sogenannten Zero Rating ist das möglich. Doch so verlockend die Angebote auch sind: Verbraucherschützer sehen sie äußerst kritisch.

Momentan gibt es hierzulande zwei Zero-Rating-Angebote. Unter dem Namen Stream On bietet die Telekom seit April vergangenen Jahres die Möglichkeit, ohne Ende Musik und Videos zu streamen. Dabei wird das monatliche Datenvolumen nicht angefasst. Die Option lässt sich kostenlos zu ausgewählten Tarifen hinzubuchen.

Vodafone stellt mit dem Giga-Pass seit Oktober 2017 ein ähnliches Angebot zur Verfügung. Bei den Red- und Young-Tarifen können Kunden gratis einen von vier Pässen dazubuchen. Chat-, Social-, Music- oder Video-Pass bündeln Apps der jeweiligen Kategorie – fortan wird ihr Datenverbrauch nicht mehr von dem Monatsvolumen abgezogen.

Netzneutralität gefährdet

Wer bis dato mit dem Datenvolumen am Monatsende immer knausern musste, fühlt sich erhört. Experten allerdings sehen in Zero Rating die Netzneutralität gefährdet. Letztere ist in einer EU-Verordnung festgelegt. Sie lautet sinngemäß: Alle Daten müssen gleichrangig behandelt werden.

Zuständig für die Einhaltung der Netzneutralität ist in Deutschland die Bundesnetzagentur (BNetzA). Diese untersagte im Dezember 2017 Teilaspekte von Stream On, die Telekom wurde zum Nachbessern verdonnert, zum Beispiel bei der Auslandsnutzung, die bislang vom Zero Rating ausgeschlossen ist. Wer im Ausland streamt, kriegt es doch vom Datenvolumen abgezogen. Auch dass Stream-On-Kunden Videos in geringerer Auflösung sehen – der Telekom spart das einen Durchsatz an Daten –, finden die Wettbewerbshüter nicht in Ordnung.

Noch sei aber fraglich, ob die Telekom die Auflagen der BNetzA erfüllen wird, sagt Henning Gajek vom Telekommunikationsportal Teltarif.de. Problem: Im Ausland müsste die Telekom die Daten bei anderen Anbietern einkaufen, was Zero Rating unattraktiv für den Konzern macht. Der Fall liegt aktuell beim Verwaltungsgericht Köln.

„Willkürlich und unverständlich“

Auch der Giga-Pass von Vodafone wird derzeit durch die BNetzA überprüft. Dazu hat die Behörde Vodafone, Marktbeteiligte sowie Landesmedienanstalten, das Bundeskartellamt und Verbände angehört. Darunter ist auch der Bundesverband der Verbraucherzentralen. Der moniert, dass Vodafone-Kunden bei Verträgen mit niedrigem Inklusivvolumen zwar von Partnerangeboten profitieren – der datenintensive Video-Pass sei jedoch nur für Kunden mit teurerem Red M-XXL und Young M-XL nutzbar.

Auch die Vertragslaufzeit und die „künstliche Unterteilung“ des Angebots in die vier Kategorien sind dem Verband ein Dorn im Auge. So braucht man für den Facebook-Messenger den Chat-Pass, für die Facebook-App dagegen den Social-Pass. Das sei willkürlich und für Verbraucher unverständlich.

Keine Verbindung über VPN

Auch sicherheitsbewusste Nutzer seien im Nachteil, da das Angebot verschlüsselte Verbindungen wie zum Beispiel VPN ausschließt. Auch die Qualitätsreduzierung von Videos sei nicht rechtens, ebenso wie die Begrenzung des Angebots auf Deutschland. Denn wie auch bei der Telekom ist der Giga-Pass nur im Inland gültig. Im Ausland wird genutztes Datenvolumen vom Inklusivvolumen des Tarifs abgezogen. Bis die Angelegenheit zwischen Regulierungsbehörde und Telekommunikationsunternehmen gelöst ist, bleibt die Zukunft der Zero-Rating-Angebote also unklar.

Breitbandmessung jetzt auch als Desktop-App verfügbar

Wie schnell die Internetverbindung wirklich ist, können Nutzer mit der Breitbandmessung der Bundesnetzagentur herausfinden. Das bislang auf der Website breitbandmessung.de verfügbare Werkzeug gibt es nun auch als Desktopversion für Windows, Mac und Linux.

Das Programm hilft der Behörde zufolge bei der Überprüfung der „vertraglich vereinbarten Download-Datenübertragungsraten im Festnetz“. Lahmt der Anschluss, können die Messdaten als Grundlage für Gespräche mit dem Anbieter dienen. Ihre Bedienung ist aber nicht ganz einfach.

Die Messung per Desktop-App funktioniert nur, wenn der Computer per Kabel direkt mit dem Router oder Modem verbunden ist. WLAN-Verbindungen sind nicht gestattet, um Störungen auszuschließen. Damit die Messung reibungslos läuft, muss das WLAN-Modul sogar abgeschaltet werden. Findet die Messung mit einem Notebook statt, muss es an der Stromversorgung hängen. Während der Messung sind alle anderen Programme tabu. Wer die Messreihe startet, soll laut Netzagentur rund 20 Messungen an zwei unterschiedlichen Tagen vornehmen.

Von dpa/RND