Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Netzwelt Aufschrei gegen Trump
Nachrichten Medien Netzwelt Aufschrei gegen Trump
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:18 09.10.2016
Will sich die Worte Trumps nicht gefallen lassen: Kelly Oxford. Quelle: privat
Anzeige
Hannover

Für Donald Trump ist die Lage klar: „Ich fange einfach an, sie zu küssen. Ich warte nicht. Wenn du ein Star bist, dann lassen sie es zu.“ Worte, die den Wahlkampf in Amerika durchwirbeln. Sogar seine eigene Ehefrau Melania findet keine Entschuldigung für die Entgleisung von 2005 – kurz nach der Hochzeit der Trumps. Einfach inakzeptabel und beleidigend, sagt sie, findet ihren Donald aber nach wie vor bestens geeignet, um Präsident der Vereinigten Staaten zu werden.

Steht schwer in der Kritik: Donald Trump. Quelle: Getty

So schnell kann Kelly Oxford dieses Thema nicht abtun. Die Bloggerin und Autorin ist angewidert von der Vorstellung, dass sich Männer alles erlauben dürften, wenn sie sich im Anschluss bloß artig entschuldigen. Was solche Worte bei Frauen auslösen, die schon einmal Ziel sexueller Übergriffe geworden sind, könnten sich nur die Wenigsten ausmalen.

Schreckliches Erlebnis im Stadtbus

Die Kanadierin hat beim Kurznachrichtendienst Twitter den Hashtag #notokay initiiert und mit ihrer eigenen Geschichte für weltweite Aufmerksamkeit, vor allem Anteilnahme gesorgt. Sie habe einmal in einem Stadtbus gesessen, als ihr ein alter, ihr völlig unbekannter Mann zwischen die Beine griff und grinste. „Ich war erst 12“, schrieb Oxford dazu.

Sie ist nicht die einzige, die solche Erfahrungen machen musste. Pro Minute folgten 50 Einträge. Etwa von Kim Broly. Als 13-Jährige zog ihr ein Mitschüler das Shirt hoch. Sie gab ihm eine Ohrfeige und wurde von der Schule dafür bestraft. Userin MuffinyMuffin berichtete, wie ein Vater, für den sie die Kinder behütete, über sie bei der Heimfahrt vom Babysitting herfiel. Hunderte Geschichten, die jedes Mal aufs Neue erschrecken.

Digitaler Widerstand mit 140 Zeichen

Immer wieder nutzen Frauen, die Opfer von sexuellen Übergriffen wurden, Twitter, um sich Gehör zu verschaffen. Der letzte digitale Aufschrei lief unter dem Hashtag #WhyIsaidnothing („Weshalb ich nichts sagte“). Die Deutsche Marlies Hübner hatte seinerzeit den digitalen Widerstand bei Twitter initiiert. Sie selbst wurde Opfer von Übergriffen. Sie selbst hat lange geschwiegen. Tausende Opfer haben durch sie Mut geschöpft und bei Twitter die 140 Zeichen genutzt, ihre Stimme zu erheben. Manche mit Klarnamen, manche anonym. Sie alle gewährten traurige Einblicke in ihre Ängste, Sorgen und Nöte. Madame Schön begründete ihr langes Schweigen so: „Er sagte, ich müsse immer damit rechnen, wenn ich in seinem Bett läge, auch wenn ich schlafe.“ Theresa schrieb als Grund für ihr Schweigen: „Weil jedes Mal das letzte Mal war.“ Her Majesty gesteht: „Weil ich dachte, wenn ich nie darüber rede oder nachdenke, verschwindet es einfach.“

Auch Kelly Oxford schwieg damals. Sie war ein junges Mädchen. Heute erhebt sie ihre Stimme – und findet millionenfaches Gehör. „Ich wollte damit andere Frauen erreichen und ihnen zurufen: Hey, wir sind keine Statistik, wir sind keine Sex-Objekte, über die Männer Späße machen und die sie einfach anfassen und verletzen können.“ Es sei in Ordnung, darüber zu sprechen. Wie das Donald Trump, vor allem seine Wähler nun sehen?

Von Carsten Bergmann

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Netzwelt Milliardenprogramm - WLAN für alle Schulen

Deutschlands Schulen sollen mobiler machen: „DigitalPakt#D“ heißt das Programm, mit dem Bildungsministerin Wanka die Schüler bereit für das digitale Arbeiten der Zukunft machen will. Fünf Milliarden Euro plant sie an Investitionen.

09.10.2016

Ein Samsung Galaxy Note 7 ist in einem Flugzeug in den USA in Flammen aufgegangen. Forscher warnen schon länger vor der Gefahr durch Lithium-Ionen-Akkus: Kleinste Produktionsfehler könnten schwerwiegende Folgen haben.

06.10.2016
Netzwelt Konzern stellt das „Pixel“ vor - 8 Fakten über Googles neues Smartphone

Zum ersten Mal hat Google ein Smartphone selbst entwickelt: das „Pixel“. Der Konzern will mit künstlicher Intelligenz und der angeblich besten Kamera die Konkurrenz von Apple, Samsung und Co. ausstechen. 8 Fakten über den neuen Herausforderer.

04.10.2016
Anzeige