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Ein Festival für die Jackentasche - Das Thalia Gardens in Dresden startet am Donnerstag

Ein Festival für die Jackentasche - Das Thalia Gardens in Dresden startet am Donnerstag

"Das Thalia Gardens ist kein Open Air Festival", betont Konzertorganisator Paul Simang (Sunset Mission). Nach all den Sommerfestivals, die im Wasser ersoffen oder vom Gewitter zerzaust worden sind, findet das 3-Tage-7-Bands-Programm (19.-21.7.) größtenteils überdacht im Saal und im Foyer des Thalia-Kinos statt.

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Szene aus dem Film "Grandma Lo-Fi. The Basement Tapes of Sigrídur Níelsdóttir", der morgen gezeigt wird.

Quelle: Verleih/PR

Aber weil Freiluftkonzerte im Sommer Pflicht sind und das Thalia-Kino einen Garten hat, wird auch der bespielt. Jeweils ein Act tritt dort am Abend auf, plus einem Dresdner Überraschungsgast am Klavier. Gemeinsam mit Kinobesitzer Stephan Raack feiert Simang auf kleinster Fläche "drei Jahre erfreuliche Arbeitsbeziehung". Dafür befreien sie das Foyer-Café sogar von Tischen und Stühlen und bitten zum Tanz.

Wer die Thalia-Konzertreihe verfolgt, der weiß, hingehen lohnt vor allem wegen der unbekannten Künstler. Neben der isländischen Indie-Pianistin Sóley (auch Mitglied der Band Seabear) und dem international besetzten Folk-Projekt Mighty Oaks ist vermutlich der Auftritt der amerikanischen Exzentrikerin Baby Dee ein Highlight. Die Transsexuelle singt Chansons über das Anderssein, deren Zeilen sie mit ihrem Leben unterlegt. Der Münsteraner Ambient-Dreier Bersarin Quartett um DJ und Komponist Thomas Bücket holt sich als viertes Standbein verschiedene Gastmusiker auf die Bühne und macht mit ihnen Musik, die fast schwerelos ist, als wäre sie in einer Kapsel im Weltall eingespielt worden. Oder der Perkussionist Joasihdo aus Bayern, der klingt, als hätte er ein Musikpraktikum in Island absolviert und der mit seiner Loop Station entsprechend verträumt zu Gange ist. Der gebürtige Kanadier Hannes Smith wird Tanzflächenromantiker genannt, denn mit dem 180 BpM-Gedresche vieler elektronischer Mitspieler will er nicht mithalten. Die Aufenthalte in Berlin und Reykjavik prägen seinen Deep House, den er an knisternden Sounds und Glöckchenklang vorbeispülen lässt. Zu guter Letzt noch die Isländerin Kira Kira, die mit ihren Kompositionen aus selbst gemachter Musik und elektronischer Beschallung "melodischen Lärm" auf die Bühne bringt, also ebenfalls Knarzendes und Liebliches mit dem Rührbesen der Individualität durchmischt.

Auffallend, dass der Bezug zum Norden so groß ist. Die Huldigung Islands gipfelt in einem wunderschönen Film, den Kira Kira mitbringt, die eigentlich Kristín Björk Kristjánsdóttir heißt. Gleich am Donnerstag, zu Beginn des Festivals, wird sie gezeigt, die preisgekrönte Dokumentation über eine in Island lebende Greisin, die mit 70 Jahren ihre Küche zu einem Tonstudio umfunktioniert. An ihrem Keyboard wird sie bis zu ihrem Tod elf Jahre später 59 Kassetten und CDs mit mehr als 600 Songs vollspielen, die halbe Küche als Instrument oder Videoobjekt benutzen, Tauben gurren und Hunde bellen lassen und damit die kreative Szene der Insel inspirieren, die gefühlt die Hälfte aller Einwohner umfasst. Neben múm oder Sin Fang, die kleine Auftritte im Film haben, setzte sich auch Kira Kira mit der lebensbejahenden Altersbeschäftigung auseinander. Eine optimistischere Rentenvision ist für Musiker kaum denkbar. Gemeinsam mit zwei anderen Künstlern hat Kristín Björk Kristjánsdóttir "Grandma Lo-Fi. The Basement Tapes of Sigrídur Níelsdóttir" gedreht und die alte Dame bis zu ihrem Tod begleitet. Die Botschaft ihres Erstlingswerkes: Es ist nie zu spät das zu tun, worauf man Lust hat. Das vermutlich ist auch das Motto des Veranstalters, der sich mit dem Thalia Gardens Festival laut Ankündigung zu allererst selbst beschenken wollte. Bei dieser Auswahl dürften sich aber auch noch ein paar Gäste beschenkt fühlen. Juliane Hanka

Thalia Gardens Festival, 19.-21.7., Einzeltickets kosten im VVK 8 Euro, ein Gesamtticket 37 Euro. Beginn ist jeweils 20.30 Uhr. Rahmentanzprogramm im Café: Leise, John Tale und Max Beta vom Dresdner DJ-Team "Follow The White Rabbit". Genauer Spielplan unter www.sunsetmission.de oder unter www.facebook.com/ThaliaGardensFestival.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 18.07.2012

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