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16:06 15.04.2017
Mit dem neuen Messenger von Google kann man sich unterhalten.   Quelle: Google
Mountain View

Google hatte seinen Messenger Allo im Zuge seiner Entwicklerkonferenz Google I/O im Mai dieses Jahres vorgestellt. Schon zu diesem Zeitpunkt hieß es, dass der Messenger im Laufe des zweiten Halbjahres veröffentlicht wird. Jetzt ist er da – und es ist die erste Anwendung, die den Google Assistant an Bord hat. Dabei handelt es sich gewissermaßen um eine smartere Weiterentwicklung von Google Now, die sich maschinelles Lernen zunutze macht. Der Assistant trägt noch den Zusatz „Preview“, was bedeutet, dass der smarte Assistent noch nicht ganz fertig ist.

Allo ist in erster Linie ein Messenger, mit dem Nachrichten, Bilder, animierte GIFs, Links, der eigene Standort, kurze Audio-Nachrichten und Videos an einen oder mehrere Empfänger gesendet werden können. Wie bei Snapchat oder auch neuerdings auch bei Whatsapp können Fotos bemalt oder um Text ergänzt werden. Darüber hinaus könnt ihr bei Bedarf einzelne Nachrichten vergrößert oder verkleinert darstellen. Um diese Funktion zu nutzen, ist ein Langdruck auf den Absende-Button erforderlich, woraufhin ein Schieberegler erscheint. Praktisch: Im Unterschied zu Hangouts könnt ihr einzelne Nachrichten löschen. Ebenso positiv ist die integrierte Suchfunktion, mit der sowohl Konversationen als auch einzelne Gespräche durchsucht werden können – eine Funktion, die bei Hangouts fehlt.

Selbstredend können auch Emojis verschickt werden – ihr könnt aber auch aus einem reichhaltigen Angebot an Stickern wählen, die Google eigens für Allo entwerfen ließ. Drei Sticker-Sets sind dabei vorinstalliert, 26 weitere Sets könnt ihr bei Bedarf nachinstallieren.

Durch den stets im Hintergrund aktiven Google Assistant wird der Nachrichtenverlauf analysiert. Mit dem Machine-Learning-Algorithmus lernt der Assistant das Diskussionsverhalten und eure Reaktionsweise kennen und schlägt mithilfe der „Smart-Reply-Funktion“ automatische Antworten vor. Außer Textbausteinen und Spracheingaben werden auch Emojis, Sticker und geteilte Fotos richtig erkannt und interpretiert.

Allo ist aber mehr als nur ein Messenger, denn mithilfe des Assistant könnt ihr euch das Wetter in regelmäßigen Abständen anzeigen lassen, einen Timer oder den Wecker stellen. Außerdem kann der Assistant euch Wissensfragen beantworten, bestimmte Sportergebnisse anzeigen und bei der Suche nach einem Restaurant helfen. Falls euch langweilig ist, kann der Assistant euch unterhaltsame Videos zeigen, Gedichte vortragen oder Witze erzählen. Selbst Casual-Games wie Tic-Tac-Toe könnt ihr im Messenger spielen.

Der Assistant beherrscht noch viele weitere Funktionen, die euch den Alltag erleichtern sollen. Die Ausgabe des Assistant erfolgt im Unterschied zu Google Now in Textform – eine Sprachausgabe ist (noch) nicht vorhanden. Der User kann auf der anderen Seite aber auch Spracheingaben tätigen – hierfür muss der Mikrofon-Button gedrückt gehalten werden. Langfristig soll der Assistant allerdings dazu in der Lage sein, Konversationen zu führen – unter anderem in der Alternative zu Amazon Echo: Google Home.

Wie eingangs erwähnt, befindet sich der Google Assistant noch in der Preview-Phase. Damit verbunden ist die Einschränkung der Sprachauswahl. Der Assistant steht seit dem 19. Oktober auch auf Deutsch zur Verfügung – der Messenger-Teil ist schon beim Launch vollständig lokalisiert worden.

Habt ihr Allo installiert, ist es zur Nutzung erforderlich, euch mit eurer Telefonnummer zu identifizieren. Erst dann steht der Messenger zur Verfügung. Wie bei Whatsapp verhält es sich so, dass ihr Allo nur auf einem Gerät nutzen könnt. Installiert ihr die App auf zwei Geräten gleichzeitig, wird die App auf einem Smartphone deaktiviert – enttäuschend. Darüber hinaus existiert kein Web-Client: Allo ist also Smartphone only. Die App wird aber immerhin für Android-Smartphones und iPhones angeboten. Dennoch: Eine zusätzliche Möglichkeit der Nutzung auf dem Desktop à la Whatsapp oder Google Hangouts wäre wünschenswert.

Ein weiterer Faktor, der aus technischer Sicht nachvollziehbar, aber aus Nutzerperspektive womöglich viele verärgern dürfte, ist das Fehlen einer standardmäßig aktivierten Ende-zu-Ende-Verschlüsselung. Seitdem sogar WhatsApp komplett verschlüsselt, gehört diese Funktion eigentlich zum guten Ton. Es sei allerdings erwähnt, dass Allo eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung an Bord hat – diese ist aber optional und muss bei jedem Chat manuell aktiviert werden. Zusätzlich könnt ihr den verschlüsselten Nachrichten ein Ablaufdatum geben.

Googles Allo weiß in vielen Bereichen zu gefallen und der erste kurze Testlauf mit dem Messenger lief erfreulich rund. Ob das Fehlen genannter Funktionen ein Ausschlusskriterium für Nutzer ist, bleibt abzuwarten. Dass Allo es als neuer Messenger auf dem Markt nicht leicht haben wird, steht außer Frage, denn Whatsapp besitzt eine starke Position, außerdem gibt es eine große Anzahl an Apps, die als Whatsapp-Alternative fungieren wollen. Wir können davon ausgehen, dass Google seinen Allo-Messenger zusammen mit der Videochat-App Duo auf künftigen Android-Geräten – mit Sicherheit aber seinen kommenden Pixel-Smartphones – vorinstallieren wird, um eine möglichst breite Nutzerbasis zu erlangen. Ob das den erwünschten Erfolg bringt, wird die Zeit zeigen.

Update vom Oktober 2016: Mit dem Marktstart der Pixel-Smartphones unterstützt der in Allo integrierte Google Assistant jetzt auch Deutsch. Sowohl im eigenen Play- als auch in Apples App-Store ist die App verfügbar. Edward Snowden hält indes nicht viel von Googles neuem Messenger.

Andreas Floemer, t3n

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