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Netzwelt Die Schlacht ums Internet beginnt
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15:11 22.09.2016
Im Internet tobt ein Krieg, der Privatpersonen, Unternehmen und ganze Staaten bedroht. Quelle: dpa
Stanford

„Können sie sich vorstellen, in einer Welt zu leben, in der einfach alles gehackt werden kann?“ Marc Goodman von der kalifornischen Denkfabrik Singularity University provoziert gerne. Deshalb legt er die Messlatte bei seinem Auftritt auf der ersten Auflage der Münchner Sicherheitskonferenz im fernen Kalifornien von Beginn an hoch.

„Wir stehen ganz am Anfang“, warnt Goodman. „Wenn das Internet heute so groß wie ein Golfball ist, ist es bald so groß wie die Sonne.“ Das sogenannte Internet der Dinge wird alles auf der Welt vernetzen. Milliarden von Geräten, von Kernkraftwerken über Flugzeuge, Herzschrittmacher bis hin zu Autos und Kaffeemaschinen werden Milliarden von Daten pro Sekunde in „die Cloud“ senden, die gigantischen Datenspeicher im Internet.

Digitale Elite soll Lösungen erarbeiten

Wolfgang Ischinger, der Vorsitzende der Münchner Sicherheitskonferenz, hofft deshalb, den Dialog auf eine neue Ebene hieven zu können. Bei der jährlichen Mutterkonferenz in München geben sich Staatsmänner und Politiker die Klinke in die Hand und reden über Terrorgefahren und Kriege. Jetzt, in der legendären kalifornischen Stanford-Universität, wurde auf dem Cyber Security Summit der Dialog mit der digitalen Elite gesucht.

Warnt vor einem massiven Cyberkrieg: Wolfgang Ischinger. Quelle: dpa

Sicherheit, so Ischinger, ist heute eine gesamtheitliche und globale Aufgabe. Denn die Bedrohungen haben sich gewandelt. Panzer und Kanonen sind sichtbar und angreifbar. Cyber-Attacken dagegen kommen aus dem Nichts und die Angreifer sind wieder verschwunden, bevor man sie sehen konnte. Im Silicon Valley gibt es seit Jahren einen geflügelten Spruch: „Es gibt nur zwei Arten von Unternehmen: Die, die gehackt wurden, und die, die es noch nicht gemerkt haben.“

Außerdem gibt es ungelöste Problem in der Art der Verteidigung. Angriffe, so Ryan Gillis vom Sicherheitsanbieter Palo Alto Networks, würden heute automatisiert in Sekundenbruchteilen gegen unzählige Systeme gefahren. Demgegenüber stünden manuelle Antworten, die auf bestimmte Angriffe vorbereitet seien – und andere schlicht nicht kennen. Die Lösung könne nur „eine Automatisierung der Abwehrmaßnahmen“ sein. Also selbstlernende Systeme mit künstlicher Intelligenz, die einen Einbruchsversuch erkennen, selbst wenn sie ihn nie zuvor gesehen haben.

Hacker können Wahlen entscheiden

Denn es steht viel auf dem Spiel: „Was für eine Zeit, in der ein Mann die amerikanischen Wahlen entscheiden kann“, warnte Larry Ellison, Oracle-Gründer und einer der reichsten Menschen der Welt, auf der parallel laufenden Oracle-Hausmesse Openworld in San Francisco. Er meine damit niemand anderen als Wladimir Putin. Mutmaßlich russische Hacker im Staatsauftrag sollen E-Mails der demokratischen Partei gehackt und ins Internet gestellt haben. Sie legte damit Hillary Clinton Steine auf dem Weg zur Kandidatur für das Weiße Haus. Denn viele E-Mails erweckten den Eindruck, dass die Partei ihren Konkurrenten Bernie Sanders wo immer möglich behindert habe.

Erschwerend kommt eine generelle Ahnungslosigkeit der Bevölkerung in IT-Angelegenheiten hinzu, die sich nach Meinung vieler Experten auf der Tagung immer mehr auswirkt. Und selbst da, wo man sich mit diesen Themen intensiv beschäftigt, wächst die Angst. Denn die jahrzehntelange amerikanische technologische Überlegenheit schmilzt dahin.

Von RND/dpa

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