Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Medien „Dunkler Turm“ – Idris Elba als cooler Revolvermann
Nachrichten Medien „Dunkler Turm“ – Idris Elba als cooler Revolvermann
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
08:00 09.08.2017
Wenn er schießt, trifft er todsicher: Gegen Roland von Gilead (Idris Elba) ist selbst Lucky Luke eine lahme Ente. Quelle: Foto: Sony
Anzeige
Hannover

„Der Mann in Schwarz floh durch die Wüste, und der Revolvermann folgte ihm.“ Diesen Satz hält der amerikanische Schriftsteller Stephen King für einen seiner besten. Er beschließt seinen achtbändigen Romanzyklus „Der dunkle Turm“. Und steht zugleich ganz am Anfang des ersten Buchs. Die Kreisform dieses Mammutwerks, mit der King seinen Protagonisten Roland zum Heldentum des Immerselben verbannte, erschien vielen Fans nach der Lektüre mehrerer tausend Seiten wie ein böser Scherz. Sie hätten sich für das Werk, an dem King mehr als 40 Jahre (1970 bis 2012) schrieb, und das er für das „wichtigste“ seiner Laufbahn hält, ein großes, erlösendes Finale gewünscht. Stattdessen musste sich Roland von Gilead, Letzter aus dem Geschlecht der Eld, dessen Revolver aus dem Stahl von König Artus‘ Schwert Excalibur geschmiedet waren, ein weiteres Mal auf die staubige Odysee begeben, alle Welten zu retten. Womöglich nicht zum letzten Mal. Ein Sisyphos aus finsteren, magischen Landen, ein Verdammter in alle Ewigkeit.

Ein Junge träumt vom Ende aller Welten

Für den dänischen Regisseur und Drehbuchautor Nikolaj Arcel war dieser Roman-Loop ein Geschenk. Er legt nun eine filmische Fortsetzung zu dem literarischen Epos vor, erzählt eine neuerliche Irrfahrt Rolands, die ähnlich, aber eben nicht identisch zu der in Kings Romanen verläuft. Arcel kann sich für sein Pseudosequel bei der Vorlage bedienen und Neues hinzufügen, wie es ihm beliebt. Wieder mal, wenn auch nicht täglich, grüßt im Kino das Murmeltier.

Erzählt wird von dem Jungen Jake Chambers (Tom Taylor), der Träume von einer Welt hat, in der die übersinnliche Energie von telepathisch-seherisch begabten Kindern – bei Stephen King heißt diese Gabe schon seit langem „das Shining“ – abgezapft und in eine Art Todessternstrahl verwandelt wird. Jedesmal wenn das zerstörerische Licht auf den obskuren, wolkenkratzenden Turm trifft, der alle Universen in Balance hält, erschüttert ein Erdbeben unsere Welt. Jake wird in der Schule gemobbt, sein Psychotherapeut schiebt seine Weltuntergangsvisionen auf den Tod des Vaters, und der Stiefvater will ihn ins Irrenhaus abschieben, um freie Bahn bei Jakes Mutter zu haben. Keiner glaubt ihm, dass all dies wirklich geschieht, und bald schon haben ihn die Bösewichte aus dem Paralleluniversum als möglichen Turmbrecher auf dem Schirm. Jake rettet sich durch ein Portal nach Mittwelt, wo er direkt ans Lagerfeuer von Roland (Idris Elba) geworfen wird.

Der Mann in Schwarz hat einen blöden Masterplan

Der ist der letzte der Revolvermann-Gilde. Seine Mission ist der Schutz des Turms, angetrieben aber wird er nur noch von der Rache für seine Waffenbrüder. Dezimiert wurden die „Gunslinger“ durch Rolands Erzfeind Walter, jenen eingangs erwähnten Mann in Schwarz (Matthew MacConaughey), der Strippenzieher des angestrebten polyapokalyptischen Totaldesasters ist, um hernach die von ihm vernichteten Welten mit Horrorwesen aus der Twilight-Zone zu bevölkern. Ein – mit Verlaub – ziemlich blöder Plan für einen sadistischen Allesverderber. Gegenüber solchen Monstern dürfte Sadismus weniger Spaß machen als gegenüber Menschen.

