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Medien Katrin Bauerfeind will das Lesen aus piefiger Ecke holen
Nachrichten Medien Katrin Bauerfeind will das Lesen aus piefiger Ecke holen
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14:44 05.11.2017
Moderatorin und Schauspielerin Katrin Bauerfeind Quelle: Jürgen Naber
Berlin

Hier wird nicht nur Literatur gelesen, sondern auch Whats-App-Nachrichten, Hassmails oder gar lustige Grabreden: „Bauerfeind – Die Leseshow“ ist immer Sonntags zu sehen.

Ihre neue Literatursendung auf 3sat wird als „garantiert anders“ angekündigt, als Mischung aus Comedy-Reading und Late-Night-Show. Vermutlich wird dann auch nur auf E-Book-Readern gelesen?

Das Konzept sieht so aus: Ich lade pro Sendung zwei Gäste zu einem bestimmten Thema ein und wir tragen alles vor, was zu diesem Thema passt. Von Hassmails, SMSn, Gebrauchsanweisungen, Songtexten oder einer Regierungserklärung kann alles dabei sein. Stinknormale Poesie geht natürlich auch. Alles, was unterhaltsam, lustig, emotional und spannend ist, kann vorgetragen werden. Die einzige Voraussetzung ist, es muss unterhaltsam sein. Dazu gibt es launige Talks. Wie der Name „Bauerfeind – Die Leseshow“ schon sagt, ist es eine Show, mit Publikum, bei der es darum geht, die Gäste noch mal von einer anderen Seite kennenzulernen. Wo die Texte draufstehen, ist dabei nicht so wichtig.

Sehen Sie sich mit dieser Sendung eher in einer Reihe mit Denis Scheck und Thea Dorn oder mit Jan Böhmermann und Harald Schmidt?

Ich sehe mich in gar keiner Reihe, denn tatsächlich gibt es so eine Sendung im deutschen Fernsehen noch nicht. Auch die Form der Unterhaltung ist anders. Man kann bei uns innerhalb von zwei Minuten von Max Frisch auf Kindergeburtstagslieder kommen und alle haben dabei gute Laune. Ich habe das so noch nicht gesehen! Wir sind keine Ratgebersendung und machen auch keine Literaturkritik, sondern einfach gute Unterhaltung.

Ist Literatur so schnarchig, dass man das Thema mit Fragen aufpeppen muss wie „Kann man Tinder-Chats von Rosamunde Pilcher-Dialogen unterscheiden?“, wie es in der Ankündigung heißt?

Bei uns geht es ja nicht vorrangig um Literatur, sondern um die Gäste, die eben Texte zu einem bestimmten Thema performen. Tatsächlich denken in Deutschland bei Lesen aber anscheinend alle an eingeschlafene Füße, und deswegen wird es Zeit, das Thema mal aus dieser piefigen Ecke zu holen. Klaas Heufer-Umlauf macht bei uns aus DJ-Bobo-Songtexten künstlerisch anspruchsvollen Poetry-Slam, mit Bjarne Mädel habe ich eine moderne Version von „Romeo und Julia“ gespielt und mit Max Giermann und Katharina Thalbach haben wir zum Beispiel die erste lustige Grabrede, in der auch das Wort „fuck“ vorkam, vorgetragen. Das war ein ganz zauberhafter Moment, und wir haben uns gefragt, ob der Humor, gerade wenn’s dicke kommt im Leben, angebracht oder vielleicht sogar notwendig ist.

Neben Büchern sollen auch Gebrauchsanweisungen und Whatsapp-Nachrichten vorgelesen werden. Ziehen Sie irgendwo die Grenze bei dem, was sich vorzulesen lohnt?

Klar, wir lesen nur die besten Texte vor. Wir sind ja eine anspruchsvolle Unterhaltungssendung. Alles passt zum Thema und bestenfalls auch zum Gast. In der ersten Sendung zum Beispiel hat Anneke Kim Sarnau zum Thema Beziehungen den von einer Jury gewählten schönsten Liebesbrief der Welt von Johnny Cash an seine Frau vorgelesen. Vorab dachte ich: „Na ja, der Brief ist ganz nett, aber maximal Durchschnitt!“ Als Anneke ihn in der Sendung performt hat, hatten wir alle Tränen in den Augen, weil das so rührend und schön war.

Auch Hatemails sollen laut Ankündigung eine Rolle spielen. Kennen Sie das amerikanische Format „Hate Tweets“, bei dem Stars böse Tweets über sich vorlesen? Können Sie sich vorstellen, das Format zu adaptieren?

Das Format „Disslike“ gibt es ja auch bei uns im Internet. Manchmal kann das lustig sein, um rauszufinden, wie Leute mit Kritik umgehen. Aber eine ganze Sendung damit zu füllen wäre mir persönlich zu negativ und auch zu langweilig. Außerdem gibt man Leuten, die ungefiltert Hass ins Internet göbeln, damit eine unnötig große Plattform. Warum sich nur auf Hatemails beschränken, wenn es da draußen so viele tolle Sachen gibt, die man auch noch vorlesen kann?

Zur Person

Die 35-jährige Moderatorin, Schauspielerin und Autorin Katrin Bauerfeind wurde bekannt mit der Internetshow „Ehrensenf“ und TV-Auftritten bei Harald Schmidt und Stefan Raab. Die Entertainerin moderiert zahlreiche Sendungen, etwa das Popkulturmagazin „Bauerfeind“ und die Reihe „Bauerfeind assistiert…“. Die Schwäbin ist auch als Autorin und Schauspielerin erfolgreich, etwa in Matthias Schweighöfers Serie „You Are Wanted“. In „Bauerfeind – Die Leseshow“ (ab Sonntag, 21 Uhr, 3sat) liest sie gemeinsam mit prominenten Gästen aus den verschiedensten Texten vor.

Welche Rolle spielt das Vorlesen für Sie persönlich?

Ich habe zwei Bestseller geschrieben und bin mit beiden Programmen zu den Büchern auf Tour. Die Abende haben sich mittlerweile von einer klassischen Lesung zu einer Art Stand-up entwickelt, bei der ich hauptsächlich Geschichten erzähle. Aber mit Vorlesen hat alles angefangen, und ich liebe das. Ich gehöre zu den Leuten, die immer laut vorlesen, wenn was Spannendes in der Zeitung steht, und wenn ich einen Text geschrieben habe, rufe ich sofort Freunde an und frage, ob ich ihnen den bitte nur mal ganz kurz vortragen kann. Vor dem jetzigen Format habe ich außerdem für „Bauerfeind assistiert ...“ unzählige Interviews geführt, ich mag es einfach, mit Leuten zu reden. Deswegen haben wir jetzt alles, was ich gut kann und gerne mache, in meine neue Sendung „Bauerfeind – Die Leseshow“ gepackt.

Von Nina May/RND

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