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Nachrichten Medien Was von den „Eis am Stiel“-Filmen übrig blieb
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15:01 04.05.2018
Miezenalarm: Benni (Yftach Katzur, l.), Johnny (Zachi Noy, Mitte) und Bobby (Jonathan Sagall, r.) waren die Helden der „Eis am Stiel“-Filme. Quelle: United Archives/ TBM
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Hamburg

Es dauert ein wenig, bis man ihn erkennt, doch dann lacht Yftach Katzur warm. Er war der Benni in den „Eis am Stiel“-Filmen. Vier Jahrzehnte nach der Erfolgsreihe im Kino ist Katzur ein glücklicher Mann. Kein Wunder, sagt er an einem schönen Frühlingstag in Hamburg: „Ich bin jetzt der Regisseur meines eigenen Lebens.“

„Ich bin der Johnny, der dicke dicke Johnny“

Zachi Noy dagegen lacht weder warm noch scheu, sondern verbittert. Und sofort wird spürbar: vier Jahrzehnte nach „Eis am Stiel“ (1978) ist dessen anderer Hauptdarsteller ein unglücklicher Mann. In Eric Friedlers famoser Dokumentation singt er: „Ich bin der Johnny, der dicke, dicke Johnny.“

Friedler hat nach dem deutschen Boxer Charly Graf und dem pazifistischen Kämpfer Abie Nathan, nach dem unbekannten Junta-Opfer Elisabeth K. und dem verkannten Holocaust-Filmer Jerry Lewis für den NDR eine weitere Abseite des Mainstreams erkundet: „Eskimo Limon“, benannt nach einer israelischen Eissorte, der Originaltitel der „Eis am Stiel“,-Serie.

Vor 40 Jahren kam der erste Teil ins Kino und eroberte mit seiner Mixtur aus Coming-of-Age-Drama und sextriefender Pennäler-Komödie von Tel Aviv aus die Welt. Europa, Asien, Deutschland vor allem und Japan waren damals so versessen auf die Freunde der Rock’n’Roll-Ära in Israel, dass bis 1988 sieben weitere Episoden gedreht wurden.

Und da das Niveau von Jahr zu Jahr tiefer unter die Gürtellinie sank, muss die Frage erlaubt sein: Braucht es wirklich eine Doku über derartig sexistischen Mist? Nun, Eric Friedler wäre nicht er, fände er nicht ein paar triftige Gründe.

Katzur sah die Filmreihe immer kritischer

Also hat der Filmemacher die Oberfläche des Pimmelhumors untergraben und erzählt von Siegern und Verlierern. Die meisten hat Friedler auch vor die Kamera gekriegt. Katzur zum Beispiel. Der Nachwuchsschauspieler war kaum volljährig, als ihn Regisseur Boaz Davidson 1977 von der Bühne weg ans Filmset lockte und dort elf Jahre lang quasi in Geiselhaft nahm. Mit jeder Fortsetzung, erzählt Katzur im Interview und zeigt das jungenhafte Lächeln von früher, „habe ich die Reihe kritischer gesehen“, einerseits. Denn andererseits machte sie ihn zum Weltstar und „öffnet mir bis heute Türen“.

Er hat aber auch leicht reden. „Anders als bei ein paar Kollegen“, räumt der Familienvater zufrieden ein, wurde ihm sein schüchterner Benni auf der Jagd nach Liebe, Sex und Partys „nicht zur Identität“. Ganz anders bei Zachi Noy. In Friedlers Film tingelt er im Hawaiihemd durch deutsche Einkaufszentren und gibt bedrückt seinen Johnny.

Im Wettbewerb von Cannes, im Rennen um die Golden Globes

Und das ist noch gar nichts gegen die wahren Kollateralschäden des Erfolgs: Sibylle Rauch etwa, die sich infolge der liebestollen Trixi auch beruflich bald prostituierte. Oder Ophelia Shtruhl, deren Nymphomanin Stella eine hoffnungsvolle Theaterkarriere zerstörte. All diese Leute, beklagt „Eis am Stiel“-Erfinder Boaz Davidson scheinheilig, „kommen mir vor wie Überlebende dieser schrecklichen Sache“.

Das Feuilletos feierte zumindest den unschuldigen Auftaktfilm verblüffend euphorisch als Aufbegehren einer politikmüden Jugend gegen Israels erzkonservative, traditionell sachorientierte Mehrheitskultur. Für den humoristischen Etappensieg des Hedonismus in Israel war „Eis am Stiel“ daher nicht nur im Wettbewerb von Berlinale und Golden Globe – es machte die Produzenten Menahem Golan und Yoram Globus zu Global Playern des Actionkinos. Zumindest kurz.

Von Jan Freitag/RND

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