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Medien „Krügers Odysee“ – Ein Obelix ohne Zaubertrank
Nachrichten Medien „Krügers Odysee“ – Ein Obelix ohne Zaubertrank
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18:00 04.01.2018
Drei Ur-Berliner im Süden: Krüger (Horst Krause, Mitte), Ecki (Jörg Gudzuhn, rechts) und Bernd (Fritz Roth) finden das Herz von Hellas. Quelle: Foto: ARD
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Hannover

Der Freitagabend ist die Zeit, wo auch im Fernsehen die Wirklichkeit ganz leise über Bord geht – denn mit dem Wochenende vor der Brust steigt in den Wohnzimmern der Hunger auf Geschichten jenseits eines Neun-bis-fünf-Büroalltags. Horst Krause ist der Freiheitskämpfer dieses Ausbruchs aus den bürgerlichen Zwängen, gerne konzentriert er sich auf jene Freiheit, zu essen, was er will. In jeder Menge.

Opa kennt die Welt nur vom Fernsehen

Krause spielt Paul Krüger, er soll nach Griechenland, um dort den Vater von Annie (Anna Hausburg), seiner Enkelin, zu finden. Denn sie will heiraten – bald kommt ihr Baby, dem Ungeborenen hat sie versprochen, dass zum Fest die ganze Sippe eingeladen wird. Auch ihr eigener Vater, den sie nie gesehen hat. Ihre Mutter hatte eine Liebschaft, als sie in Griechenland auf Reisen war, doch als sie merkte, dass sie ein Kind bekommt, war sie schon wieder in Berlin. Krügers Enkelin wuchs ohne Vater auf, zur Hochzeit will sie ihn nun kennenlernen. Darf aber wegen ihrer Schwangerschaft nicht mehr ins Flugzeug. Deniz, der Mann an ihrer Seite (Emre Aksizoglu), will sie nicht alleine lassen, denn das Kind könnte schon in den nächsten Tagen kommen.

Also muss der Opa ran. Raus nach Griechenland. Opa Krüger, der die Welt nur aus dem Fernsehen kennt, der den Kiez nur ungerne verlässt und der sein Bild der Griechen treu von Wolfgang Schäuble übernommen hat: Er wiegt das Land in Euro auf und kommt zum Schluss: Dort ist kein Staat zu machen.

Die Drei vom Stammtisch auf Irrfahrten

Der Film von Regisseur Marc-Andreas Bochert (der mit Ulla Ziemann auch das Drehbuch schrieb) heißt „Krügers Odyssee“, das verweist auf die Irrfahrt im altgriechischen Epos von Homer. Ja, das ist eine Irrfahrt für Krüger, mental und geografisch, mitunter comichaft wie aus den Asterix-Geschichten. Krüger fährt zusammen mit seinen Stammtischbrüdern Ecki (Jörg Gudzuhn) und Bernd (Fritz Roth). Unbestritten ist, dass Krause in der Opa-Krüger-Rolle rein von der Figur zum Obelix tendiert. Doch ihm fehlt der Zaubertrank, denn er kriegt kein Pils vom Fass in Griechenland. Dieses Manko lähmt zunächst die Schaffenskraft.

Die Busfahrer streiken, der Taxifahrer möchte 150 Euro für den knappen Weg, das schlägt auf die Moral und schröpft die Boule-Kasse, aus der die Stammtischbrüder ihre Reise finanzieren. Und es nährt ein Vorurteil: Nichts klappt in Griechenland.

Das Herz der Griechen schlägt am rechten Fleck

Wer einen Film im besten Sinne mit Humor und Hintersinn ins Abendprogramm setzt, der braucht Klischee, die er dann wieder schnell entschärfen muss, denn Häme für das arme Griechenland vom reichen Deutschland, das reicht in unseren sensiblen Tagen, um die EU zu sprengen. Also wird viel Gastfreundschaft im Griechen-Film platziert, das Herz des Volkes schlägt am rechten Fleck, dieser Kernsatz wird dick unterstrichen.

Es braucht wohl einen wie Horst Krause, um die Griechen zu verstehen. Krause ist für sich genommen ja der Anti-Grieche, kein klassischer olympischer Athlet, kein Lebemann, der sich den Wein im Hafen schmecken ließe oder lax auf die Bewegungen des Kontos schaut. Krauses Reservat ist Alt-Berlin mit all der einsilbigen Ruppigkeit. Eine feste Hand hat er auf seinem Portemonnaie, natürlich ist das überzeichnet, dennoch taugt Horst Krause auch als Krüger wieder zum Charakterdarsteller. Er schafft das mit minimalen Mitteln, gerne auch, wenn sein Reden ins Raunen rutscht. Diese radikale Rolleninterpretation kennt man aus dem Brandenburger „Polizeiruf“, den er jahrelang geprägt hat. Seine Nebenmänner aber fallen ab in „Krügers Odyssee“, sie werden nicht gefordert, müssen schusselig mit ihren Augen rollen oder ungelenk zur Bouzouki tanzen.

Ein Gemütsstück, das von Urlaubsbildern geprägt ist

In „Krügers Odyssee“, das quasi die Fortsetzung von „Krüger aus Almanya“ aus dem Jahr 2016 ist, fehlt leider Biss und Anarchie der Drehbücher des „Polizeirufs“, doch man muss trennen zwischen den verschiedenen Gewichtsklassen. Opa Krüger spielt in einem Gemütsstück, das von Urlaubsbildern geprägt ist, Kommissar Krause aber steckte in Mord und Totschlag. So ist es folgerichtig, dass Krüger irgendwann die Griechen liebt, mehr jedenfalls als jene deutschen Aussteiger, die auf Griechenlands Inseln morgens um sechs schon Ziegenmilch trinken.

Von Lars Grote / RND

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