Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Medien Gilmore Girls: So gut wird die neue Staffel
Nachrichten Medien Gilmore Girls: So gut wird die neue Staffel
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
23:03 22.11.2016
Fast zehn Jahre nach dem Ende der siebten Staffel sind die „Gilmore Girls“ zurück. Quelle: dpa
Berlin

Frau Paul, Sie sind Journalistin und Kulturkritikerin. Wie kam es, dass Sie ausgerechnet ein
Buch über die US-Fernsehserie „Gilmore Girls“
geschrieben haben?

Ich bin seit Jahren ein riesiger Fan der Serie, eigentlich seit dem Studium. Damals hatte ich noch sehr viel mehr Zeit eine Serie zu gucken als heute. Ich habe sie immer wieder gesehen. Die Idee zum Buch entstand dann durch einen Zufall: Auf einer Buchmesse stand ich am Stand des Reclam Verlages, als eine Kollegin einer Besucherin die 100-Seiten-Reihe und das darin enthaltene Heft zu der Fernsehserie „Twin Peaks“ empfahl. Ich sagte: „Dann müsste man eigentlich auch gleich ein Buch über die ,Gilmore Girls’ machen.“

Gimore Girls auf 100 Seiten – ein Werk von Karla Paul. Quelle: RND

Millionen von Fans warten nach der achtjährigen Pause gespannt auf die Fortsetzung der Serie, die am 25. November auf Netflix startet. Um die Serie ist ein ähnlicher Kult entstanden wie einst um „Sex and the City“. Was macht sie so besonders?

Es ist das Nach-Hause-Kommen-Gefühl, das sich beim Zuschauen einstellt und das viele Fans immer wieder beschreiben. Die Serie erfüllt die Sehnsucht der Zuschauer nach etwas Heimeligem. Wer die Gilmore Girls sieht, verbindet mit ihnen etwas sehr warmes, freundschaftliches. Die beiden Protagonistinnen haben Probleme, wie eigentlich jede andere Frau auch. Da ist die besondere Mutter-Tochter-Beziehung, die bei Frauen im echten Leben ebenfalls sehr oft ein Thema ist. Lorelai Gilmore hat ihre Tochter sehr jung bekommen und allein großgezogen, auch hier finden sich viele Konflikte wieder, oder anders – eine große, aber oft alltägliche Herausforderung unserer Zeit. Angesiedelt ist die Produktion im fiktiven Ort Stars Hollow, in dem sich alle kennen, zu Festen zusammenkommen und sich gegenseitig unterstützen. Das kennen viele von uns nicht mehr, zumindest nicht, wenn sie in einer Großstadt leben und nicht mal mehr wissen, wer ihre Nachbarn sind. Und natürlich können sich die Zuschauer mit den sehr sympathischen Hauptfiguren identifizieren – sie sind unterhaltsam, liebevoll, klug, politisch und feministisch. Sie könnten unsere Freundinnen sein.

Sie hatten am Donnerstagabend gemeinsam mit anderen geladenen Gästen die Gelegenheit, eine der vier neuen Folgen vorab zu schauen. Wie war das? Manchmal – man denke nur an die Kino-Verfilmung von „Sex and the City“ – gehen solche Fortsetzungen ja auch schief…

Leider ja – die „Sex and the City“-Filmfortsetzungen zur Serie fand ich damals als Fan schrecklich, um ein Beispiel zu nennen. Aber es hat auch nach fast zehn Jahren Sendepause wieder funktioniert. Die neuen Folgen knüpfen eng an die letzte Staffel an, man muss die Serie kennen, um zu verstehen, was passiert Die Fans werden viele alte Bekannte treffen und es wird wieder mindestens eben so viel Kaffee getrunken. Natürlich ist auch in der Serie viel Zeit vergangen. Rory ist mittlerweile so alt, wie ihre Mutter Lorelai zu Beginn der ersten Staffel war - 32. Da hat sich einiges verändert. Und doch ist alles geblieben wie immer. Bei der Vorführung waren im Publikum immer wieder begeisterte Rufe zu hören: „Oh, XY ist wieder da!“ – aber mehr darf und will ich natürlich noch nicht spoilern, aber es lohnt sich!

Vorpremiere in Berlin: „Diese beiden Frauen sind im echten Leben - so unglaublich das klingt - wie auch die Gilmore Girls in der Serie. Sie haben Humor, reden viel und schnell und wirken sehr warmherzig“, schwärmt Karla Paul. Quelle: dpa

Es hat sich also wenig verändert?

Die neuen Folgen - zumindest die erste, die ich gesehen habe - wirken sehr viel glamouröser, alles ist herausgeputzt und glänzt und leuchtet. Die Ausstattung ist perfekt. Die Hauptdarstellerinnen tragen mittlerweile zum Beispiel ähnlich teure und wunderschöne Kleidung wie Sarah Jessica Parker in „Sex and the City“ und sind perfekt geschminkt. Das unterscheidet sich natürlich etwas vom Beginn der Serie, in der beide noch alltäglicher gekleidet waren. Aber ich denke, das ist Absicht: Die Fans sollen das Wiedersehen genießen und richtig feiern können.

