Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Medien „In the Dark“ – Eine Thrillerreise ins Dunkel
Nachrichten Medien „In the Dark“ – Eine Thrillerreise ins Dunkel
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
10:31 08.05.2018
Die Vergangenheit blinzelt ständig ums Eck: Helen Weeks (MyAnna Buring) ist mittlerweile im fünften Monat schwanger. Ein Todesfall wirft sie vollends aus der Bahn. Bei ihrer Recherche stößt sie auf den dubiosen Geschäftsmann Frank Linnell (Tim McInnerny). Quelle: Foto: ZDF
Anzeige
Mainz

Die Zeiten, da Fernsehkommissare allenfalls durch Buletten-Sucht oder Schimpfwort-Tiraden mal über den Polizeidienst hinaus privates Profil gezeigt haben, sind längst passé. Vom kleinen Schmunzelkrimi bis zum großen „Tatort“ haben Ermittler heutzutage Alltagsbiografien, die auch abseits vom Mordfall reichlich Melodrama bieten. Doch nicht nur das: Im aufopferungsvollen Einsatz für Recht und Gerechtigkeit stößt praktisch jeder Serien-Cop eher früher als später auch auf eigene Dämonen. Bei Helen Weeks zum Beispiel lauern sie in ihrer alten Heimat.

Die Heldin reist an den Ort ihrer Kindheit

Ab Montag reist die Hauptfigur einer neuen BBC-Serie auf ZDFneo in Doppelfolgen aus Manchester an den Ort ihrer Kindheit. Unweit des Elternhauses werden zwei Mädchen vermisst. Der Hauptverdächtige ist mit Helens früherer Schulfreundin verheiratet. Im leitenden Inspektor erkennt ihr eigener Mann (und Kollege) seinen Kumpel aus Polizeischultagen.

Wie auf dem Land üblich scheinen hier irgendwie alle miteinander verbunden zu sein. Und dann ist die unscheinbare Polizistin auch noch schwanger, weiß aber nicht so genau, wer der Vater ist. „In the Dark“ skizziert also weit mehr als nur einen Entführungsfall in Englands nordöstlicher Provinz. Es ist auch eine Reise ins Dunkel derer, die ihn aufklären.

Die Suche nach der Normalität des Ausnahmezustands

Als Zuschauer kann man das konstruiert finden, tendenziell überfrachtet, also wenig glaubhaft. Sinnvoller jedoch ist es, die Serie im Kontext einer Fülle britischer Krimis zu sehen, die das deutsche Fernsehen gemeinsam mit jenen aus Skandinavien um etwas Grundlegendes bereichert haben: die Suche nach der Normalität des Ausnahmezustands, einer Art Bodenständigkeit im zivilisatorischen Ausbruch oder umgekehrt.

Dass sie unter der behutsamen Regie von Gilles Bannier so wirkungsvoll ausgelotet wird, liegt besonders an der schwedischen Hauptdarstellerin MyAnna Buring („Downton Abbey“), die ihrer Filmfigur eine angenehm beiläufige Angespanntheit verpasst. Es liegt aber mehr noch an Danny Bocklehurst.

Sein Drehbuch macht aus Mark Billinghams Novellen „Time of Death“ und „In the Dark“ einen Vierteiler in zwei Hälften, die einander bedürfen, ohne voneinander abhängig zu sein; die man durchaus getrennt sehen könnte, aber keinesfalls sollte.

Die Geister des Tatorts reisen Helen hinterher

An diesem Montag geht es dabei zunächst um den eigentlichen Fall zwischen Helens Vergangenheit und Zukunft, der letztlich – ohne dieses Thema kommt ein zeitgenössisch sozialkritisches Drama ja nur noch gelegentlich aus – auch mit sexuellem Missbrauch der Ermittlerin zusammenhängt. Nach seiner Aufklärung allerdings reisen ihr die Geister, die sie am Tatort gerufen hat, nach Manchester hinterher, wo aus dem beruflichen Drama endgültig ein persönliches wird.

Das ist zwar bisweilen etwas stereotyp bebildert, etwa wenn Helen in ihr gänzlich unverändertes Kinderzimmer heimkehrt und auch sonst dauernd die Autobiografie aufdringlich ums Eck einer seltsam nostalgischen Gegenwart blinzelt.

Die Synchronisation ist jenseits der Schmerzgrenze

Zugleich aber wirkt das ambivalente Selbstbewusstsein dieser gejagten Jägerin darin zu keiner Zeit so aufgesetzt, wie man es aus deutschen Formaten kennt. Ohne viel Aufhebens fahren Männer grundsätzlich auf Helens Beifahrersitz mit. Dass Papa Robert (Clive Wood) im Alter schwul lebt, wird nicht gendermoralisch aufgeladen, sondern einfach laufen gelassen. Und als ihr fragiles Leben in einer doppelten Katastrophe implodiert, spritzt ein Geifer aus ihrem Mund, der hierzulande sofort einer sendereigenen Hochglanzzensur zum Opfer fiele.

Gäbe es da nicht (noch so ein Standard des Importfernsehens) die Synchronisation weit jenseits der Schmerzgrenze des körperlich Erträglichen – „In the Dark“ wäre ein echtes Schmuckstück des landläufigen Krimimelodrams. Aber mit etwas Mühe kann man sich akustisch ja auf den vergleichsweise dezenten Soundtrack konzentrieren.

Von Jan Freitag / RND

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Immer mehr Hexen in Fernsehen und Kino: Netflix plant eine Neuauflage der Erfolgsserie „Sabrina“. Das Comeback der jungen Hexe soll noch 2018 erfolgen. Diesmal allerdings werden ihre Abenteuer spukiger als in den Neunzigerjahren.

08.05.2018

Er war als „Vater Beimer“ bekannt geworden: Schauspieler Joachim Luger steigt aus der „Lindenstraße“ aus – seine Figur findet ein dramatisches Ende.

07.05.2018

Nur 3,09 Millionen Zuschauer sahen am Sonnabend die ZDF-Show „Willkommen bei Carmen Nebel“ – die schlechteste Quote seit 14 Jahren. Eine Sondersendung wurde bereits gestrichen. Schon 2019 könnte für die Moderatorin komplett Schluss sein.

07.05.2018
Anzeige