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Netzwelt Reichsbürger fällt auf Satire herein
Nachrichten Medien Netzwelt Reichsbürger fällt auf Satire herein
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16:14 14.12.2016
Norbert Schittke erklärt dem Journalisten der ZDF-heute show“, wer die AfD gegründet hat. Quelle: zdf heute show / facebook
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Hannover

Es ist schon einige Monate her, dass „Der Postillon“ seinen Bericht veröffentlichte. Aber Norbert Schittke hat den Artikel ausgedruckt und aufbewahrt. Als der selbst ernannte Reichskanzler von einem Journalisten der ZDF-„heute show“ besucht wird, hält Schittke den Bericht hoch – als sei der Text ein Beweis.

„Hier steht ganz klar, dass die AfD als Auffangpartei von niemand Geringerem als von Frau Merkel selber gegründet worden ist“, sagt Schittke. „Als Auffangpartei“, wiederholt er. „Für den Fall, dass CDU und CSU ins Rutschen kommen, damit sie weiter auf an der Spitze bleiben“, sagt Schittke, einer der bekanntesten Personen der sogenannten „Reichsbürger“. Das sind Menschen, die die Bundesrepublik nicht als Staat anerkennen und behaupten, das Deutsche Reich bestehe bis heute fort. Etliche sind auch in der rechtsextremen Szene aktiv.

Nutzer ungläubig: „Das meint er nicht ernst?“

„Das ist ein Knüller“, sagt der ZDF-Reporter zu Schittke. „Das ist ja besser als die Hitler-Tagebücher.“ Und spätestens an dieser Stelle hätte der sogenannte „Reichsbürger“ misstrauisch werden können. Die Hitler-Tagebücher stellten sich als Fälschung heraus. Aber Schittke wird nicht misstrauisch.

Stattdessen zitiert er weiter aus dem Artikel. „Hier steht ganz knallhart drin, ...“ – und Schittke liest Satz für Satz vor. Im Video ist dann nicht mehr alles zu hören – die „heute show“ spult die Passage vor. Zum Schluss blendet sie selbst den Artikel noch einmal ein. Dabei markiert die Redaktion die Quelle der Nachricht mit roter Farbe: „Der Postillon“. Eine populäre Satireseite.

Gründer Stefan Sichermann und seine Redaktion veröffentlichten regelmäßig satirische Texte im Stil von Zeitungsartikeln und Agenturmeldungen. Es sind Berichte, die nicht stimmen – stattdessen überzeichnen und persiflieren sie die Realität. Das weiß Norbert Schittke offenbar nicht.

„Er meint ja auch ernst, dass er Reichkanzler ist“

Die „heute show“ veröffentlichte das Video auf ihrer Facebookseite. „Der kann das doch nie im Leben ernst meinen“, schreibt ein Nutzer. „Der MUSS uns doch allesamt verarschen, weil ihm auf seine alten Tage langweilig ist. Der glaubt den Scheiß doch nicht ernsthaft, oder...?“ Das bleibt offen. Ein ZDF-Sprecher versichert aber, dass der Beitrag nicht inszeniert worden, sondern das Gespräch genauso stattgefunden habe.

Stefan Sichermann wundert sich dagegen überhaupt nicht. Der „Postillon“-Gründer glaubt, dass Schittke den Satire-Bericht tatsächlich ernst nimmt. „Er meint ja auch ernst, dass er Reichskanzler ist.“ Und nicht alle Menschen würden den „Postillon“ kennen. Die Satire-Meldung über die AfD hatte auch schon Wähler der rechtspopulistischen Partei verunsichert.

Außerdem würden viele Berichte der Satireseite auf Verschwörungsseiten gepostet, wodurch der Absender nicht mehr ersichtlich sei – dadurch sei dann auch schwieriger zu erkennen, ob es sich um Satire handle. Und: „Reichsbürger glauben ja noch deutlich absurdere Dinge, als das, was im Postillon oder speziell in diesem Artikel steht.“

Von RND/wer

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