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Murat Kurnaz sprach im Dresdner Programmkino Ost über seine Zeit im US-Gefangenenlager Guantànamo

Murat Kurnaz sprach im Dresdner Programmkino Ost über seine Zeit im US-Gefangenenlager Guantànamo

Ausgabe seiner cineastischen Gesprächsreihe "Körners Corner" konnte der Journalist Andreas Körner erneut mit illustren Gästen aufwarten. Anlässlich der Premiere des Films "5 Jahre Leben" über das Martyrium des Bremers Murat Kurnaz, der von Januar 2002 bis August 2006 fast fünf Jahre im US-Gefangenenlager Guantanamo auf Kuba verbringen musste, war es Körner gelungen, sowohl den Regisseur des Dramas, Stefan Schaller, als auch Murat Kurnaz selbst ins Programmkino Ost einzuladen.

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Stefan Schaller, Murat Kurnaz und Andreas Körner (v.li.) vor dem Programmkino Ost in Striesen.

Quelle: Dietrich Flechtner

Dabei zeigte sich schnell, dass an dem Abend nicht einfach nur ein Gespräch über einen Film stattfinden würde, vielmehr entwickelte sich mit dem Publikum eine emotional geführte politische Debatte. Erst recht nachdem der Film noch einmal eindrucksvoll die menschenunwürdigen Bedingungen in dem Lager mit Isolationshaft, Folter sowie willkürlichen Schlägen und Tritten durch die Wärter ins Gedächtnis gerufen hatte.

Dass Stefan Schaller dabei mit seinem ersten Spielfilm nach der Filmhochschule ein authentisches Abbild der Zustände in Guantanamo gelungen ist, wurde ihm von Murat Kurnaz bestätigt. "Ich finde dass der Film sehr gut geworden ist, zumal Leute, die mich kennen, gesagt haben, dass sie im Kino vollkommen vergessen haben, dass dort ein Schauspieler zu sehen ist", so Kurnaz. Angebote hatte der 31-jährige übrigens auch aus Hollywood, um seine Leidensgeschichte auf die große Leinwand zu bringen. Doch trotz großzügiger finanzieller Angebote lehnte er ab. Er tat das auch, weil er ahnte, dass dort ein Film entstehen könnte, wo er der Terrorist wäre und die Amerikaner die Guten. Stattdessen entschied er sich für den Regiedebütanten Stefan Schaller. "Wir sind etwa gleich alt, und Stefan hat ein jahrelanges Interesse an der Geschichte gezeigt." Das habe ihn überzeugt, betonte Murat Kurnaz.

Für Schaller, der vier Jahre an dem Film gearbeitet hat, war es zunächst schwierig, einen filmischen Zugang zu dem Thema zu finden. "Es ist nicht leicht, einen Ansatz zu finden. Ich hätte auch einen vollkommen politischen Film machen können", sagte Schaller. Am Ende entschied er sich gegen diesen Weg und erzählte die Geschichte lieber aus der ganz persönlichen Perspektive von Murat Kurnaz.

Bei den Zuschauern kam diese Herangehensweise gut an. Sie zeigten sich tief bewegt und stellten in der Diskussion die Frage, wie er so eine Tortur überhaupt überleben konnte. Kurnaz entgegnete, dass ihm seine Gebete Kraft gegeben hätten. Interessiert war das Auditorium auch, ob der 31-Jährige eine Entschädigung dafür bekommen hat, dass er unschuldig hinter Gittern saß. "Ich habe nichts erhalten. Und wir können auch nicht vor Gericht gehen, weil wir von der deutschen und der amerikanischen Regierung nicht die entsprechenden Akten bekommen", so Kurnaz. Trotz dieser betrüblichen Aussichten machte er aber keinen wütenden Eindruck. "Ich weiß, dass ich mit Wut und Zorn nichts erreiche. Das würde mir nur schaden."

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 25.05.2013

Stephan Hönigschmid

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