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Medien Es wird düster: Sherlock und Watson ermitteln wieder
Nachrichten Medien Es wird düster: Sherlock und Watson ermitteln wieder
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12:52 03.06.2017
Sherlock (Benedict Cumberbatch) versucht den schmerzhaften Verlust seines Freundes Dr. John Watson selbstzerstörerisch mit Drogen zu betäuben. Quelle: Foto: ARD
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Hannover

Er ist ein zwanghafter Besserwisser. Ein notorischer Nörgler, der manisch alles unter die Lupe nimmt. Ein neurotischer Sonderling, der die Realität nur unter Drogen erträgt. Ständig im Konflikt mit sich selbst, fast so wie Shakespeares Heinrich V., der zwar gegen Frankreich in den Krieg zog – und doch am meisten mit sich selbst, seinem größten Feind, zu kämpfen hatte. Das klingt übertrieben, doch Sherlock ist nun mal ein Meister der Übertreibung. In Selbstmitleid badend, schwingt er in seinem verstaubten Londoner Appartement die Pistole. „Noch einmal stürmt, noch einmal, lieben Freunde! Sonst füllt mit toten Englischen die Mauer!“ Dazu tönt auch noch Beethovens. 9. durch die Bakerstreet – The Game is On!

Die Autoren Mark Gatiss und Steven Moffat hatten die vierte als die düsterste aller „Sherlock“-Staffeln angekündigt. Doch bevor aus dem Spiel bitterer Ernst wird, twittert der ansonsten so brillante Meisterdetektiv sich gelangweilt durch die Anfangsszenen der ersten Folge, futtert Ingwerkekse und muss für den Nachwuchs von Mary (Amanda Abbington) und John Watson Babysitter spielen. Nachdem Sherlock und Dr. Watson Ostern vergangenen Jahres einen Ausflug ins viktorianische London gemacht hatten, sind die Bakerstreet-Boys, Benedict Cumberbatch und Martin Freeman alias Sherlock Holmes und Dr. Watson, für drei finalen Folgen zurück im hier und jetzt, um das zu tun, was sie am besten können. Verbrechen aufklären. Schreibtischarbeit sozusagen.

Das Rätsel der zerbrochenen Büsten

Doch irgendwas ist anders. Und so beginnt die erste Folge, in der es zunächst gilt, das Rätsel der sechs zerbrochenen Thatcher-Büsten aufzuklären, mit dem Gleichnis von Samarra. In dem begegnet ein Kaufmann auf dem Markt von Bagdad dem Tod. Der Kaufmann fliegt nach Samarra, doch der düstere Geselle wartet auch dort bereits auf ihn. Will sagen: Niemand kann seinem Schicksal entfliehen. Sherlocks Schicksal heißt Moriarty (Andrew Scott). Wie ein Besessener sehnt der Meisterdetektiv diesen geradezu herbei. Alles scheint sich um die Frage zu drehen, wann Sherlocks Nemesis wieder auftaucht und wie er es möglicherweise geschafft hat, seinen Tod am Ende von Staffel drei nur vorzutäuschen.

Die viertel Staffel endet mit dem „finalen Problem“: Über Pfingsten zeigt die ARD die drei neuen Folgen der offenbar letzten „Sherlock“-Staffel. Doch Fans spekulieren bereits: Ist eine Fortsetzung tatsächlich ausgeschlossen?

Doch zunächst steht Mary im Vordergrund und damit – wie sollte es anders sein – im Visier. Erneut wird ihr früheres Leben als Agentin zum Thema und Problem für sie selbst und andere. Ein eleganter Kniff der Autoren, rücken sie im gleichen Zug endlich die Beziehung zwischen Sherlock und Watson in den Fokus. Während der eine sich versucht freizuschwimmen, merkt Sherlock immer mehr, wie sehr er Watson doch eigentlich braucht. Ist der Nerd mit der Geige am Ende doch nur ein Mensch aus Fleisch und Blut? Einer, der es genießt, wenn er mal wirklich gebraucht wird, und der für seinen besten Freund sein letztes Hemd, wenn nicht sogar sein Leben geben würde?

