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13:05 06.06.2017
Eine Familie als Band: Mutter Marit (Maja Schöne) mit Jonas (Benno Fürmann) und den Kindern Luis (Max Boekhoff) und Selma (Maria Matschke). Quelle: Foto: ARD
Hannover

Wer angesichts dieses Titels eine Familienkomödie der üblichen Art erwartet hat, der wird sich verwundert die Augen reiben: So verblüffend leicht und locker, so selbstverständlich wird hier von einem neuen Familien- und Beziehungskonzept erzählt, von einer Alternative zur klassischen Ehe, die den Partnern neue Freiräume eröffnet – ohne Lügen, aber dennoch mit gewissen Regeln. Und weil das Ganze zum Glück doch nicht völlig reibungslos verläuft, wirkt die Geschichte sogar erstaunlich glaubhaft.

Vorausgesetzt man glaubt zumindest ein bisschen an das Gute im Menschen – an die Kraft der Worte, der Toleranz und der Familie. Und nicht zuletzt an die Liebe. Ja, es ist wirklich fast zu schön, um wahr zu sein, was uns das seit langem perfekt eingespielte und mehrfach mit Preisen ausgezeichnete Duo Stefan Krohmer (Regie) und Daniel Nocke (Drehbuch) in „Neu in unserer Familie: Zwei Eltern zu viel“ (Mittwoch, 20.15 Uhr, ARD) und in der Fortsetzung am kommenden Freitag („Ein Baby für alle“, 20.15 Uhr, ARD) erzählt. Und das mit Akteuren, die so sympathisch daherkommen, dass der Zuschauer sich trotz deren radikal ungewöhnlichen Verhaltens schnell mit ihnen identifiziert. Was nicht zuletzt auch an den durchweg exzellenten Dialogen und an vielen fein beobachteten kleinen Details liegt.

Man kann doch über alles reden. Oder nicht?

Im Mittelpunkt stehen anfangs Marit (Maja Schöne) und Jonas (Benno Fürmann). die seit 14 Jahren ohne Trauschein zusammenleben. Die beiden haben zwei gerade in der Pubertät steckende Kinder: die erstaunlich kluge Selma (Maria Matschke) und ihren eher schüchternden älteren Bruder Luis (Max Boekhoff). Da Marit eine neue Arbeitsstelle in Berlin gefunden hat, ist die gesamte Familie nun dorthin gezogen. Jonas hat dafür seinen Job in Köln gekündigt, ist nun erst einmal arbeitslos und kümmert sich um die Familie. Eine Familie, die, wie gleich die Anfangsszene vorführt, vorbildlich gut harmoniert und in der man zudem über alles offen reden kann. Was nicht immer ganz einfach ist.

Denn angeregt von einem kleinem Seitensprung Marits beschließt sie mit Jonas, etwas Neues in ihrer Beziehung auszuprobieren: Eine offene Ehe, bei der man sich seine Freiheiten allerdings nicht außerhalb der Partnerschaft nimmt, sondern sie neu in die Familie einbringt. Und dabei wollen sie auch vor ihren Kindern keine Geheimnisse haben. Aus diesem theoretischen Vorhaben wird dann gleichsam ein ganz reales Projekt, das im Film Züge eines doch eine Spur vielleicht zu idealisierten Vorzeigeprojekts trägt. Da spürt man einfach etwas zu sehr die gute pädagogische Absicht der beiden Filmemacher.

Der Neue hat auch zwei Kinder

Jonas lernt nämlich bei einem Besuch in Köln die lebenslustige Johanna (Inez Bjørg David) kennen, die schnell so handelt, als ob sie selbstverständlich zur Familie gehört. Ja, sie kümmert sich sogar um Jonas alte Eltern, als sein Vater einen Herzinfarkt erleidet. Und taucht dann auch plötzlich in Berlin auf, um endlich mal Jonas Familie mal kennenzulernen. Ein keckes Verhalten, das besonders die Kinder anfangs arg irritiert. Doch da sie schnell spüren, dass dadurch ihre Familie keineswegs bedroht ist, arrangieren sie sich bald damit.

Doch als dann mit dem Musiker und Marits Liebhaber Christian (Henning Baum) noch ein weiteres Mitglied neu in die Familie kommt, der dann auch noch zwei Kinder mit einbringt, und ihre Mutter gar von ihm ein Baby erwartet, droht dieses unkonventionelle Beziehungsprojekt zu scheitern.

Aber auch das regelt sich schließlich auf wunderbare Weise, wie ja schon der Titel des zweiten Teils verrät. Und wenn sich tatsächlich alle Menschen so vorbildlich verhalten würden wie in diesem sehenswerten Film, dann wären schlagartig alle Familien- und Ehe-Therapeuten arbeitslos.

Von Ernst Corinth

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