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Netzwelt AlgorithmWatch – was steckt dahinter?
Nachrichten Medien Netzwelt AlgorithmWatch – was steckt dahinter?
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14:28 20.10.2017
Quelle: @ dacasdo - depositphotos.com
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Werden wir durch Algorithmen beeinflusst?

Die Initiative AlgorithmWatch wurde von der Rechtsphilosophin Lorena Jaume-Palasí, dem Datenjournalisten Lorenz Matzat, dem Journalisten Matthias Spielkamp von iRights.info sowie Prof. Dr. Katharina Anna Zweig, Professorin an der TU Kaiserslautern, ins Leben gerufen. Untersucht werden Algorithmen, die beispielsweise Suchmaschinen beim ADM (algorithmic decision making) verwenden. Justitzminister Heiko Maas hatte Ende 2016 einen „Algorithmen-TÜV“ gefordert, um zu gewährleisten, dass „unsere Handlungs- und Entscheidungsfreiheit nicht manipuliert wird“.

Mit Datenspenden zu mehr Transparenz

Gerade im Hinblick auf eine Bundestagswahl hat die Fragestellung, ob wir durch Algorithmen bei unserer Meinungsbildung gezielt beeinflusst werden, einen hohen Stellenwert. Gemeinsam mit mehreren Landesmedienanstalten startete die Organisation daher ein ehrgeiziges Projekt. Gesucht wurden Freiwillige, die Ihr Surfverhalten per Datenspende offenlegen würden, 4.379 User erklärten sich zur Teilnahme bereit und installierten die eigens dafür programmierten Plugins. Damit erlaubten die Nutzer, die Weitergabe von Suchergebnissen zu 16 festgelegten Begriffen.

Das Plugin schickte mehrmals am Tag gezielte Suchanfragen an Google bzw. Google News. Dabei wurde nach Namen bestimmter Politiker wie beispielsweise Angela Merkel, Martin Schulz oder Alexander Gauland  bzw.  nach den Parteien wie CDU, CSU, SPD, FDP, Bündnis90/ Die Grünen, Die Linke oder der AfD gesucht. Anschließend wurden die jeweils erste Ergebnisseite mit den Daten des Nutzers  – beispielsweise Ort und Postleitzahl oder die Spracheinstellung des Browsers – übermittelt.

Bekommen wir personalisierte Suchergebnisse?

Diese Daten wurden dann von der Organisation ausgewertet, um herauszufinden, wie die persönliche Suchhistorie der Nutzer, das Klickverhalten, der Standort und die Sprache, die Suchergebnisse beeinflussen. Werden die Suchergebnisse also von Google personalisiert und auf den User abgestimmt? Bekomme ich andere Ergebnisse als ein Nutzer, der in einer anderen Stadt lebt? Erhalten meine Freunde oder Arbeitskollegen ganz andere Informationen als ich? Nach Auswertung und Begutachtung der gesammelten Daten, gibt die Initiative dazu Entwarnung. So wiesen die Suchergebnislisten bei Google eine sehr hohe Übereinstimmung auf. Auf der Website der Initiative heißt es, dass sich im Durchschnitt 7 bis 8 der Ergebnisse von im Mittel 9 der sogenannten organischen Suchergebnisse nicht unterscheiden. Das bedeutet, dass die Personalisierung durch Suchmaschinen wie Google deutlich geringer ist als zunächst vermutet.

Die vom Internetaktivisten Eli Pariser in seinem Buch beschriebene Filterblase existiert demnach möglicherweise gar nicht. Diese Filter- bzw. Informationsblase entstehe nach Angaben des Autors, weil verschiedenen Webseiten mit Hilfe von Algorithmen versuchen vorherzusagen, welche Informationen der User finden möchte. Dazu würden Informationen wie Suchverlauf, Standort und Klickverhalten analysiert. Die Ergebnisse von AlgorithmWatch belegen diese These allerdings nicht.

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