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Dresdnerin Maria Dragus spielt in „Licht“ die blinde Komponistin Maria Theresia von Paradis

Filmpremiere Dresdnerin Maria Dragus spielt in „Licht“ die blinde Komponistin Maria Theresia von Paradis

Als Schauspielerin ist sie natürlich Kameras gewöhnt. Am Dienstag wurde sie damit aber im Kino konfrontiert und musste Fernsehleuten Rede und Antwort stehen. Maria Dragus, geboren und aufgewachsen in Dresden, hat gemeinsam mit Regisseurin Barbara Albert ihren neuen Film „Licht“ im Programmkino Ost präsentiert. Danach sprach sie mit Filmkritiker Andreas Körner in der 61. Folge von dessen Veranstaltungsreihe „Körners Corner“ über Leben und Film.

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Regisseurin Barbara Albert (l.) und Schauspielerin Maria Dragus bei der Dresdner Filmpremiere.

Quelle: Foto: Michael Ernst

Dresden. Eine Schauspielerin Anfang zwanzig, bereits als 15-Jährige mit dem Deutschen Filmpreis geehrt, sie kommt in ihre Geburtsstadt Dresden und sorgt für eine ausverkaufte Filmpremiere. Trotz ihrer jungen Jahre hat sie bereits in mehr als zwanzig Filmen mitgewirkt. Nun war sie in der 61. Folge von „Körners Corner“ im Programmkino Ost zu Gast und präsentierte gemeinsam mit Regisseurin Barbara Albert den emotional sehr ergreifenden Film „Licht“. Ein Heimspiel?

Für mich ist das ein sehr emotionaler Abend. All die Leute, die mich aufgezogen und geprägt haben, sind hier. Viele Lehrer und Mitschüler, die längst zu guten Freunden geworden sind.

Maria Dragus, die eigentlich Maria-Victoria heißt, antwortet längst absolut professionell auf sämtliche Fragen. Egal, ob Filmkritiker Andreas Körner sie vorm Kinopublikum befragt oder ob sie den DNN während der Vorführung ein Interview gibt. Die Dresdner Wurzeln sind ihr wichtig geblieben.

Meine Mama ist ein sehr wichtiger Mensch für mich. Sie hat mich aber nie irgendwie geformt, sondern mir immer Freiraum für eigene Entscheidungen gelassen. Allerdings hat sie mich musisch sehr stark geprägt. Dafür bin ich ihr dankbar.

Natürlich sitzt die Mutter, Tänzerin Jana Dragus, mit im Publikum. Genauso wie die Geschwister von Maria-Victoria. Nur der aus Rumänien stammende Vater Nicolae-Silviu hat es nicht ins Programmkino Ost geschafft, denn er hatte als Solocellist Dienst in der Mittelsächsischen Philharmonie. Tochter Maria, die bereits zum wiederholten Mal bei den Filmfestspielen in Cannes gefeiert wurde, zum ersten Mal 2009 für „Das weiße Band“, genießt die Dresdner „Licht“-Präsentation ganz natürlich.

„Das weiße Band“ war ganz sicher der Startschuss für meine professionelle Karriere. Das war so unerwartet und überfordernd, im Nachhinein geradezu absurd. Aber Regisseur Michael Haneke hat mich damals sehr geprägt und mir eine Basis für das Verständnis von Filmarbeit mitgegeben.

Mitten im Publikum zeigte sich auch Christian Friedel, der von der ersten Zusammenarbeit mit Maria Dragus immer noch ganz fasziniert war und nun unbedingt ihren neuen Film „Licht“ sehen wollte. Darin geht es um das Schicksal der blinden Pianistin, Sängerin und Komponistin Maria Theresia von Paradis. Die lebte von 1759 bis 1824 in Wien und hat ganz Europa bereist. Ihr Schicksal sowie die Heilungsversuche durch Franz Anton Mesmer (dem Mozart in „Così fan tutte“ ein klingendes Denkmal gesetzt hat) sind bereits in Alissa Walsers 2010 erschienenem Roman „Am Anfang war die Nacht Musik“ thematisiert worden. Darauf stützte sich nun Regisseurin Barbara Albert, die ihrer Hauptdarstellerin einiges abverlangt hat.

Aller Anfang ist schwer, sagt man ja. Aber diese Figur war so weit von mir entfernt, dass ich mich sehr genau darauf vorbereiten wollte. Das geht ja auf echte Begebenheiten zurück, Generationen von Frauen waren damals so unterdrückt, da ist diese Resi aus meiner Sicht ebenso tragisch wie kraftgebend.

Wie hat sich die 1994 geborene Maria Dragus dieser Figur, einer Zeitgenossin von Mozart, Haydn und Beethoven, so annähern können? Das reale Vorbild konnte vom dritten Lebensjahr an nicht sehen, ist aber eine virtuose Musikerin gewesen. Die Paradis, einst als „tragisches Wunderkind“ gepriesen, war eine – heute beinahe vergessene – Lichtgestalt.

Ich habe wie bei jeder Figur viel beobachten können, durfte darüber hinaus aber auch zwei junge blinde Frauen begleiten, habe mit ihnen getanzt, bin der einzigen blinden Kindergärtnerin Deutschlands begegnet und habe von ihr viel gelernt. Irgendwann konnte ich das körperlich umsetzen.

Maria musste für diese Filmrolle schielen, mit Kontaktlinsen und Rokoko-Perücken schauspielern, sie hat sich der Kamerafrau Christine A. Maier geradezu ausgeliefert. Wozu auch einiger Mut zu Hässlichkeit gehörte. Die junge Schauspielerin hat all dies aber stets als Herausforderung betrachtet.

Für mich ist immer nur wichtig, um was für eine Geschichte es geht. Ist sie erzählenswert, gibt es einen Grund, sie zu erzählen? Wenn ja, dann gibt es auch eine Voraussetzung, sie umzusetzen.

Inzwischen ruft sogar Hollywood an, um Geschichten mit Maria Dragus umzusetzen und zu erzählen. Für die vom Tanz an der Dresdner Palucca Schule zur Schauspielerei gekommene Actrice natürlich eine besondere Herausforderung.

Ohne diese tänzerische Ausbildung hätte ich nicht den Mut und die Sicherheit, meinem Körper so zu vertrauen. Es hat also alles im Leben seinen Grund – und ich gehe sehr von der physischen Seite an so eine Rolle heran. Das hat mir auch bei den Dreharbeiten in England geholfen, wo ich gerade eine Hollywood-Produktion abgedreht habe. Es fühlt sich gut für mich an, mit Menschen zu arbeiten, die eine Vision haben.

Da steht also ein weiterer Kostümfilm an, in dem es um historische Figuren am britischen Königshaus geht. Doch jetzt feiern Maria Dragus und Barbara Albert erst einmal „Licht“, bei dem es nicht nur für die blinde Pianistin darum geht, das Sehen zu lernen.

Filmstart „Licht: 1. Februar

„Körners Corner“ Nr. 62 am 18. März mit Michael Gwisdek

Von Michael Ernst

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