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Medien Wild mit Federboa – Arte-Doku über Janis Joplin
Nachrichten Medien Wild mit Federboa – Arte-Doku über Janis Joplin
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12:00 04.01.2018
Eine Sängerin mit Inbrunst: Janis Joplin wurde in den Sechzigerjahren eine der prägenden Gestalten der jungen Rockmusik. Quelle: Foto: imago
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„Brich ruhig ein weiteres kleines Stück von meinem Herzen ab“, das klingt erstmal wie eine Zeile aus einem Schlager. Aber wenn Janys Lyn Joplin „Piece of my Heart“ sang, ein Soul-Original von Erma Franklin, bebte in diesen Worten der Furor einer verlassenen, verletzten, in zu großen Gefühlen verbrennenden Frau. Janis Joplin lebte ihre Songs aus. Sie hatte eine Stimme aus Sehnsucht und Sandpapier, der man ergriffen lauschte, ob sie nun in Kris Kristoffersons „Me and Bobbie McGee“ die Freiheit eines vergangenen Hobo-Daseins beschwor oder sich in „Mercedes Benz“ vom Lieben Gott eine Nobelkarosse wünschte – mit einem abschließend hexenhaften Kichern.

Die Doku zeigt auch die scheue Janis

Wie Jimi Hendrix und Jim Morrison war Janis Joplin eine der herausragenden Gestalten der Hippiekultur in den späten Sechzigerjahren und starb wie diese beiden bereits mit 27 Jahren: Joplin, eine der größten Rocksängerinnen aller Zeiten. Mit ihrer Stimme, ihren schrillen Klamotten und ihren Alkohol- und Drogenexzessen kultivierte die aus einer Kleinstadt in Texas stammende Künstlerin einen von Sex, Drugs and Rock ’n‘ Roll bestimmten Lebensstil, der eine ganze Generation inspirierte.

Doch die wilde Janis mit den vielen Ketten um den Hals und der violetten Federboa im Haar hatte auch eine ganz andere, nachdenkliche und fast schüchterne Seite, wie der hervorragende amerikanische Dokumentarfilm „Janis: Little Girl Blue“ auf Arte zeigt. Mit Archivbildern, Konzertmitschnitten und wenig bekannten Privataufnahmen der Sängerin schildert die Dokumentation den Aufstieg und Fall einer Rockikone: Die unangepasste Außenseiterin aus Port Arthur in Texas entdeckte als Mädchen den Blues und ihre phänomenale Stimme, riss nach San Francisco aus und erlebte 1967 beim berühmten Musikfestival in Monterey mit gerade mal 24 Jahren ihren Durchbruch.

Betrunken in Woodstock

Es folgten rauschhafte Jahre als erfolgreiche Rocksängerin und angebetete Stilikone, die 1969 im Auftritt beim legendären Woodstock-Festival gipfelten, bei dem eine stark aufgeschwemmte und ziemlich betrunkene Janis Joplin vor Hunderttausenden Zuschauern allerdings keine gute Figur abgab. Ein Jahr später fand der Manager ihrer dritten Band Janis Joplin tot auf dem Fußboden eines Hotelzimmers in Los Angeles.

Kommentiert wird die Chronologie eines turbulenten Rockstarlebens über weite Strecken von Janis Joplin selbst: Die von einer Sprecherin vorgelesenen Zitate aus zahlreichen intimen Briefen der Sängerin an Freunde, Liebhaber und vor allem ihre Familie in Port Arthur in Texas zeigen eine von Selbstzweifeln und unerfüllten Sehnsüchten innerlich zerrissene junge Frau, die ihren kometenhaften Aufstieg intelligent reflektierte und sich bei aller Verachtung für das ihrer Ansicht nach spießbürgerliche Milieu, aus dem sie stammte, doch auch immer nach Anerkennung von Eltern und alten Freunden sehnte. Ergänzt werden die Briefpassagen von Interviews mit Menschen, die Janis Joplin gut kannten, darunter ihre Geschwister, musikalische Weggefährten, eine frühere Geliebte und ein früherer Liebhaber. Sichtbar werden Joplins abgebrochene Herzensstücke.

Ein Tequila mit Salz und Zitrone – sonst platzt das Konzert

Zu sehen sind auch Ausschnitte des einzigen Konzerts, das Janis Joplin in Deutschland gab: Im April 1969 trat sie in der Jahrhunderthalle in Frankfurt am Main auf. Ein Konzert, an das sich Veranstalter Fritz Rau später mit gemischten Gefühlen erinnerte: Kurz vor dem Auftritt verlangte Janis Joplin einen Tequila mit Salz und Zitrone, der sich aber in der ganzen Jahrhunderthalle nicht auftreiben ließ. Auf die Drohung der Sängerin, in diesem Fall nicht aufzutreten, reagierte Rau gelassen und erklärte ihr, dass das für sie teuer werden könnte. Also ging die berühmte Sängerin mit ihrer Band doch auf die Bühne, und der Abend war gerettet.

Von Martin Weber

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