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Nachrichten Medien Marek Janowski dirigiert wieder die Dresdner Philharmonie
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06:00 12.01.2018
Marek Janowski bei der Probe mit der Dresdner Philharmonie 2018. Quelle: Markenfotografie
Dresden

Marek Janowski und Dresden, das ist denn doch eine enge Verbindung. Und eine lange Geschichte. Ab 2001 war der Maestro Chefdirigent der Philharmonie – wegen damals nicht eingehaltener Versprechungen eines Kulturpalastumbaus durch die Stadt nur für relativ kurze Zeit. Der 1939 in Warschau geborene Janowski allerdings hält sein Versprechen und seinem Orchester die Treue. Allein in diesem Monat mit zwei sehr spannenden Konzertprogrammen im neuen Konzertsaal des Kulturpalasts. Ein Gespräch mit dem Dirigenten in einer Probenpause.

Frage: Maestro Janowski, Sie dirigieren nun zum wiederholten Mal die Dresdner Philharmonie im neuen Konzertsaal des Kulturpalastes. Wie ist Ihr Eindruck von dieser Spielstätte?

Marek Janowski: Ich bekenne ganz offen, da ist ein Hauch von persönlicher Genugtuung dabei. Man hat mich damals bekanntlich mit der schriftlichen Zusage nach Dresden engagiert, die Gehälter der Philharmonie deutlich zu erhöhen. Das hat die Stadt auch realisiert. Die andere Conditio war ein neuer Saal für das Orchester. Das ist damals nicht passiert. Als sich nach etwa eineinhalb Jahren abzeichnete, dass daraus auch nichts werden wird, habe ich entschieden, unter diesen Umständen hier nicht weiterzuarbeiten.

Das hat mir natürlich sehr leid getan, deswegen habe ich dem Orchester versprochen, wenn es irgendwann doch einen neuen Saal geben und ich das noch erleben sollte, komme ich gerne als Gast wieder. Zu dem Zeitpunkt hat wohl kaum jemand geglaubt, dass sich am Kulturpalast jemals etwas ändern wird. Das hat sich durch die Notwendigkeit einer Renovierung zum Glück geändert. Schon die Baustelle hat mich sehr hoffnungsvoll gestimmt, und im Frühjahr habe ich zwei Programme hier dirigiert. Vom balsamischen, klaren Klang dieses Saales bin ich wirklich begeistert – und ich kenne viele Säle in aller Welt. Er ist äußerst geglückt, auch das Orchester ist bestens aufgestellt, so ist es für mich eine Freude, hier wieder arbeiten und in diesem Saal auch proben zu können.

Dem Saal der Hamburger Elbphilharmonie mit seinen abenteuerlichen Kostensteigerungen stehe ich hingegen eher reserviert gegenüber. Ich denke aber, dass die Dresdner Philharmonie mit der sich tatsächlich vom Saal anbietenden Klangqualität über die Jahre weiter wachsen wird. Das ist ein Glücksfall, man kann der Stadt nur gratulieren und alle Dresdner einladen, die Konzerte zu besuchen.

Dafür musste das Orchester einen hohen Preis zahlen und jahrelang an unterschiedlichen Spielstätten arbeiten. Kam das der Flexibilität zugute?

Sowohl vom Orchester als auch von Herrn Sanderling ist auf jeden Fall eine enorme Arbeit des Nichtnachlassenwollens geleistet worden. Immer im Hinblick auf den neuen Saal. Ob diese teils schrecklichen Orte der Flexibilität genutzt haben, das kann ich nicht beurteilen. Aber ich sehe jetzt bei den Proben, wie sehr sich die Philharmoniemitglieder engagieren.

Könnte dieser neue Konzertsaal Sie reizen, zur Philharmonie zurückzukehren?

Das müssen wir sehen. Da sind wir in allen möglichen Überlegungen, zu denen ich jetzt aber noch nichts sagen kann.

Sprechen wir über das aktuelle Konzert: Bartóks 3. Klavierkonzert und Bruckners 9. Sinfonie – eine recht ungewöhnliche Verbindung, nicht?

Das finde ich nicht. Bartóks Klavierkonzert ist für mich fast ein klassizistisches Stück. Ich denke, gerade dessen zweiter Satz hat eine große nicht nur stilistische, aber doch ethische Nähe zum dritten Satz der Bruckner-Sinfonie, die bekanntlich ein Torso blieb. Ich bin der Meinung, dass diese Kombination gut zusammengeht. Bartóks 2. Klavierkonzert allerdings, das ich für sein bedeutendstes Werk dieser Gattung halte, sollte man nie mit einer Bruckner-Sinfonie koppeln.

Gerade Bruckners 9. verlangt nach einem großen Atem, um die Spannungsbögen nicht abreißen zu lassen …

Das ist ein großes Problem bei allen späteren Bruckner-Sinfonien. Um dieses kontrapunktische Geflecht gut zur Geltung zu bringen, muss man dynamisch sehr genau auf den jeweiligen Saal und auf sämtliche Orchesterstimmen eingehen. Wenn man solch ein Stück so wie ich mit meinen bald 79 Jahren mit vielleicht zwanzig unterschiedlichen Orchestern in mindestens zwölf verschiedenen Sälen gearbeitet haben, dann kennt man die Knackpunkte, auf die es ankommt, damit der große Atem nicht verloren geht. Da gibt es den schönen Satz, den Herbert von Karajan mal gesagt haben soll: Um eine Beethoven-Sinfonie zum ersten Mal öffentlich zu dirigieren, muss man sie vorher hundertmal öffentlich dirigiert haben.