Also konnte sich auch das alte, von Ihnen viele beschriebene Gilmore-Girls-Gefühl wieder einstellen?

Glücklicherweise konnte für die Umsetzung erneut Serienschöpferin Amy Sherman-Palladino gewonnen werden. Es sind viele Figuren von früher wieder mit dabei. Die Gilmore Girls sind feministisch, widerspenstig, trotzig - sie machen was sie wollen. Sie vermitteln: Du kannst alles machen, was du willst, für dein Herz, für deinen Kopf, du findest immer neuen Mut - wenn du nur an dich und deine Freunde glaubst. Zusammen rockt ihr das. Auch die neue Staffel steckt wieder voller Frauenpower. Darauf darf man sich freuen.

Bei der Vorführung haben Sie zum ersten Mal auch die beiden Hauptdarstellerinnen Lauren Graham und Alexis Bledel getroffen. Wie war das für Sie?

Ich habe es natürlich so gemacht, wie die meisten Fans: Ich habe meine beste Freundin mit zu der Vorführung genommen. Und dann waren da die Hauptdarstellerinnen: Diese beiden Frauen sind im echten Leben – so unglaublich das klingt – wie auch die Gilmore Girls in der Serie. Sie haben Humor, reden viel und schnell und wirken sehr warmherzig – und sie sehen natürlich sehr hübsch aus. Alexis Bledel wirkt vielleicht noch ein bisschen schüchterner als Rory es ist. Dadurch, dass beide den Seriencharakteren sehr ähnlich sind, hatte man das Gefühl, man tritt tatsächlich in die Serie ein – das war eine wortwörtlich unglaubliche Situation!

Buchautorin Karla Paul (33) Quelle: Karla Paul /Twitter

Sie haben in Ihrem Buch die Besonderheiten beschrieben, unter anderem die klugen und gewitzten Dialoge, die zahlreichen Film- und Literaturzitate, die politischen und feministischen Bezüge, die sich durch eigentlich alle Staffeln ziehen. Andere hingegen bezeichnen die Serie als Kitsch. Ärgert Sie das?

Das kommt ganz darauf an, wie man das sieht. Ich mag es auch nicht, wenn Liebesromane als Kitsch bezeichnet werden. Ich finde es legitim, wenn sich Menschen nach Harmonie sehnen und der Welt für einige Stunden entfliehen wollen – vor allem in Zeiten, in denen man sich Sorgen macht, ob jemand wie Donald Trump jederzeit die Atomcodes verwendet und ähnliche Katastrophen drohen. Stars Hollow ist so ein Zufluchtsort. Serien wie die Gilmore Girls haben in einer Welt, in der der Alltag immer stressiger wird, absolut ihre Berechtigung. Ich kann nichts Negatives daran finden. Man muss sich nur anschauen, mit welchem großartigen Lovestorm die Rückkehr der Produktion derzeit weltweit erwartet und gefeiert wird. Das ist fast ein bisschen wie in der Serie, wenn Lorelai Gilmore sagt „I smell snow (Ich rieche Schnee“) und dann rieseln die ersten funkelnden Flocken vom Himmel - und alles ist verzaubert.

Ist dieser Satz auch eines Ihrer Lieblingszitate?

Ja. Aber es gibt noch ein Zweites: Als Rory ihre Abschlussrede an der Highschool hält, sagt sie „I live in two worlds. One is the world of books (Ich lebe in zwei Welten. Eine ist die Welt der Bücher)“. Literatur spielt in der Serie eine sehr große Rolle. Und das berührt wiederum auch mein Leben. Dieser positive, mittlerweile in unserer Gesellschaft sonst leider selten gewordene Literaturlobbyismus hat mich von der ersten Folge an sehr begeistert.

Zur Person:

Karla Paul (33) ist freiberufliche Journalistin und Verlegerin für zwei Digitalverlage. Sie schreibt neben ihrem Blog für Onlinemagazine wie die Thalia Stories und den Piper Verlag, empfiehlt Bücher im NDR und in der ARD. Außerdem moderiert sie Lesungen und Literaturveranstaltungen. Sie gilt als neue, ernst zu nehmende Stimme in der Literaturkritik. Sie hat das Buch „Gilmore Girls.100 Seiten“ geschrieben.

Von RND/Dany Schrader

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Das ARD-„Mittagsmagazin“ kommt künftig aus Berlin: Der RBB schnappt dem BR nach Informationen dieser Zeitung die Zuständigkeit für die werktägliche Sendung weg. Auch das ZDF erwägt, das „Mittagsmagazin“ nach Berlin zu verlagern.

22.11.2016

Für ihre Rolle im ARD-Film „Unterm Radar“ ist die deutsche Schauspielerin Christiane Paul mit dem Internationalen Emmy als beste Hauptdarstellerin ausgezeichnet worden. Zwei weitere Emmys gehen ebenfalls nach Deutschland.

22.11.2016

Wenig Neues, viel Erwartbares: So lässt sich kurz und knapp der Besuch der Bundeskanzlerin in der Talkshow bei Anne Will auf den Punkt bringen. Zumindest gewährte Angela Merkel auch einige private Einblicke.

21.11.2016