Schnell rollen die 95 Minuten ab. Zum Showdown flitzen der Junge und der Pistolero ins New York von heute, wo der von Leuchtreklamen, Bordsteinschwalben und Coca-Cola ziemlich überforderte Roland seine Schießkünste öfter unter Beweis stellen darf als in seinem angestammten Mittwelt – weil es in Amerika einfach die unendlich viel mehr Munition gibt. Vom ungeliebten Sidekick wird Jake zum Kumpel des Superschützen – nicht ganz so treuherzig, wie es in George Stevens‘ altem Edelwestern „Mein großer Freund Shane“ der Fall war.

Idris Elba in den Cowboystiefeln Clint Eastwoods

Dass der Film funktioniert, verdankt er vor allem seinen Schauspielern. Damit ist weniger McConaugheys nicht allzu gruseliger Walter gemeint, der im Original ein paar knackige Einzeiler wie „Have a great apocalypse!“ abbekommt, aber in seinem schwarzen Blüschen eher aussieht wie der Ladenhüter unter den Kleinstadtdisco-Ladykillern. Taylor hat als Jake eine Verwundbarkeit in Blick und Gestus, die an den jungen Wil Wheaton in Rob Reiners King-Verfilmung „Stand by Me“ erinnert.

Und Idris Elba, bekannt geworden durch die britische Thrillerserie „Luther“, ist einfach cool als schweigsamer Westerner der Clint-Eastwood-Schule. Wenn ihm die Patronen beim Nachladen in die Revolverkammern fliegen und er seine Colts gemäß seinem ballistischen Saint-Éxupéry-Credo „Man schießt nur mit dem Herzen gut!“ blind abfeuert, liebt man diese viel zu wenig erklärende Fantasy-Räuberpistole. Jeder Elba-Moment tröstet auch darüber hinweg, dass die tricktechnischen Effekte weit hinter dem „State of the Art“ liegen, dass die Monster im Halbdunkel verharren, weil sie bei Lichte besehen die Kriterien für Monster womöglich nicht erfüllen, dass die Charaktere blass bleiben, manche Dialogzeile hölzern wirkt. „Der dunkle Turm“ erscheint wie der Pilotfilm einer Fernsehserie, der sich ins Kino verflogen hat. Und tatsächlich soll 2018 auch eine „Turm“-Serie folgen – mit Elba und McConaughey in den Hauptrollen. Eine neue Art von Franchise-Vermarktung. Dann erfolgt hoffentlich Feinzeichnung.

Angst vor dem schockierenden Romanende?

Nachdem das Projekt mehr als zehn Jahre in Hollywood kursierte, enttäuscht, wie wenig von des Autors großartigem Fabulieren hier übrigblieb. Warum Arcel nicht einfach direkt das Original verfilmt hat, fragt man sich. Nun, der erste Band von Kings Opus magnum hatte ein auserlesen schockierendes Ende. Und wer in Hollywood will heute noch sein Publikum verstören? Statt eines unvergesslichen Cliffhangers zum zweiten Film schließt Arcel lieber halbwegs happy. Und erweist sich somit als Hasenherz. Sein Held Roland hätte dafür nur die verächtlichste aller Revolvermann-Beleidigungen übrig: „Du hast das Angesicht deines Vaters vergessen, Nikolaj.“

Von Matthias Halbig / RND

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Der US-Sender HBO wird von Hackern erpresst. Die Internetkriminellen haben nun den Druck erhöht – und eine Zusammenfassung der nächsten „Game of Thrones“-Folge veröffentlicht. Die Unbekannten drohen mit weiteren Leaks – und fordern ein Lösegeld in Millionenhöhe.

08.08.2017
Medien Fernsehen: Geschichtsstunde bei Arte - Die Alliierten ließen Japans Kaiser laufen

Die Dokumentation „Death by Hanging“ (Arte, 8. August, 21.50 Uhr) widmet sich der Bewältigung des Zweiten Weltkriegs im Pazifik. Die japanischen Aggressoren wurden in Tokio wegen Kriegsverbrechen vor Gericht gestellt. Nur Kaiser Hirohito, für viele der Hauptverantwortliche, blieb unbehelligt. Für diese juristisch unglaubliche Vorgehensweise hatten die Alliierten gute Gründe.

07.08.2017

„Twin Peaks“-Fans in Aufruhr: Sky Deutschland hat die falsche Episode der Mysteryserie gezeigt. Statt Folge 13 konnten Zuschauer in Deutschland am Montag zeitweise bereits Folge 14 sehen. Auf Twitter sorgte die Panne für Wirbel. Ein Sprecher von Sky Deutschland versuchte die Wogen zu glätten.

07.08.2017
Anzeige