Der sterbende Sherlock

Als Watson alles zu verlieren scheint und er Sherlock dafür die Schuld gibt, versinkt dieser in Depressionen und immer selbstzerstörerisch werdenden Drogenexzessen. Zeitweise wohnt sein Dealer mit in der Bakerstreet 22. Im Rausch erscheint Sherlock eine neue Klientin. Sie ist sich sicher, dass ihr Vater, der Geschäftsmann Culverton Smith, grandios teuflisch gespielt von Toby Jones, einen Mord begangen hat. Nur wen er getötet haben will, daran kann sich Elisabeth (Sian Brooke) nicht mehr erinnern. Um den Serienmörder zu entlarven – und um Watsons Freundschaft zurückzugewinnen –, riskiert Sherlock sogar den eigenen Tod. Schon bei Sir Arthur Conan Doyle täuschte der Titelheld in „Der sterbende Sherlock“ die eigene Vergiftung vor, um dem Mörder ein Geständnis zu entlocken.

Die härteste Herausforderung

Natürlich überlebt Sherlock, denn es muss ja noch eine dritte Folge bespielt werden: „Das letzte Problem“. Damit erwartet Sherlock seine letzte und härteste Herausforderung. Aber, so zitiert Watson zu Beginn der Folge Oscar Wilde: „Die Wahrheit ist nun mal selten schlicht und niemals einfach.“ Kaum gesagt, explodiert die lieb gewonnene Wohnung in der Bakerstreet und die zwei werden in ihr nächstes Abenteuer katapultiert. Das heißt Eurus, so wie in der griechischen Mythologie der Ostwind, und entpuppt sich das intelligenteste – und gefährlichste – der Sherlock-Kinder. Die Begegnung mit der totgeglaubten Schwester auf der Gefängnisinsel Sherrinford ist wohl Sherlocks persönlichste Begegnung. Eine Begegnung von Samarra.

Die Sendetermine

Sonntag – 4. Juni, 21:45 Uhr, Das Erste – Die sechs Thatchers

Montag – 5. Juni 21:45 Uhr, Das Erste – Der lügende Detektiv

Sonntag – 11. Juni, 21:45 Uhr, Das Erste – Das letzte Problem

Alle lieben Sherlock! Was macht diese Figur so reizvoll?

  • Die Zeitlosigkeit: Die Romane von Sir Arthur Conan Doyle spielen im 19. Jahrhundert. Die BBC-Serie tauscht die Kutschen problemlos gegen U-Bahnen und stattet den Meisterdetektiv mit technischen Hilfsmitteln aus. Sherlock Holmes war schon im Original aus der Zeit gefallen, deshalb lässt er sich so leicht in eine andere Epoche verpflanzen.
  • Der Triumph des Intellekts: Doyle hat bereits im 19. Jahrhundert eine Figur geschaffen, die wie eine Internetsuchmaschine Informationen kombiniert und ein Ergebnis ausspuckt. Die BBC-Serie illustriert diese Vorgehensweise in Form von Infohappen, die wie auf einem Bildschirm hin- und hergeschoben werden.
  • Der menschliche Makel: Arthur Conan Doyle machte Sherlock zum Dauerpfeifenraucher mit einer Schwäche für Kokain und Morphium. Sherlocks Geist mag wie eine Maschine funktionieren, doch sein suchtgeplagter Körper macht ihn zum Menschen. Eine dunkle Seite gehört eben zu jedem faszinierenden Helden.
  • Very British: Sherlock Holmes ist so britisch wie der Fünf-Uhr-Tee und After Eight. BBC-Autor Toby Finlay sagt: „Die Amerikaner haben Superman, Batman und damit den Kanon der Comic-Heftfolklore. Unsere legendären Helden sind Sherlock Holmes, James Bond und vielleicht König Arthur.“
  • Diese Arroganz! „Ich gehe nicht weiter ins Detail, denn die Chancen stehen nicht schlecht, dass Sie es ohnehin nicht verstehen würden.“ So antwortet Sherlock einmal auf die Frage nach seinen Methoden. Sherlock ist ein schrulliger Soziopath – und gerade deshalb eine Sehnsuchtsfigur. may

Von Nora Lysk/RND

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