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Medien Lohnt sich der neue „Tatort“ aus Dresden?
Nachrichten Medien Lohnt sich der neue „Tatort“ aus Dresden?
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14:00 11.11.2017
Gerichtsmediziner Lammert (Peter Trabner) zeigt Kommissarin Sieland (Alwara Höfels) die Einschussstellen. Quelle: ARD
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Dresden

Da sitzt ein Mann, der wirkt, als brauche er jetzt einen Schnaps oder eine gepflegte Keilerei. Die Jugend steht ihm im Gesicht, man spürt seinen Hormonstau und die Menschenfeindlichkeit, auch wenn er die mit einem guten Anzug und dem falschen Lächeln tarnen will. Ein Kerl mit Manieren aus dem Managerhandbuch: keine Gefühle, nur noch Sprüche. „Du hast einfach schlechte Zahlen!“, raunt der Mann zu seinem Kollegen, sie stehen kurz davor, die Sache rustikal zu klären. Die beiden schieben Dienst im Hochgeschoss einer Versicherung. Der Firma geht es nicht gut, denn Sicherheit ist dieser Tage ein leeres Versprechen. Auch und gerade in Dresden.

Es wird Zeit, dass eine Frau den „Tatort“ betritt, der gleich zu Anfang eine Kurve ins Groteske und Überzeichnete nimmt. Den Auftakt dominieren Männersätze, die mit Ausrufezeichen enden.

Gleich zwei Frauen kommen, die Kommissarinnen Henni Sieland (Alwara Höfels) und Karin Gorniak (Karin Hanczewski). Ein weibliches Ermittlerteam, das ist ein Statement – da zeichnet man die Männer noch ein bisschen bräsiger, als sie sich ohnehin schon geben, damit man eine deutlich konturierte Story über Gut und Böse aufbereiten kann. Dieser „Tatort“ zeigt nichts von Pegida, sondern Männer in Maßanzügen, die den Anstand verlieren. Und hält Frauen dagegen, die wie ein Korrektiv auftreten zu dem Zeitgeist, der die Stadt zerreißt. Sie sind Bewahrerinnen der Würde.

Einer der Anzugmänner wird erschossen, mitten im Büro, vom Hochhaus gegenüber aus. Aus 150 Metern. Auch das ist ein Statement. Ein Versicherer, der hingerichtet wird, während er Menschen übers Ohr haut, die in Not geraten sind – das ist eine Überschrift, mit der sich dieser „Tatort“ gerne schmückt, denn sie klingt relevant und griffig. Dabei heißt die Folge bloß „Auge um Auge“. Ein Satz aus dem Alten Testament, in dem die Frauen noch nicht viel zu sagen hatten.

Die beiden Kommissarinnen aus Dresden. Quelle: MDR/HA Kommunikation

Die Kommissarinnen ermitteln mit Gemüt, ihr Handwerk ist die Empathie, es fallen Sätze wie „Sie müssen keine Angst haben“. So häufen sie ihr Wissen an, das ist nicht leicht, denn die Versicherung ist eine Schlangengrube. Die Lösung schließlich passt zu einer Stadt, die gerade bang auf die eigene Fieberkurve schaut. Es gibt Konventionen für die „Tatort“-Ermittler im 21. Jahrhundert. Erstes Gebot: Du brauchst ein Privatleben! Das Privatleben der Kommissarin Sieland ist ein Freund im Wollpullover, der milde lächelt. Er und Sieland haben eine Syrerin mit Tochter aufgenommen. Auf den Freund ist kein Verlass, die Kommissarin muss deshalb zwei Welten stemmen, a) die Stadt aufräumen und b) zu Hause für ein gut sortiertes Miteinander sorgen.

Dann gibt es da diesen Mann, den man nur mit viel Überwindung den „Kollegen“ dieser zwei Ermittlerinnen nennen mag. Kommissariatsleiter Peter Michael Schnabel (Martin Brambach wieder als ein herrlich irrlichternder Proll) wartet mit Sexismus, Kneipenwitz und Kumpanei auf. Dieser „Tatort“ zeigt uns eine Stadt, die sich gefällt und die sich doch verdächtig ist. Mit sehr gekonnten Bildern wird das illustriert, die Kamera fährt durch das Dresden mit den alten VEB-Schriftzügen, doch blickt auch auf die Semperoper. Konsequenterweise ist das Stück von einer Frau gedreht – Franziska Meletzky –, der es gelingt, das Klima der Stadt ohne Polemik einzufangen.

Von Lars Grote/RND

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