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Medien „It must schwing!“ – Der Sound der Freiheit
Nachrichten Medien „It must schwing!“ – Der Sound der Freiheit
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07:00 07.12.2018
Zwei deutsche Unternehmer in Sachen Musik: Alfred Lion und Frank Wolff (links) waren Jazzverrückte in den Zeiten der Weimarer Republik, die vor den Nazis flohen und in New York das Jazzlabel Blue Note gründeten. Quelle: Foto: NDR
New York

Jazz ist diese seltsam verkopfte, zugleich impulsive Musik belesener Best-Ager mit Architektensalär. Er gilt unter Kostverächtern als vieles, was ihn für Laien unhörbar macht: elitär, verschwurbelt, intellektuell, oder auch altbacken und langweilig. Aber was wissen schon Kostverächter. Eines aber ist über den Jazz kaum zu hören: dass er ein Racheengel sei. Für Farbige im weißen Vor- und Nachkriegsamerika, sagt Herbie Hancock, „war er die beste Art der Vergeltung“. Mit dem Jazz, fügt die Jazzikone Sonntagnacht im Ersten hinzu, hätten Afroamerikaner den Rassismus der Mehrheitsgesellschaft musikalisch vergolten.

Die Subkultur der unterdrückten Schwarzen wurde zum Mainstream

Hervorgegangen aus dem Blues wurde schließlich ausgerechnet die Subkultur der Unterdrückten Mainstream. Und verantwortlich dafür, sagt der Pianist und Produzent, der erfrischend unsichtbare 78 Jahre alt ist, lachend, sind „Francis und Alfred“. So nennen neben Hancock auch Quincy Jones, Sheila Jordan und Ron Carter, Lou Donaldson, Bennie Maupin und ein knappes Dutzend anderer Jazz-Heroen die Gründer eines Labels, dem der findigste Regisseur des deutschen Dokumentarfilms ein raffiniertes Porträt widmet: Eric Friedler.

„It must schwing“ heißt seine Hommage an Francis Wolff und Alfred Lion – zwei Berliner in New York, die nach ihrer Flucht vor den Nazis das bedeutendste Jazzlabel gegründet haben. Im Genre strukturierter Improvisation gibt es schließlich niemanden von Belang, der nichts auf Blue Note veröffentlicht hat.

Und Eric Friedler hat die Überlebenden vor seine Kamera gekriegt. Alle. Nach seinen Fernsehforschungsfahrten zu Völkermordopfern, Preisboxern, Toten Hosen, zu Erich Honecker, Jerry Lewis oder „Eis am Stiel“-Stars beweist er erneut, dass abseits der Gegenwartskultur die tollsten Stories lauern.

Von den Jazz-Afficionados Wolff und Lion gibt es kaum bewegte Bilder

Produziert vom gleichgesinnten Wim Wenders wird die Geschichte von zwei Jugendfreunden erzählt, die im wilden Sog der Weimarer Republik musikverrückt werden und vor dem braunen Terror nach Amerika emigrieren, wo sie ihre Leidenschaft zur Berufung machen. Doch der Weg dorthin ist steinig – und schwer nachzuvollziehen.

Da es bis auf ein altes Interview mit Alfred Lion keine bewegten Bilder gibt, lässt Friedler ihren Werdegang animieren. Als gezeichnete Figuren, laufen sie von Erweckungserlebnis zu Erweckungserlebnis durch die Roaring Twenties, machen an Hakenkreuzen Halt und betreten Schiffe in eine Freiheit, in der die schwarze Minderheit völlig unfrei lebt.

Als jüdische Aussiedler, meint der Kolumnist Barry Singer im Film, hätten sich Wolff und Lion mit den Entrechteten Amerikas verbunden gefühlt. Bevor Blue Note den „Soundtrack der Bürgerrechtsbewegung“ lieferte und damit Weltgeschichte schrieb, sei ihr – anfangs stets pleitegefährdetes – Label auch ein Vehikel afroamerikanischer Emanzipation gewesen. Das macht „It must schwing“ nebenbei zur Geschichte von Emigration und Ausgrenzung, Solidarität und dem American Way of Life. Vor allem aber macht es den Film fast zwei Stunden lang ungeheuer unterhaltsam.

Von Jan Freitag / RND

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