Nun, hundertmal ist vielleicht überzogen. Aber da sind sich Beethoven und Bruckner sehr nahe, ich glaube inzwischen zu wissen, worauf es ankommt, und muss mich immer wieder auf mit den klanglichen Möglichkeiten eines Orchesters und eines Saales anders darauf einstellen.

Im Klavierkonzert arbeiten Sie mit Francesco Piemontesi zusammen. Nicht zum ersten Mal?

Nein, mit ihm habe ich bereits mehrmals gearbeitet. Wir haben schon Dvorák, Liszt und auch Bartók zusammen gemacht. Der Schweizer ist ein sehr ernsthafter, technisch hervorragender und nicht auf brillante Schaumschlägerei ausgerichteter Pianist. Ich mag ihn sehr.

Von Bartók und Bruckner zu Weber, der in Dresden ja quasi als Hausgott gehandelt wird. Was verbindet Sie mit dessen „Euryanthe“?

Das hat einen ganz deutlichen Dresden-Bezug. Ich habe zum ersten Mal meinen Fuß auf Dresdner Boden gesetzt, als ich 1974 mit der Staatskapelle für EMI und Eterna die „Euryanthe“ aufnehmen sollte. Otto Klemperer hatte lange vorher abgesagt, und ich durfte mich rechtzeitig vorbereiten auf eine wunderbare Besetzung mit Jessye Norman und Nikolai Gedda in der Lukaskirche. Die Geschichte dieser Oper ist so abenteuerlich blöd, das kann man nicht szenisch auf die Bühne bringen. Aber die rein musikalische Qualität übertrifft die Bedeutung des „Freischütz“, das können Sie mir glauben. Da sind so viele höchst inspirierte Vorgänge in der Partitur, eine einzige konzeptionelle Antizipation des Wagnerschen „Lohengrin“.

Die Musik ist einfach fantastisch. Ich habe sie etwas zusammengestrichen, damit das Ganze auf ein normales Konzertmaß kommt. Der Vorschlag einer konzertanten „Euryanthe“ hat bei mir eine Art sentimentales Feeling ausgelöst. Die Besetzung ist erstklassig, darum nimmt DeutschlandRadio das auch auf.

Herr Janowski, im kommenden Jahr werden Sie 80. Wie werden Sie diesen Geburtstag begehen?

Es gibt ja auch noch ein anderes Leben. Ich war Chef des Gürzenich-Orchesters und habe in den vergangenen Jahren eine sehr enge Beziehung zum Sinfonieorchester des Kölner WDR entwickelt, einem sehr guten Orchester. Die wollen zu meinem Geburtstag eine Tournee mit mir machen. Konzerte in Köln, Berlin und anderswo. Wo genau ich an diesem Tag bin, das weiß ich noch nicht. Ich würde natürlich viel lieber bei meiner Familie sein, mit meiner Frau und unseren Kindern.

13.1., 19.30 Uhr, und 14.1., 11 Uhr, Kulturpalast, Béla Bartók Konzert für Klavier und Orchester Nr. 3 Sz 119 und Anton Bruckner Sinfonie Nr. 9 d-Moll WAB 109, Dresdner Philharmonie, Francesco Piemontesi, Klavier, Leitung: Marek Janowski

19.1., 19.30 Uhr, und 21.1, 18 Uhr, Kulturpalast: Carl Maria von Weber „Euryanthe“ – Oper konzertant. Emily Magee, Sopran (Euryanthe von Savoyen), Catherine Foster, Sopran (Eglantine von Puiset), Christian Elsner, Tenor (Adolar, der Graf zu Nevers), Steven Humes, Bass (König Ludwig), Egils Silins, Bass (Lysiart, der Graf zu Forest), MDR Rundfunkchor Leipzig, Dresdner Philharmonie, Leitung: Marek Janowski

Francesco Piemontesi

Der in Locarno geborene Pianist Francesco Piemontesi wurde zwischen 2009 und 2011 zum „BBC New Generation Artist“ gekürt. Er gilt als einer der herausragenden neuen Mozart-Pianisten. Gleichwohl widmet er sich nicht nur Mozart, sondern auch Komponisten wie Debussy, Ravel, Liszt, Dvořák und Bartók und dem deutschen Repertoire.

Piemontesi tritt weltweit mit renommierten Ensembles auf, darunter das Los Angeles Philharmonic, das London Symphony Orchestra, die Wiener Symphoniker, das NHK Symphony Orchestra, die Tschechische Philharmonie, das Gewandhausorchester Leipzig, das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks und das Tonhalle-Orchester Zürich.

Er arbeitete mit bedeutenden Dirigenten wie Zubin Mehta, Charles Dutoit, Ivan Fischer, Sir Mark Elder, Ton Kopmann und Sir Roger Norrington zusammen.

Piemontesi spielt mit einer Vielzahl von Kammermusikpartnern, darunter Leif Ove Andsnes, Christian Tetzlaff, Jörg Widmann und das Emerson-Quartett.

Im Solo-Rezital trat er an zahlreichen renommierten Adressen des Konzertlebens auf und erhielt viele Einladungen zu Festspielen.

Er hat mehrere herausragende Einspielungen vorgelegt, darunter Schumann-Sonaten und ein Programm mit Händel, Brahms, Bach und Liszt. Vor Kurzem hat Piemontesi sein Mozart-Album mit Andrew Manze und dem Scottish Chamber Orchestra veröffentlicht, für Februar 2018 ist eine neue CD mit Werken von Liszt geplant.

Francesco Piemontesi studierte bei Arie Vardi, bevor er mit Alfred Brendel, Murray Perahia, Cécile Ousset und Alexis Weissenberg zusammenarbeitete.

Von Michael Ernst

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