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Nachrichten Medien Der Skater aus der „Höhle der Löwen“
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12:18 03.09.2018
Stehauf-Natur: Frank Thelen fuhr seine erste Firma mit Karacho gegen die Wand. Daraus hat der Show-Investor aus „Die Höhle der Löwen“ gelernt. Quelle: imago/APress
Köln

Frank Thelen weiß, wie es sich anfühlt, krachend zu scheitern. Nicht einfach nur zu stolpern oder hinzufallen, sondern mit vollem Karacho gegen die Wand zu fahren. Er ist Mitte 20, da geht seine Firma twisd insolvent. Thelen hat plötzlich eine Million Euro Schulden und weiß genau, wem er das zu verdanken hat – sich selbst vor allem.

„Ich war überheblich und arrogant gewesen, hatte auf Menschen herabgeblickt und das Geld anderer Leute verschwendet“, schreibt er in seiner Autobiografie „Startup-DNA – Hinfallen, aufstehen, die Welt verändern“, die wenige Tage vor dem Start der neuen Staffel „Die Höhle der Löwen“ (ab 4. September, immer dienstags, um 20.15 Uhr) erschienen ist.

Die Erfahrung aus jungen Jahren verlässt Thelen nicht mehr

Für viele wäre es das gewesen. Aus der Traum vom eigenen, erfolgreichen Startup. Auch Thelen versteckt sich erst mal wochenlang in seinem alten Kinderzimmer, hat täglich Nasenbluten, Hautausschlag am ganzen Körper. Dass er sich heute bei „Die Höhle der Löwen“ von einem bequem Stuhl aus die Ideen anderer Leute anhören und dann entscheiden kann, ob er ihnen Geld gibt oder nicht, liegt nicht zuletzt an seiner Skater-Jugend. Zumindest sieht Thelen das so. Denn beim Skaten muss man oft erst mal hinfallen, um einen neuen Trick zu lernen. Man lernt, dass Erfolg auch mit Schmerz verbunden sein kann.

Thelen einigt sich mit der Bank auf einen Vergleich. Anstatt in die Privatinsolvenz zu gehen, wird er jeden Monat 500 Euro zurückzahlen, solange bis die Bank 60 000 Euro von ihm bekommen hat. Mit 26 Jahren, schreibt er, beginnt sein zweites Leben. Thelen wird wieder gründen, viel Geld verdienen, anderen als Investor beim Gründen helfen. Doch die Erfahrung aus jungen Jahren verlässt ihn nicht mehr: „Wer so hart aufschlägt wie ich, der ist für alle Zeiten geerdet.“

Ohne Investoren wird aus den meisten Ideen nicht viel

Jeder kennt die Geschichten der legendären Garagen-Gründungen. Die Mythen rund um Bill Gates und Microsoft, die Google-Gründer und Steve Jobs. Doch die Namen der Investoren, die all das mit ihrem Geld möglich gemacht haben, kennt fast niemand.

Dabei sind es oftmals erst die Investoren, die von einer Idee überzeugt sein müssen, sonst wird daraus nicht viel. Auch Frank Thelen hatte schon vor „Die Höhle der Löwen“ viel erreicht. Sowohl als Gründer (zum Beispiel ip.labs mit seinem Online-Foto-Dienst – verkauft an Fujifilm), aber auch als Investor. Zum Promi machte ihn aber erst die Show bei Vox.

Noch heute sagt Thelen, sei es ein komisches Gefühl, sein Gesicht in der Presse zu sehen. Als er am Tag nach der ersten Ausstrahlung am Münchener Flughafen von einer Gruppe kreischender Mädchen erkannt und nach Selfies gefragt wurde, fühlte er sich „wie im falschen Film“. Mittlerweile hat sich Thelen besser an seinen Promi-Status gewöhnt – und sagt, er bemühe sich, kein arroganter Typ zu werden.

Der erste Tag am TV-Set war ein Kulturschock für Thelen

Auch der Aufwand, mit dem „Die Höhle der Löwen“ produziert wird, ist ihm nicht mehr so fremd. Beim ersten Mal war es noch ein Kulturschock: Hundert Leute am Set, darunter einer, der nur für das Feuer im Kamin zuständig ist – nicht gerade ein schlankes, effektives Startup. Thelen hatte Fluchtgedanken, war sich unsicher, ob er in die Fernsehwelt passt.

Warum er das gemacht hat? Weil die Zeit für einen Neustart gekommen war, sagt Thelen. Und natürlich profitieren er und seine Unternehmen auch von seiner neuen Bekanntheit. Dazu hat die Show seinen Horizont als Investor erweitert. Früher war Thelen ausschließlich der Tech-Guy. Seine Unternehmen, sie drehten sich alle um das Internet, um Software und Apps. Durch „Die Höhle der Löwen“ hat er nun eine ganze „Food Family“ im Portfolio. Dafür musste er sich alltägliche Dinge wieder bewusst machen: Er habe in seiner Online-Blase „völlig vergessen, dass es Supermärkte gibt“ und „Menschen so unfassbar viel essen“, sagt er. 2018 soll die „Food Family“ hundert Millionen Euro Umsatz machen.

Doch sein Herz scheint immer noch vor allem für die Geeks zu schlagen, für neue Technologien wie künstliche Intelligenz (KI) oder Quantencomputing. Das sieht man auch daran, dass es in seiner Autobiografie plötzlich gar nicht mehr wirklich um ihn geht. Stattdessen fängt Thelen an, Technologien wie die Blockchain zu erklären.

Thelen widmet sich der Zukunft Deutschlands

Nach dem Gründen, dem Investieren, widmet sich Thelen nun der Zukunft Deutschlands. Hier, mahnt er, wurden alle großen Neuerungen der letzten Vergangenheit verschlafen. Die Nase vorne haben amerikanische und chinesische Unternehmen. Thelen warnt: Auch von den nächsten Entwicklungen wie KI, 3D-Druck oder Robotics könnte Deutschland offenen Auges wie von einem „technologischen Tsunami“ überrollt werden. Schuld daran sei unter anderem eine verfehlte Politik. „Wir brauchen dringend junge, dynamische Politiker, die noch nicht „vom System“ glattgebügelt wurden“, sagt er. Dass die Menschen ihm, Thelen, dabei nun zuhören, liegt nicht zuletzt an „Die Höhle der Löwen.“ Frank Thelen: „Startup-DNA – Hinfallen, aufstehen, die Welt verändern“, Murman Publishers, 288 S., 22 Euro

Von Anna Schughart / RND

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